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Ost / West Smoothie

 27.10.2020


Bevor alle Kunst schließen musste gelang es mir noch Karten für "Teatro Piscator" zu ergattern, eine Revue zum 130 jährigem Jubiläum des Vereins Freie Volksbühne. Dies ist der einzige Verein in dem ich Mitglied bin.

Er wurde am 29. Juli 1890 von 2000 Mitgliedern gegründet mit dem Ziel, dem Volk (damals ein Synonym für die Arbeiterklasse) Zugang zum Theater zu verschaffen, ähnlich wie die Volkshochschulen, die allgemeine Bildung vermitteln sollten.

Nach einigen angemieteten Spielstätten wurde dann 1914 die Volksbühne heute am Rosa-Luxenburg-Platz eröffnet. Nachdem Max Reinhard diese drei Jahre geleitet hatte, übernahm Erwin Piscator das Haus bis zum Beginn des 3. deutschen Reichs. In der Zeit seiner Intendanz stieg die Mitgliederzahl des Vereins auf einhundertsechzigtausend.

Unter Piscator zog Die Neue Sachlichkeit ins Theater ein. Das reale Leben bilde die Vorlage für die Kunst. Die sozialen Misstände und der Widerstand dagegen rückten auch im Theater ins Zentrum.

So inszenierte Piscator 1924 mit und zur Unterstützung der KPD eine Revue Roter Rummel (R.R.R.). Diese zog durch die Arbeiterbezirke und machte Propaganda für die Partei.

 Nach dem Krieg zerlegte sich der Verein in eine Session Ost und West. In der Hauptstaat der DDR wurden die Kriegsschäden beseitigt, in den westlichen Besatzungszonen wurde in verschiedenen Theatern gespielt bis das Haus der Freien Volksbühne in der Schaperstrasse fertig gestellt war. In Berlin Ost und West entstanden wie auch sonst Doppelinstituonen.

Die Schauspieler der Revue "Theatro Piscator" waren wie die Geschichte der Volksbühnen bunt Ost / West gemischt. Und die Bilder der Schau zeigten Szenen aus 130 Jahren. So turnten Mitglieder der Berliner Turnerschaft Korp. 1863 e.V. an den Ringen, Die Punkband Nobelschrott spielte das Solidaritätslied von Hanns Eisler, Ilse Ritter und Ilja Richter trugen Texte vor, insgesammt ein spannender Kessel Buntes.

Jazz bei de Ossis

11. - 13.9.2020



Die Jazzwerkstatt Peitz war und ist ein kleines feines Festival am Rande des Spreewalds.

Im Peitz sagen sich sonst Fuchs und Hase um 20:00 Uhr gute Nacht, nur Radwanderer tauchen hier auf, denn das Städtchen liegt am Gurkenradweg. Neben einer Festungsanlage hat es nur Karpfenzucht und einen direkten Blick auf die nahe gelegene Dreckschleuder Braunkohle Kraftwerk Jänschwalde. In Peitz stinkt es jedoch selten. Die gemeine "gemeine" PeitzerIn sagt so nett: "hier herrscht meist Westwind, das Gift landet dadurch in Polen."

Zu DDR Zeiten hieß das Treffen im Volksmund "Woodstock am Karpfenteich". Es kamen zeitweilig bis zu 3000 Musikfreunde in das Nest. Die Veranstaltung lief von 1973 bis 1982, bis sie irgendwie der DDR Führung zu suspekt wurde. Deren Verfolgungswahn war ja legendär.

In der DDR Zeit spielten dort neben einheimischen MusikerInnen viele internationale Stars dort auf.
2011 wurde die Festival wiederbelebt, in sofern ist es mit der 57sten Ausgabe etwas geschummelt, aber gut.

Ich habe das Glück eine begeisterungsfähige Frau zu haben, die dazu noch eine Wohnung in Peitz besitzt. So genossen wir drei tolle Tage Jazz vor Ort.

Das erste Konzert war bereits ein Highlight und fand in einer Kirche statt. Kit Downes zauberte an der Orgel ungewöhnliche Töne und Sebastian Gille überzeugte mit Saxophon Klängen.

