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Beerdigung auf Probe

04.08.2012

Eine neue Konzertreihe unter dem Titel Kulturkapellen findet auf Berliner Friedhöfen statt. Wo sonst die Totenmesse gelesen wird, treten KünstlerInnen auf. So kann man / frau den Ort der eigenen Totenfeier testen. Eine lukrative Werbung für die beteiligten Friedhofsverwaltungen.

Jedoch auch eine spannend bestückte Konzertreihe bei freiem Eintritt.
Die Liebste und ich besuchten an einem Samstag Abend deshalb den Friedhof der Friedrichswerderischen Gemeinde in der Bergmannstrasse in Kreuzberg 61.

Unter dem Titel: "Vintage Keys - Musica Sequenza" spielte Burak Özdemir Fagott zu Samples. Er ist ein klassisch ausgebildeter Solist und in Konzertsälen vertreten. Die Kombination Fagott und elektronische Musik funktionierte fantastisch. Ein interessantes Experiment und daraus entstand durchaus tanzbare Musik. Den Namen Burak Özdemirs sollten wir uns merken.
Ich hoffe, die Konzertreihe wird im kommenden Sommer fortgesetzt.

Ramadan

01.08.2012

Andere Religionen, andere Gebräuche. Wenn die Anhänger Muhammads religiös fasten, tun sie das den Tag über bis zum  Sonnenuntergang. Danach wird geschmaust und gefeiert. Aus diesem Anlass findet in Berlin Nächte des Ramadan statt. Für ein Konzert im Museum für islamische Kultur auf der Museumsinsel hatte ich Karten gewonnen. Vorbei am Diebesgut, das die Deutschen im vorderen Orient zusammengeklaut haben, wurden meine Liebste und ich in einen kleinen Saal geführt. Dort trat die kurdische Sängerin Cigdem Aslan auf.

Begleitet wurde sie von MusikerInnen, die überwiegend aus Griechenland kamen. Entsprechend multikulturell balkanisch waren auch die Lieder, die sie sang. Wir waren, wie der Rest des Publikums, vom Vortrag begeistert und klatschten uns zum Schluss die Hände rot.

Kassel

26.07.2012

Panorama von Kassel. Aufgenommen vom Herkules im Bergpark Wilhelmshöhe
Herzliche Grüße aus der Waschbärmetropole. Die Stadt hat angeblich die meisten der possierlichen Tiere weltweit zu bieten. Leider sahen meine Liebste und ich keinen  Andere BesucherInnen in großer Zahl zieht es nach Kassel wohl nur alle fünf Jahre zur documenta. Auch wir teilten diese Motivation. Als ehemalige Residenzstadt bietet es noch einige Gebäude der alten Blutsauger, Hügel rund um die Stadt, die Fulda mit Auenlandschaft und einige Hinterlassenschaften von KünstlerInnen vergangener documentas. Außerdem besitzt Kassel eine Fußgängerzone! Sonst ist nicht so richtig viel los in Kassel, das ist bei knapp 200.000 Tausend EinwohnerInnen und sicher 2.000 Waschbären nichts ungewöhnliches.


Die adligen Blutsauger haben ein wenig außerhalb der Stadt das Schloss Wilhelmshöhe hinterlassen. Eine Hauptstrasse führt als Sichtachse vom Zentrum dort hin. Das Gebäude und die bemerkenswerte im englischen Stil angelegte Parkanlage lohnen einen Besuch.

Das Haus beherbergt eine Gemäldegalerie alter Meister und zusätzlich wechselnde Ausstellungen.

Verladung eines „Tiger"-Panzers
bei Henschel-Kassel
Sonst bietet Kassel nicht mehr viel Historisches. Nach der Wahl Hitlers wollten die CasselanerInnen unbedingt  Reichsgaustadt werden, dann sorgten sie für den Nachschub von Kriegsgerät für die Eroberungen und trotzdem maulten sie, dass 1943 alliierte Bomber die Stadt in Schutt und Asche legten.

