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Was von uns bleibt

21.08.2011

Auf dem Alten St. Matthäus Friedhof nah beim S-Bahnhof Yorckstrasse liegen neben Rio Reiser und den Gebrüdern Grimm so manche andere "bedeutende" Person begraben.

Seit einigen Jahren wird er vom dem Verein EFEU betreut. Er wirbt für den Erhalt der bröckelnden Mausoleen und bringen Kultur auf´s Gräberfeld.
An Nachmittag war ich mit Augenstern zur Besichtigung der Ausstellung Parcour des Erinnerns auf dem Friedhof aufgebrochen.

Marion Fabian, Spurensicherung
Entlang einer Urnenwand begann der Rundgang. Hier hatte eine Künstlerin Marmorplatten entfernt und hinter Glas Erinnerungsmedien platziert. Ich war besonders von einer Box, die eine Festplatte enthielt, begeistert.
Es gibt ja schon Diskussionen, was mit unseren Facebook Einträgen, den Blogs und den Fotos, die wir ins Netz stellen, nach dem Tod passiert. Früher gingen Verstorbene nur über persönliche Erinnerung und / oder über ihre Werke ins kollektive Bewusstsein ein.

Nathalie Giraud-Diekert
Ruhezeit abgelaufen.
Seit einigen Jahren werden die Super 8 mm Privatfilme als Geschichtsarchive erforscht. Für das Durchforsten der Festplatten brauchen wir sehr viele neue Kulturhistoriker und Völkerkundler.
Um die Erinnerungen, die durch Gerüche hervorgerufen werden, kreiste das zweite Werk. In einer der Boxen erroch ich kalten Rauch.

Gisela Weimann, Mein Schatten bleibt
In einer Erzählung von Albert von Chamisso verkauft die Hauptperson seinen Schatten dem Teufel. Die Künstlerin des dritten Werkes drehte diesen Gedanken um. Bei ihr geht der Mensch, nur der Schatten bleibt. Das dies technisch möglich ist, haben Atombomben Explosionen bewiesen.

Detel Aurand
Ein Mensch stirbt, Erinnerung lebt
Sehr eindrucksvoll und hübsch anzusehen waren die mit dem japanischen Schriftzeichen für Leben bemalten, bunten Regenschirme.
Das Werk war nett anzusehen, doch mir erschloss es sich nicht. Was hatte es mit dem Thema Erinnerung zu tun?
Es wirkte etwas deplatziert.

Masko Iso, Schwebende Seelen
Etwas an Mumien erinnerten mich die mit Mullbinde umwickelte Äste, die an Bäumen hingen.
Die Künstlerin sagte dazu: "Eingehüllt in Weiß werden die Seelen sichtbar gemacht und schauen auf und herab" Dies erschloss sich mir nicht.


Sandra Riche, Notgedächtniss
Notschlüsselkästen, die überall zu finden sind, stellte eine Künstlerin auf den Friedhof. Diese enthielten aus Scrabblesteinen zusammengesetzte Worte. Wörter sind Bausteine des historischen Gedächtnisses. Viele, die sich dem Tod nähern, verlieren diese durch Demenz, daran soll das Werk erinnern.

Einiges meiner Meinung nach zu sehr misslungene Werke möchte ich euch durch Weglassen ersparen.

Liz Crossley, Gras wird über
unsere Städte wachsen
Für mich stellte die Skulptur der aus Südafrika stammende Künstlerin die Hauptattraktion der Ausstellung dar.
Ihrem Werk liegt die Annahme zugrunde, dass zukünftige Bewohner der Erde anfangen unseren Schutt abzutragen. Die neue Erdoberfläche wird durch die bewachsene Fläche über dem Holzgerüst symbolisiert. Auf der "alten" Erdoberfläche hat sie das Wort  GRASS GROWS (Gras wird über unsere Städte wachsen) in den Rasen geschnitten. Der Spruch ist ein Zitat aus der Bibel.

Den Schnitt muss sie aber ständig nacharbeiten. Bei dieser Tätigkeit trafen wir sie an. Sie sagte, dass sie bei dieser Arbeit oft über den von Menschen gemachten Zustand des Planeten nachdenkt. Eine kluge Frau zeigt hier was Kunst zu leisten vermag.

Zum Schluss boten uns die VeranstalterInnen des Rundgangs noch ein besonderes Ereignis. Aus einem leeren Mausouleum erklang Violinenmusik.
Zuerst dachte ich, dass es sich um eine weitere Installation handelte. Doch dort spielte Claudia Teschner im Halbdunkeln Violine.
Ein wunderschönes Hörerlebnis bot sich uns.
Nach dem Kunst Parcours besichtigten wir noch "besondere" Grabstellen.

Einige sind vom Verein Denk mal positivHIV betreut, der Aidskranken eine letzte Ruhestelle vermittelt. Um die Familiengräber des Friedhofs zu erhalten, können Interessierte die Pflege einer Denkmal geschützten Grabstelle übernehmen und sich dort auch beerdigen lassen.

Dies tat der Verein und so erwarb er das Recht tote Aidsopfer begraben zu können. Die Krankheit HIV bedeutet ja auch für viele Verarmung und das oft mit der Konsequenz eines anonymen Grabes.

Nach so viel Tod und Kunst genossen wir noch Kaffee und Kuchen im am Friedhofseingang gelegenen Café. Ein bezaubernder Ort, besonders wenn das Wetter mitspielt.


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