Zwischen diesem und den weiteren Auftritten fand meist ein Ortswechsel, Distanz max. 100 Meter, statt. So verzögerten Umbaupausen den Ablauf nur wenig und für Frischluft war gesorgt. 

Am Wochenende genossen wir noch siebzehn weitere Konzerte, die Auswahl gefiel uns bis auf Ausnahmen sehr gut. Die einhundert Euro, die wir pro Nase bezahlt hatten, amortisierten sich.

Zum Abschluss spielte am Sonntag zum Frühschoppen die Insommia Brass Band aus Berlin auf. Eine der wenigen Acts mit jüngeren MusikerInnen. Insgesamt hielt sich der Altersdurchschnitt sowohl des Publikums als auch der Auftretenden so um die Siebzig. Wir passten zwar gut dazu, aber mehr junges Blut währe angenehm.

 Leider war während des Festivals jeweils nur ein Bratwurst- und Getränkestand aufgebaut, für uns als "Einheimische" entstand kein Versorgungsproblem, aber die Angereisten hatten hoffentlich Proviant dabei. Denn die örtliche Gastronomie ignorierte das Festival, wie es auch die Bevölkerung tat. Insgesamt fühlte man / frau sich als BesucherIn so, als wenn wir am Freitag aus fernen Galaxien angereist waren. Am Sonntag Mittag bestiegen wir das Raumschiff dann, um im nächsten Jahr zurückzukommen.

Ein paar fotografische Impressionen vom Festival:






Griechische Antiquität in Flugzeughangar

 03.10.2010


Ein Abend mit Antigone von Sophokles (geschrieben ca. 500 Jahre vor Null). Eigentlich ist die Geschichte schon etwas abgestanden, trotzdem versuchte das Staatstheater Cottbus sie aufzuhübschen.

Das heutzutage ein König seine Tochter umbringen lässt, weil sie den verfemten Bruder anständig beerdigen will, ist aktuell wohl am ehesten noch in Saudi Arabien möglich. Weshalb das Stück deshalb als Beitrag zum Jahrestags der Einverleibung der DDR geeignet war? Obwohl in einem Video Schnipsel des AfD-Nazi Höcke zu sehen waren. Auch Demonstranten aus der DDR die "Wir sind das Volk" riefen tauchten im Video auf. Nun gab es im Original Stück von Sophokles am Ende keinen Volksaufstand, nur ein fürchterliches Gemetzel unter der Herrschaftsfamilie in Theben. Und die Moral von der Geschichte war wohl, dass Ödipus mit seiner Mutter Sex hatte und damit die daraus hervorgegangene Adelslinie zum Untergang verurteilt war. Wie davon der Bogen zu der trottligen Führung des "Arbeiter - und Bauernstaats" gezogen werden sollte, erschloss sich mir nicht.
Das Lenin mit seiner Mutter Stalin gezeugt hat, erscheint mir zu unwahrscheinlich.


Antigone Neuropa wurde als eine szenische Lesung mit Live Musik Begleitung konzipiert. Aufgepeppt mit Video und Tanzperformance. Das war spannend anzusehen und zu hören. Leider war das Nebeneinander der Performance und der Rezitatoren teilweise nicht glücklich abgestimmt, oft liefen sie unkoordiniert nebeneinander her. Wohin gegen die Musiker gut mit den Texten und den Tänzern kooperierten.

Insgesamt waren meine Begleitung und ich mit dem Abend zufrieden, auch weil der Ort der Aufführung, einem ehemaliger Hangar des Militärflughafens Cottbus, sehr ansehnlich ist. 



Konzert auf dem Dach

 15.08.2020

Wenn ich zu Konzert ins Haus der Kulturen komme, gehe ich auch gerne vorher in das Restaurant in Gebäude, denn es ist am Ufer der Spree gelegen. Bei gutem Wetter bezaubert mich der Blick auf die vorbei fahrenden Dampfer immer wieder. 
Die Weltwirtschaft dort ist das erste Restaurant im Haus, das ich dort erlebe, in dem die Küche ziemlich professionell betrieben wird.
Meine Begleitung speiste Osso Bucco und ich Boudin Noir, alles schmeckte sehr lecker. Es lohnt sich auch den Kellner nach Tagesgerichten zu fragen.