Leider scheinen die Casselaner nicht viel aus den Angriffskriegen, die sie unterstützten, gelernt zu haben. Wie sonst ist es möglich, dass sie ein riesiges Denkmal für die Mörder der Wehrmacht aus ihrer Stadt mitten in die Karlsaue gebaut haben.
Was Hübsches zum Sprengen.
Heute ist die Stadt überwiegend durch langweilige 50er Jahre Gebäude gekennzeichnet. Architektonisch kann man nur ein schweres Erdbeben wünschen. Oder al-Qaida tut ein gutes Werk. Wegen der Leopards, die an das widerwärtige saudiarabische Regime geliefert werden.

Wir reisten mit dem ICE aus Berlin an. Im Zug lag eine Information aus, dass der Halt am Flughafen Schönefeld auf unbestimmte Zeit verschoben ist. Die Bahn hat offensichtlich genauere Informationen von der Baustelle als die Regierenden in Berlin und Brandenburg.

Wir stiegen am Bahnhof Wilhemshöhe aus, dort halten nur ICE. Dieser ist eine der Shopping Malls mit Bahnanschluß, die von der DB in alle größeren Städte gepflanzt werden.Wir holten die beim Fahrradhof Wilhelmshöhe bestellten Drahtesel ab.

Kulinarisch kann ich Einiges aus Kassel vermelden. Als erfahrener Reisender hatte ich mir die Mühe gemacht vorher im Restaurantportal qype Lokalitäten mit guten Bewertungen und mit Biergarten, am Besten mit Fuldablick auszugucken. Auf der documenta war die Versorgung durch viele kleine Stände gesichert. Doch Abends wollten wir richtig sitzen und entspannen. Mehr aus Zufall gerieten wir entgegen meiner guten Planung ins Restaurant Mittendrin in einen Ruderclub an der Fulda. Hübsch war der Blick auf den Fluß, doch leider war das Essen sehr mittelmäßig.

An einem anderen Abend tranken und aßen wir im Rondell Cassel einem ehemaligen Geschützturm aus dem Jahr 1523. Von hier hat man / frau einen herrlichen Blick auf die vorbei fließende Fulda.
Ein Biergarten, der den Besuch lohnt. 

Leider gibt es nur einen Imbissstand mit durchschnittlicher Qualität. Aber teuer sind die Speisen und das Bier nicht.
So chillten wir nach den "Kunststress" dort gerne, denn von den meisten documenta Orten ist der Biergarten nicht weit entfernt.


An der Strasse 'Schöne Aussicht' entdeckten wir dann noch ein weiteren Ort für Essen und Trinken mit herrlicher Ausblick. Das Mundo liegt hoch genug, um einen guten Blick auf die Fuldaauen zu bieten. Durch die großen Panoramafenster ist dieser auch bei schlechtem Wetter möglich. Außerdem ist das Neue Museum nur fünfzig Meter entfernt.

Als wir so durch Stadt streiften, fanden wir auch immer Monumente, die Künstler vergangener documentas vergessen haben. Z.B. diesen Bilderrahmen, aus dem wohl schon das Bild geklaut wurde oder der Künstler war zu faul die Landschaft dahinter zu malen.

Wir entdeckten auch noch den "Skandal" der documenta. Die etwas überdrehte Chefin der selben hatte sich darüber tierisch aufgeregt. Sie meine wohl, dass außer ihr keiner Kunst in Kassel darf. Die Kirche Sankt Elisabeth am documenta Gelände hatte eine sich drehende Skulptur von Stefan Balkenhol in den Turmgiebel eingebaut. Den kann ich auch nicht leiden, denn er hat für den Springer-Konzern gearbeitet, aber wir hätten seinen Holzmann sicher nicht mal bemerkt, hätte die documenta Chefin nicht so einen Aufstand gemacht.

documenta Halle

28.07.2012

Hier erwarteten wir die wichtigsten Kunstwerke der documenta. Die großen Räume in dem 1992 gebauten Gebäude sind für große Kunst prädestiniert. Es ist selbst schon ein Juwel.

Leider wurden wir, was die Kunst angeht, etwas enttäuscht.
Ganz besonders war nur das Video / Schattenspiel der indischen Künstlerin Nalini Malani.
Sie paart fruchtbar ihre technische Fertigkeit mit klarem künstlerischem Konzept und einem mitreisenden Klangteppich.

