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Sugarmamas auf Safari

21.01.2013

GASTBEITRAG


Zum Thema Sextouristinnen gab es vor ein Paar Jahren den Film "In den Süden" mit Charlotte Rampling in der Hauptrolle. Jetzt bringt der Österreicher Ulrich Seidl uns in seinem Film "Paradies: Liebe" nach Kenia. Dort suchen die in die Jahre gekommene Europäerinnen den Kick von jungen, knackigen Männern begehrt zu werden. Die fünfzigjährige Teresa macht Urlaub in Kenia, wo ihre Freundinnen sich schon routiniert von Einheimischen anbaggern lassen. Teresa hat als Anfängerin erstmal Hemmungen sich auf das Spiel einzulassen, sie ist unerfahren und teilweise naiv. Sie versucht an der Illusion Liebe festzuhalten, glaubt an echte Begierde.

Es geht  jedoch um knallhartes Geschäft.  Eine weiße Urlauberin ist für einen jungen kenianischen Familienvater eine zu Fleisch gewordene Geldbörse. Die Frauen nutzen deren Not in erniedrigendem, kolonialistischem Stil.

Das Wort Safari bedeutet Jagdreise, hier geht es um eine Sexsafari. Wer wen jagt, möge offen bleiben.

Teresa ist übergewichtig, weit entfernt von westlichen Schönheitsidealen. Den kenianischen Beachboys ist das Alter und die Festigkeit des Körperfleisches  zweitrangig, Hauptsache die Medikamente für das Baby werden bezahlt.

Teresa wird in das raue, bescheidene Welt der Einheimischen mitgenommen, sei es für eine Mitleidstour in den ärmlichen Behausungen oder für schnellen Sex in einem trostlosen Stundenhotel.

Den jungen Männer sind alle Mittel recht, Hauptsache es springt was dabei raus. Es wird gelogen, getrickst, sexuelle Interessen, ja sogar Liebe,  vorgegaukelt. Manche Methoden sind schlicht erniedrigend.

Teresa kann in den Schutz ihres Luxusressorts zurückkehren, wo Touristen Tag und Nacht bewacht werden.
Die Beutetouren werden zusammen mit den Freundinnen ausgewertet. Da wird unablässig über die Sexpartner gesprochen, sich lustig über deren Sprechversuche in Deutsch gemacht. Ist es Gleichberechtigung, wenn vier Frauen sich mit einem bezahlten Boy vergnügen? Ist es moralisch verwerflich, wenn es sich bei dem als Geburtstagsgeschenk bestellten Stripper um einen Mann aus der so genannten Dritten Welt handelt? Gibt es Freiwilligkeit in Sachen gekaufter Sex?


Die Rollen im Film sind teilweise mit Berufschauspielern, teilweise mit Laien besetzt. Terese wird grandios von Margarethe Tiesel gespielt. Vieles im Film wirkt authentisch, beinah dokumentarisch. Es ist kein fröhlicher Film, jedoch allermal sehenswert. "Paradies: Liebe" ist der erster Teil einer Trilogie des Regisseurs. Der dritte Teil „Paradies: Hoffnung“ läuft im Wettbewerb auf der Berlinale.



Kritiken der Anderen: Zeit, Tagesspiegel, Spiegel,

Liedermacher Revival

19.01.2013

Als junger Kerl war ich in Berlin regelmäßiger Gast in Clubs, in denen auch Liedermacher mit Gitarre und deutschen Texten auftraten. Bei einer solchen Kombination sind die musikalischen Möglichkeiten jedoch recht begrenzt und so war ich froh, als der Hype um die Liedermacher abebbte. Zwar gibt es einzelne übrig gebliebene Leuchttürme wie Hannes Wader, aber ein Konzert mit ihm hätte ich nicht freiwillig besucht.

Leider ist das Foto etwas veraltet.
Dieses Mal war es eine Einladung, die mich ins SO36 lockte. Es war gerammelt voll. Der erste Minuspunkt beim Konzert war, dass das Rauchverbot nicht durchgesetzt wurde. Der Gestank war dementsprechend.
Dann trat die Vorgruppe Billi Rückwärts, zwei Jungs mit Gitarre und eine Frau mit Geige, auf. Musikalisch waren sie recht gut, leider waren die Texte spätpubertierendes Geschwätz.

Dann erschien Götz Widmann, der Star des Abends. Er spielte ein Wunschkonzert. Seine Fans hatten die Auswahl getroffen. Schon beim ersten Song sangen viele mit, die Texte wurden besser, doch richtig begeistert war ich auch nicht.
Nach dem dritten Lied verließen wir das SO36.

Wir zogen weiter ins Ballhaus Naunynstrasse. Dort hat die bekannte DJane Grace Kelly die Bar im Keller übernommen. Die hat sie auf den Namen "Heimlich" getauft. Wie gehofft, hörten wir dort einen tollen Weltmusikmix aus dem Laptop.



Auf dem Heimweg entdeckten wir im Treppenhaus spannende Kunstwerke von Silvina Der-Meguerditchian.
Sie ist Nachfahrin armenischer Flüchtlinge aus der Türkei und zog aus Argentinien nach Berlin. Ihr Teppich mit eingewebten, geschlossenen Augenpaaren steht für die geleugnete Verantwortung der Türken an der Vertreibung und den Massakern an der armenischen Minderheit 1915 / 1916.
Die Opferzahlen schwanken zwischen 300.000 und 1,5 Millionen.