Im Anschuss stiegen wir auf Dach des Hauses, um dem Konzert von Christiane Rösinger zu lauschen. Sie ist eine alte Häsin im Berliner Musikleben, seit sie 1988 mit vier anderen MusikerInnen die Lassi Singers gründete.

An diesem Abend sang sie eigene Lieder und wurde von einer Frau an der Gitarre begleitet.
Stimmlich fand ich den Auftritt nicht so überzeugend, aber darauf kommt es nicht immer an.
Im Vordergrund stehen bei ihr die Poesie der Texte. Und sind die richtig gut.


Nur für Erwachsene

 24.08.2020


Radio 1 ist einer der "Hauptstadtsender", im Sommer bieten er Sendungen live, in diesem Jahr unter Hygiene Bedingungen Umsonst und Draußen im Sommergarten des Franz Club.

Im den zwei Stunden Programm stellte der Sender die Band hackedepicciotto und Hilmar Klute mir seinem neuen Roman Oberkampf vor.

Das Duo Axelander Hacke und Danielle de Picciotto erzeugte spannende Klänge mit Obertongesang, Gitarre, Drehleier, Hackbrett, Geige und Elektronik Equipment. Sie spielen seit zwanzig Jahren gemeinsam und überzeugten durch ihre Live Präsenz.









Im Anschluss wurde gelesen. Oberkampf ist ein Stadtteil von Paris und dort treffen ein junger und ein alter Schriftsteller aufeinander. Alles vor dem Hintergrund der Al-Qaida Morde vom 7. Januar 2015. Ein kluger und sprachlich gewandter Roman.










Kritiken zum Buch: Deutschlandfunk, Berliner Woche, Lesen macht Glücklich

Jazz auf dem Dach

 08.08.2019


By Dirk Ingo Franke - Own work, CC BY-SA 4.0,
 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40591177









Seit ein paar Jahren findet die Reihe "Jazz on the roof" regelmäßig im Cafe Haberland statt. Das befindet sich auf den Dach des U-Bahnhofs Bayrischer Platz. Ein hübscher Platz im sonst etwas verschlafenen Bayrischen Viertel.

Kuratiert wird die Reihe von zwei Kennern der Berliner Jazzszene. Das Cafe sorgte für corona kompatiblen Musikgenuss.

Diesmal an den Instrumenten:
Atrin Madani - vocals
Stefan Grütter - gitarre
Carmelo Leotta - kontrabass

Alles exzellente Musiker und das Zusammenspiel war sauber, doch mir war die Musik zu cafehausmäßig.

Der iranisch stämmige Sänger sang zwar sehr kraftvoll, doch auch mit viel Schmalz in der Stimme.

Aber was beschwere ich mich, ich saß schließlich in einem Cafehaus. 

Am 11. September findet das nächste Konzert in der Reihe statt. Reservieren ist klug.

Fotografische Aufmerksamkeit

 07.08.2020

Angelika Bröhan benennt ihre Ausstellung "Beiläufige Aufmerksamkeit". Dabei nähert sie sich alltäglichen und nicht so alltäglichen Dingen mit einem nicht alltäglichen Blick. So z.B. in der Serie Festplätze. Dort zeigt sie nicht die bunte Frontseite der Geschäfte, in ihrem Foto ist die Rückseite mit den Versorgungsleitungen abgebildet.















Viele Fotos erinnern an Urlaubs Postkarten, doch so ein Urlaubs Idyll aus der Serie Orte zeigt im Vordergrund Bauschutt und eine Mülltonne?















Angela Bröhans Blicke mit Einblick könnt ihr noch bis 5. September in der ep.contemporary bei mir um die Ecke in der Pohlstr. 71 bewundern. Öffnungszeiten bitte erfragen.

Hier wird Kunst gebunkert

 01.08.2020

Die Immobilie, die jetzt das Sammlerehepaar Boros besitzt, ist ein Hochbunker an der Reinhardstrasse 20 in Mitte. Leider konnten die alliierten Bomben die Konstruktionen nicht sprengen, doch so überlebten in diesem bis zu 4.000 BewohnerInnen der Reichshauptstadt das unrühmliche Ende der deutschen Träume von der Weltherrschaft.

Nach Intermetzi als Lebensmittel Lager in der DDR und als Technoschuppen nach der Übernahme der DDR erwarben die Boros 2003 das Gebäude.

