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Zärtlichkeiten in Lieberose

28.06.2020

Das kleine Nest Lieberose im Spreewald hat auch für mich eine besondere Bedeutung. Vor drei Jahren verliebte ich mich dort im Schloss beim Besuch der Rohkunstbau in meine Frau.

Ein Jahr später ehelichte ich sie dort im Rathaus.
In diesem Jahr besuchte ich nun zusammen mit ihr die aktuell 25. Ausgabe der Rohkunstbau Ausstellung. 
Zum Jubiläum stellen ausschließlich KünstlerInnen aus, die schon einmal dort mit Werken vertreten waren.
Motto: „Zärtlichkeit. Vom Zusammenleben“
Rechts seht ihr uns als zärtliches Paar in der Arbeit "Andere Bedingungen Aggregatzustand" von Alicja Kwade.

Unter den KünstlerInnen sind auch noch weitere bekannte Namen zu finden:
Thomas Rentmeister, Via Lewandowsky, GODsDOGs (Britta und Ron Helbig), Alicja Kwade, Bettina Pousttchi, Bjørn Melhus, Leiko Ikemura, Thomas Scheibitz, Christiane Möbus, Gregor Hildebrandt, Michael Sailstorfer, Julian Rosefeldt, Karin Sander, José Nogueros,  Olga Chernysheva, A.K. Dolven, Ayşe Erkmen, Thomas Florschütz, Gregor Hildebrandt,Ola Kolehmainen, Yehudit Sasportas.
Beeindruckend, die ausgebuddelte Laterne von Via Lewandowsky mit dem Titel "Alles was der Fall ist"

Im Hof sah ich dann nochmal die Angetraute durch die Spiegelröhre von Alicja Kwade, benannt "Megasubstanz"

An den parkenden Autos mit B-xx xxxx war zu sehen, die Ausstellung ist ein Touristenmagnet.

Aber irgendwie auch ein Fremdkörper in der Provinz. Das ist gut an den Öffnungszeiten zu erkennen. Schulklassen werden kaum am Wochenende kommen.
Eintritt frei für Schulklassen und kostenloser Bustransfer wären eine gute Lösung.
Leider ist auch für AusflüglerInnen der Besuch am Wochenende mit dem ÖPNV ein Problem. Lieberose hat keine Bahnanbindung, von Cottbus her gibt es zwar einen Bus (21) aber...
Trotzdem lohnt der Besuch der Rohkunstbau 2020.
Der Eintritt beträgt 10 € pro Nase.

Geöffnet ist die Ausstellung vom 27. Juni bis 20. September, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Spekulanten, Nazis und Widerstand in Kreuzberg

17.06.2020

Endlich wieder im Kino und sogar open air.
Wir sahen die "Känguru Chroniken", die Verfilmung eines Buches / Hörbuches mit Kult Charakter. Ich kannte die Vorlagen nicht und Komik im deutschen Film, da bin ich vorsichtig.
Aber ich hoffte das gut Wetter und die nette Begleitung trösteten mich über einen möglicherweise schlechten Film hinweg.
Doch meine Vorurteile wurden durch die Realität überzeugend überstimmt.
Es gibt sie doch, die deutschen Filme mit Humor.
Die Geschichte:
Bei unserem Helden, einen etwa 35jährigem Salon-Anarchisten und Lebenskünstler, wohnhaft in einem Altbau irgendwo in Kreuzberg klingelt ein Rotes Riesen Känguru (Macropus rufus). Diese Gattung erreicht die Höhe eines ausgewachsenen Menschen. Es fragt nach ein paar Eiern, es sagt es will Pfannkuchen backen und ihm fehlen Eier. Etwas genervt gibt ihm unser Held diese und hoffte wieder in seinem Bett ruhe zu finden. Störungen vor Sonnenuntergang gefallen ihm wenig.
Doch nach einigem hin- und her und kurze Zeit später ist das Känguru bei ihm eingezogen. Es hat seine Hängematte aufgehängt und eine Karl-Marx Büste aufgestellt, es ist schließlich überzeugter Kommunist.
Das Spiel kann beginnen.


Ich gebe zu, dass der Film keine fundierte Analyse über das Verhältnis Mensch <> Känguru zu bieten hat, aber unterhaltsam ist er allemal.


Endlich wieder!

25.05.2020

Portrait Lee Mingwei
Foto: Matteo Carcelli
Nach Monaten der Abstinez endlich wieder Kunst.
Im Martin-Gropius-Bau sah ich mit einer Freundin die Werke von Lee Mingwei, er stellt sie unter dem Titel Geschenke und Rituale aus.
Vielleicht war es ja nur lange Abwesenheit der Kunst, die uns die Ausstellung so begeistert aufnehmen ließ, aber ich glaube sie ist ganz nach meinem Geschmack.  . 
Zum einen sind die dahinter steckenden Geschichten persönlich, aber allgemein interessant und dazu sind seine Ideen sehr spannend aufbereitet.
Da viele seiner Arbeiten das Thema Frieden umkreisen, ist es eigentlich kein Wunder das das Bild Guernica von Picasso in der Ausstellung einen zentralen Platz einnimmt.
Er hat es auf dem Boden des Innenhofs aus Sand nachgebildet.
Ist doch die erste Zerstörung einer kompletten Ortes durch Bomben ein bedeutendes Ereignis des letzten Jahrhunderts. Die deutsche Luftwaffe war verantwortlich für dieses, ihr erstes Kriegsverbrechen nach dem ersten Weltkrieg.

Foto: Laura Fiorio

In einem Video war zu sehen, wie wohl die "Zerstörung" des Sandbildes, zum Ende der Ausstellung von statten gehen soll. Dann werden vor Publikum HelferInnen mit Besen die Farbsegmente vermischen.
In den Seitenräumen rund um den Innenhof stellt der Künstler dann einzelne Ereignisse und die daraus entwickelten Ideen vor.
So zum Beispiel hatte Schuberts Lieder Zyklus ihn in einer schweren Stunde sehr berührt. Also lässt er uns dadurch an seinem Gefühl teilhaben, dass jeweils einzelne BesucherInnen von SängerInnen zu einem persönlichen Liedvortrag eingeladen wurden. Auch mir ist das passiert.

Foto: Martin Gerhard

Das hat mich sehr angerührt.

Wegen dem Virus fiel leider eine weitere Performance aus, Für die Teilnahme daran hätte ich mich gern beworben. In dem unten zu sehenden Schlafzimmer konnte man / frau eine Nacht mit dem Künstler im Museum verbringen. Das Ziel von Lee Mingwei dabei war Geschichten aus dem Leben der ausgewählten Personen zu erfahren, am besten bis Morgen um acht Uhr, wenn der Museumsbetrieb wieder aufgenommen wird. Wer also eine ruhige Nacht verschlafen wollte, war hier sicher fehl an Platz.

Foto: Laura Fiorio

Nochmal, ich kann euch die Ausstellung mit ruhigem Gewissen ans Herz legen. Sie läuft noch bis zum 12. Juli, also sputet euch, aber nehmt euch Zeit zum Betrachten.