Im Raum waren fünf mannshohe rotierende Plexiglaszylinder an der Decke montiert. Auf die Wänden wurden Videos projiziert, die von den im Kreis wandernden Schattenbildern aus den Zylindern überlagert wurden.



Verlässlich gut waren auch noch die Malereien der 1925 geborenen grand dame Etel Adnan. Ihre Bilder sind durch stark farbige monochrome Flächen gekennzeichnet. Meist malt sie abstrakt, manchmal kann man / frau aber auch Dinge erkennen. Die späte Bekanntmachung ihrer Bilder auf der documenta ist eine späte Genugtuung für die Künstlerin.



Die restliche gezeigte Kunst war so lala.

documenta Hauptbahnhof

28.07.2012

Der ehemalige Hauptbahnhof wir heute nur noch für Regionalbahnen genutzt. Die Lokschuppen und Lagerhallen stehen meist leer und wurden von der documenta genutzt.

Als wir die Bahnhofshalle betraten, begegneten uns zuerst Menschen mit Bildschirmen in der Hand und Kopfhörern auf den Ohren.
Unsere Lieblinge Janet Cardiff und George Bures Miller hatten das verbrochen. Die kannten wir von einem Audio / Video Aktion aus dem HAU in Berlin.

Hier boten sie einen geführten Rundgang durch den Bahnhof an. Wir verzichten darauf, um mehr Zeit für die Hallen zu haben.

Istvan Csakany aus Rumänien war ein Künstler, dessen Arbeit uns restlos begeisterte. Er hatte eine komplette kleine Kleiderfabrik in eine Halle gestellt. Da war alles vorhanden, inklusive der Elektroinstallation, aber alles aus Holz gefertigt. Das war verrückt anzusehen.

Wie auch keine ArbeiterIn zu sehen war, verzichtete der Künstler ebenfalls in deren Produkte Körper zu stecken.
Wir standen mit offenen Mündern davor. Hier erfuhren wir, weshalb ein documenta Besuch sich wirklich lohnt.

Kaum waren unsere Münder nach einem kleinen Imbiss wieder geschlossen, stellten wir uns in die Schlange der BesucherInnen, die Einlass in die Installation vom Südafrikaner William Kentridge begehrten. Meist verzichten wir ja auf Kunst, wo man / frau sich anstellen muß, aber hier hatten wir wirklich Glück, dass wir unsere Grundsätze über den Haufen warfen.
Wenige Minuten nachdem die ca. 30 minutige Multimediaoper begonnen hatte, wüsste ich, Besseres werde ich wohl auf dieser documenta nicht mehr zu sehen bekommen. Der Titel lautete: "The refusal of time" (die Verweigerung der Zeit).


In der Mitte des halbdunklen Raumes arbeitete sich eine Art hölzerner riesiger Webstuhl ab. Fortwärts drängende Zirkusmusik leitete und begleitete das Spektakel. Zuerst wurden an alle Wände Metronome projiziert, dann Videofilme und zum Schluss zog eine Schattenkarawane über die Wände.
Schaut euch das Video an!



Der Rest der Kunst im Hauptbahnhof war eher Durchschnitt. Zum Beispiel der Schrotthaufen der Italienerin Lara Favaretto. Viele KünstlerInnen nutzen zwar Schrott als Ausgangsmaterial für ihre Werke, aber einen Schrottberg als Kunst finde ich langweilig.

documenta Karlsaue

26.07.2012

Das Freigelände Karlsaue ist bei gutem Wetter alleine als Parkanlage bezaubernd. Hier waren wir durch die gemieteten Fahrräder wegen der langen Wege eindeutig im Vorteil.

Grundsätzlich muss ich anmerken, dass die meisten aufgebauten Pavillons, in denen Kunst gezeigt wurde, eindeutig nur ein Ersatz für fehlenden Platz in festen Gebäuden darstellten. Damit wurden die Möglichkeiten, die Freiluft bieten, überwiegend verspielt.

Es gab aber Werke, die nur nach draußen passten und unter diesen Bemerkenwertes. Die Piktogramme zeigen was BesucherInnen im Park erlaubt war.

Mit seiner Galgenplattform wollte Sam Durant gegen die Todesstrafe in den Vereinigten Staaten demonstrieren. Ein ansehnliches Werk, leider erschloss sich sein Sinn nur lesend.