Foto: Boros Collection, Berlin © NOSHE
Sie ließen sich ihr Penthaus als 5. Stockwerk aufs Dach setzen, brachen darunter Decken heraus, so das einige Räume über drei Stockwerke entstanden, ideal für großformatige Objekte. 

Ich freue mich spannende Kunst in spannender Umgebung sehen zu können. Sammler sind zwar die Lebensrettung für viele Künstler, haben jedoch oft ihren Reichtum mit dubiosen Mitteln zusammengerafft.

Gut, die Familie Boros ist nicht so ein Schweineverein wie die Deutsche Bank, die nur zum Image-Gewinn sammelt, Sie zeigen ihre Kunst öffentlich, aber irgendwie ist mir das Sammlertum doch suspekt.

Eröffnet 2008, werden im Bunker im vier Jahres Wechsel Ausstellungen gezeigt. In der aktuellen sahen wir Werke von   Martin Boyce, Andreas Eriksson, Guan Xiao, He Xiangyu, Uwe Henneken, Yngve Holen, Sergej Jensen, Daniel Josefsohn, Friedrich Kunath, Michel Majerus, Fabian Marti, Kris Martin, Justin Matherly, Paulo Nazareth, Peter Piller, Katja Novitskova, Pamela Rosenkranz, Avery Singer, Johannes Wohnseifer.

Yngve Holen, zwei Hater, 2016, Foto: Boros Collection, Berlin © NOSHE











Katja Novitskova, Pattern of Activiation, 2014, Foto: Boros Collection, Berlin © NOSHE










Im Gegensatz zu meiner ersten Ausstellung bei Boros fehlte mir meist die Poesie in den Arbeiten. Mag sein das dies daran lag, das nur drei KünstlerInnen dabei waren. Zumindest Katja Novitskova wusste mich zu bezaubern.

Piano, Piano

 02.08.2020

Wessen Ohren Klaviermusik höhrenswert finden, wird in dem kleinen aber rustikalem Piano Salon Christophorie oft gut beschallt. 

Am Tage wird die Fabrikhalle für die Restauration von Flügeln und Klavieren genutzt, Abends werden Stühle aufgestellt, damit alle die Musik sitzend genießen können. Das Repertoire ist meist klassisch mit einsprengseln der klassischen Moderne.
Viele KünstlerInnen nutzen den besonderen Ort sehr gerne. Während des Ohrenschmaus wandert der Blick auf die Werkzeuge und auf die Klavier Ersatzteile, die an den Wänden hängen.  


Diesmal spielte der noch recht junge Pianist Karim Said unter dem Thema "Fantasien und Tänze"  auf. 


Vertreten waren Stücke der Komponisten Bull, Byrd, Chopin, Morley, Mozart, Schoenberg und Tomkins. Eine Bunte Mischung also.

Wir erklatschten noch eine Zugabe, etwas von Schumann.
Bemerkenswert fand ich, das er alle Stücke frei, nicht vom Blatt spielte.

Die Auswahl der Auftretenden im Salon ist sehr hochwertig, online vorbestellen ist auch wegen Corona sinnvoll.


Hinter Plexiglas

25.07.2020

Die Improspieler von den Gorillas sahen wir im Ratiobor Theater in SO 36. Improvisiert, sprich auf Zuruf vom Publikums, zu spielen ist, ist eine Herausforderung. So z.B. wenn das Thema Grimms Märchen sind, und jemand aus dem Zuschauerraum fordert das Rotkäppchen und der Wolf ein Paar werden sollen, dann stehen die Schauspieler vor der Aufgabe dies umzusetzen.
Die Gorillas sind dabei sehr professionell, sie haben langjährige Erfahrung.

"Das Stück" das wir schauten hieß"Großstadtseelen" und es spielten Luise Schnittert, Barbara Klehr und Felix Raffel musizierte.
Die zwei Frauen schlüpften in verschiedene Rollen, mal Mutter, mal Tochter, mal Dessous Verkäuferin.

Sie sinnierten über Körbchengrößen und Gott und die Berliner Welten.
Der Abend war unterhaltsam.
Leider spielten sie hinter einer Plexiglas Scheibe, man/frau konnte ihnen zwar etwas zurufen, doch so richtige Improtheater Atmosphäre kam dabei nicht auf.
Impro hinter einer Scheibe ist wie ein Fisch auf dem Land.
Coronna Hygienemaßnahmen sind oft blöd.
Unten mal ein Beispiel für ein Stück der Gorillas ohne Plexiglas.


Schrecken mit Ende

12.02.2020

Das Tagebuch der englischen Autorin Sahra Kane bietet keine zusammenhängende Handlung. Ist eigentlich auch kein Theaterstück, sondern die Beschreibung ihrer psychischen Krise durch depressive Schüben bis hin zu ihrem Selbstmord.
Deshalb wollte ich euch während des Aufkommens von Covid19 nicht mit meiner Kritik an 4.48 Psychose im Deutschen Theater belästigen.
Die Szene auf der Drehbühne ist schnell beschrieben, eine Band spielt laute stampfen Musik und die SchauspielerInnen stampfen auf rollenden Laufbändern. Und der Text den sie vortragen geht stark an die Nerven. Damit gelang der Aufführung ein Drittel der ZuschauerInnen aus dem Saal zu treiben. Aber sicher nicht wegen der mangelnden Qualität der Aufführung.
Ich selbst war auch froh als das dreistündige Stück vorbei war, ich habe selbst Erfahrungen mit Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, war aber anderseits begeistert über die Leistung der SchauspielerInnen und MusikerInnen und natürlich des Regisseur Ulrich Rasche.
Unbedingt anschauen, auch wenn es nah geht!


Kritiken der Anderen: Freitag, FAZ, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, RBB24,

Zärtlichkeiten in Lieberose

28.06.2020

Das kleine Nest Lieberose im Spreewald hat auch für mich eine besondere Bedeutung. Vor drei Jahren verliebte ich mich dort im Schloss beim Besuch der Rohkunstbau in meine Frau.

Ein Jahr später ehelichte ich sie dort im Rathaus.
In diesem Jahr besuchte ich nun zusammen mit ihr die aktuell 25. Ausgabe der Rohkunstbau Ausstellung. 
Zum Jubiläum stellen ausschließlich KünstlerInnen aus, die schon einmal dort mit Werken vertreten waren.
Motto: „Zärtlichkeit. Vom Zusammenleben“
Rechts seht ihr uns als zärtliches Paar in der Arbeit "Andere Bedingungen Aggregatzustand" von Alicja Kwade.

Unter den KünstlerInnen sind auch noch weitere bekannte Namen zu finden:
Thomas Rentmeister, Via Lewandowsky, GODsDOGs (Britta und Ron Helbig), Alicja Kwade, Bettina Pousttchi, Bjørn Melhus, Leiko Ikemura, Thomas Scheibitz, Christiane Möbus, Gregor Hildebrandt, Michael Sailstorfer, Julian Rosefeldt, Karin Sander, José Nogueros,  Olga Chernysheva, A.K. Dolven, Ayşe Erkmen, Thomas Florschütz, Gregor Hildebrandt,Ola Kolehmainen, Yehudit Sasportas.
Beeindruckend, die ausgebuddelte Laterne von Via Lewandowsky mit dem Titel "Alles was der Fall ist"

Im Hof sah ich dann nochmal die Angetraute durch die Spiegelröhre von Alicja Kwade, benannt "Megasubstanz"

An den parkenden Autos mit B-xx xxxx war zu sehen, die Ausstellung ist ein Touristenmagnet.

Aber irgendwie auch ein Fremdkörper in der Provinz. Das ist gut an den Öffnungszeiten zu erkennen. Schulklassen werden kaum am Wochenende kommen.
Eintritt frei für Schulklassen und kostenloser Bustransfer wären eine gute Lösung.
Leider ist auch für AusflüglerInnen der Besuch am Wochenende mit dem ÖPNV ein Problem. Lieberose hat keine Bahnanbindung, von Cottbus her gibt es zwar einen Bus (21) aber...
Trotzdem lohnt der Besuch der Rohkunstbau 2020.
Der Eintritt beträgt 10 € pro Nase.