Eine witzige Idee steckte im Sanatorium Pavillon. Hier wurde das Psychobusiness veräppelt. In weiße Kittel gewandete "MitarbeiterInnen" boten unter anderem Paarberatung an. Die Performance von Pedro Reyes fand viel Zuspruch.

Am eindrucksvollsten war für uns eine Audioinstallation von Cardiff / Miller in einem kleinen Wäldchen. Man / frau platzierte sich dort in einem Kreis von Lautsprechern. Wir hörten Tondokumente, die an diesem historischen Ort beinahe authentisch waren.

"For a thousand years" (tausend Jahre) waren präsent. Es begann mit Wind, der in den Bäumen die Blätter zum Rascheln brachte und Tierstimmen. Dann waren Geräusche einer Schlacht aus dem Mittelalter zu hören, die nicht weit entfernt wirklich stattgefunden hatte. Alles endete mit dem Lärm der fallenden und explodierenden Bomben, die einst Kassel zerstörten.



Neben der Kunst bot die Karlsaue noch nette Cafes und als besondere Attraktion einen Hundespielplatz, von Brian Jungen gestaltet.
Hier konnten unsere vierbeinigen Freunde nach Herzenslust artistisch tollen. Mancher Dackel entdeckte seine Liebe zur Kunst.

documenta Fridericianum

25.07.2012

Das Haus ist 1779 als eines der ersten Museen Europas errichtet worden. Hier stellten die hessischen Landgrafen ihr geraubten oder mit ausgepresstem Geld gekauften Kunstwerke aus.
1955  fand in diesem Haus die erste documenta statt.
Wie in vielen vor 1900 gebauten repräsentative Museen sind die Räume eher klein, aber in großer Zahl vorhanden.
Etwa siebzig KunstlerInnen waren hier ausgestellt.

Sehr beeindruckt haben mich die Geschichte und damit auch die Bildpostkarten von Korbinian Aigner. Der war Inhaftierter in Dachau und es gelang ihm in der Gärtnerei mehrere neue Apfelsorten zu züchten. Er überlebte die Mordmaschine.
Er hat in seinem weiteren Leben über Äpfel und Birnen in Postkartengröße gezeichnet.
Ein ganzer Raum war damit voll gehängt. Mir gefiel es sehr gut, dass die documenta einen der wenigen deutschen Widerstandskämpfer ehrte.
Sehr interessant fand ich auch das mit verschiedenen Materialien beklebte Bild vom US-Amerikaner Llyn Foulkes. Seine Kunst erschließt sich nicht schnell. In seinen Werken finden sich oft Einzelheiten, die widersprüchlich sind. Eine Mickeymouse in Frauenkleidern mit Gewehr sind zu erkennen.
Wir sehen eine Autobrücke über einer Müllhalde, die in eine Stadt übergeht, ein Mann schaut auf eine Mikrowelle, daneben liegt ein mumifizierter Affe. Links sitzt Jemand versteinert, der an einen australischen Ureinwohner erinnert.
Schön ist anders. Auch das ältere Ehepaar ist schonungslos gemalt.
Ästhetisch ansehnlich waren die stark traditionell orientierten Arbeiten des Kambodschaners Sopheap Pich.
Bambus ist sein bevorzugtes Material und das verarbeitet er virtuos. Die Gitter sind zart bemalt und wirken damit noch graziler und plastischer.
Ebenfalls stark durch ihren ethischen Hintergrund ist das Werk der Aborigines Warlimpirrnga Tjapaltjarri und Doreen Reid Nakamarra geprägt. Sie waren beide Mitglieder im Künstler Kollektiv Papunya Tula Artists. Ihre Motive sind aus Naturformationen abgeleitet.
Eine Wiederentdeckung sind die Teppiche der 1970 gestorbenen Schwedin Hannah Ryggen. Zu ihrer Zeit waren Webarbeiten noch in der Kunst gebräuchlich. Ihre Werke waren oft dezidiert politisch. Auf dem Wandbehang links beschreibt sie den Faschismus, wie er Menschen einsperrt und ermordet.
Die 1943 von den Deutschen in Auschwitz ermordete Künstlerin Charlotte Salomon war vor ihren Häschern nach dem vermeintlich sicheren Südfrankreich geflohen. Dort erfuhr sie vom Selbstmord ihrer Mutter. Das Leid darüber versuchte sie künstlerisch zu verarbeiten. Sie gestaltete das Singspiel "Leben? oder Theater?" und malte dazu 769 Gouachen (Wasserfarbenbild), von denen Einige zu sehen waren.
Nach gut drei Stunden waren wir von dem angebotenen Kunst fast erschlagen. So entschieden  wir uns dafür uns nicht auch noch anzustellen. In der Rotunde wurde Spannendes geboten, doch wir hatten fertig. Zu sehen waren z.B. die Fotos der im Auftrag des Life Magazin arbeitenden Fotografin Lee Miller. Direkt nach der Kapitulation der Deutschen hatte sie in Hitlers Badewanne geplanscht.
Zu bestaunen waren auch die mysteriösen Baktrischen Prinzessinnen. Diese sind weniger als 20 Zentimeter groß und aus Speckstein gearbeitete Figuren. Sie wurden in dem zwischen dem Pamir und dem Hindukusch Gebirge gelegene Gebiet gefunden und entstanden vor ca. 3000 Jahren. Die KünstlerInnen und der Zweck der Figuren sind unbekannt. Baktrien war ein früher Kulturort.

documenta Neue Galerie

24.07.2012

Die Neue Galerie in Kassel ist im 19. Jahrhundert gebaut worden und ist heute, wenn es nicht von der documenta okkupiert ist, ein Museum für moderne Kunst.

Zuerst entdeckten wir Gemaltes von Gordon Benet, dessen Vorfahren Aborigines waren. Er kombinierte Einflüsse der klassischen Moderne (Mondrian) mit der Kunst der Ureinwohner Australiens. Damit gelang ihm, den bisher ignorierten Werken der Aborigines, international zum Durchbruch zu verhelfen. Er griff damit aber auch das weiße rassistische Australien an, dass die Ureinwohner für minderwertig hält.

Dann stießen wir auf Emily Carr. Diese 1871 in Kanada geborene Künstlerin war die erste, die Motive der indianischen Gebrauchskunst einband. Dies zu einer Zeit als Indianer nur Objekte gesellschaftlicher Integration waren. Zum Glück misslang diese.

Sanja Ivekovic ist eine kroatische Künsterin. Sie stellte einem Fotodokument aus Kassel eine Vitrine mit Spielzeugesel zur Seite.
Das Foto von 1933 zeigte einen auf dem Kasseler Friedrichsplatz in einem Stacheldrahtkäfig eingesperrten Esel.

Dieser wird von SA bewacht. Damit zeigte die frisch gewählte Regierung, wie sie mit Widerstand umgehen wollte.
Die Spielzeugesel in der Vitrine trugen Namen widerständiger Menschen wie Rosa Luxenburg oder Jan Pallach.

Eine Entdeckung der ästhetischen Art bot die Kunst der 1973 gestorbenen Brasilianerin Maria Martins. Ihre Wesen, halb Mensch halb Pflanze faszinierte viele BesucherInnen.
Sie verbrachte viele Jahre in den USA, lernte dort die vor den Deutschen geflüchteten Surrealisten kennen und trat mit ihnen in künstlerischen Dialog.

Ein Künstler der Presenz zeigte war Stuart Ringholt.
An den Agressionsworkshops konnte man / frau teilnehmen. Alles unter dem Motto: "Für jede Minute, die du wütend bist, verlierst du 60 Sekunden Glück." Eine süße Idee, doch wir hatten leider keine Zeit dafür.



Zum Ende des Rundgangs schauten wir die Videoarbeit von Wael Shawky. Unter den Titel "Cabaret Crusades" gestaltet er mit alten italienischen Marionetten ein Panorama der Kreuzzüge. Er beruft sich dabei auf den Historiker Amin Maalouf, der mit seiner Schrift "Der  heilige Krieg der Barbaren, die Kreuzzüge aus arabischer Sicht", die die Meinungshoheit des christlichen Abendlandes in Frage stellt. Er hat dazu viele vorher ignorierte arabische Quellen ausgewertet. Das war spannend anzusehen, doch leider schloss das Museum, wir mussten abbrechen.