Geöffnet ist die Ausstellung vom 27. Juni bis 20. September, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Spekulanten, Nazis und Widerstand in Kreuzberg

17.06.2020

Endlich wieder im Kino und sogar open air.
Wir sahen die "Känguru Chroniken", die Verfilmung eines Buches / Hörbuches mit Kult Charakter. Ich kannte die Vorlagen nicht und Komik im deutschen Film, da bin ich vorsichtig.
Aber ich hoffte das gut Wetter und die nette Begleitung trösteten mich über einen möglicherweise schlechten Film hinweg.
Doch meine Vorurteile wurden durch die Realität überzeugend überstimmt.
Es gibt sie doch, die deutschen Filme mit Humor.
Die Geschichte:
Bei unserem Helden, einen etwa 35jährigem Salon-Anarchisten und Lebenskünstler, wohnhaft in einem Altbau irgendwo in Kreuzberg klingelt ein Rotes Riesen Känguru (Macropus rufus). Diese Gattung erreicht die Höhe eines ausgewachsenen Menschen. Es fragt nach ein paar Eiern, es sagt es will Pfannkuchen backen und ihm fehlen Eier. Etwas genervt gibt ihm unser Held diese und hoffte wieder in seinem Bett ruhe zu finden. Störungen vor Sonnenuntergang gefallen ihm wenig.
Doch nach einigem hin- und her und kurze Zeit später ist das Känguru bei ihm eingezogen. Es hat seine Hängematte aufgehängt und eine Karl-Marx Büste aufgestellt, es ist schließlich überzeugter Kommunist.
Das Spiel kann beginnen.


Ich gebe zu, dass der Film keine fundierte Analyse über das Verhältnis Mensch <> Känguru zu bieten hat, aber unterhaltsam ist er allemal.


Endlich wieder!

25.05.2020

Portrait Lee Mingwei
Foto: Matteo Carcelli
Nach Monaten der Abstinez endlich wieder Kunst.
Im Martin-Gropius-Bau sah ich mit einer Freundin die Werke von Lee Mingwei, er stellt sie unter dem Titel Geschenke und Rituale aus.
Vielleicht war es ja nur lange Abwesenheit der Kunst, die uns die Ausstellung so begeistert aufnehmen ließ, aber ich glaube sie ist ganz nach meinem Geschmack.  . 
Zum einen sind die dahinter steckenden Geschichten persönlich, aber allgemein interessant und dazu sind seine Ideen sehr spannend aufbereitet.
Da viele seiner Arbeiten das Thema Frieden umkreisen, ist es eigentlich kein Wunder das das Bild Guernica von Picasso in der Ausstellung einen zentralen Platz einnimmt.
Er hat es auf dem Boden des Innenhofs aus Sand nachgebildet.
Ist doch die erste Zerstörung einer kompletten Ortes durch Bomben ein bedeutendes Ereignis des letzten Jahrhunderts. Die deutsche Luftwaffe war verantwortlich für dieses, ihr erstes Kriegsverbrechen nach dem ersten Weltkrieg.

Foto: Laura Fiorio

In einem Video war zu sehen, wie wohl die "Zerstörung" des Sandbildes, zum Ende der Ausstellung von statten gehen soll. Dann werden vor Publikum HelferInnen mit Besen die Farbsegmente vermischen.
In den Seitenräumen rund um den Innenhof stellt der Künstler dann einzelne Ereignisse und die daraus entwickelten Ideen vor.
So zum Beispiel hatte Schuberts Lieder Zyklus ihn in einer schweren Stunde sehr berührt. Also lässt er uns dadurch an seinem Gefühl teilhaben, dass jeweils einzelne BesucherInnen von SängerInnen zu einem persönlichen Liedvortrag eingeladen wurden. Auch mir ist das passiert.

Foto: Martin Gerhard

Das hat mich sehr angerührt.

Wegen dem Virus fiel leider eine weitere Performance aus, Für die Teilnahme daran hätte ich mich gern beworben. In dem unten zu sehenden Schlafzimmer konnte man / frau eine Nacht mit dem Künstler im Museum verbringen. Das Ziel von Lee Mingwei dabei war Geschichten aus dem Leben der ausgewählten Personen zu erfahren, am besten bis Morgen um acht Uhr, wenn der Museumsbetrieb wieder aufgenommen wird. Wer also eine ruhige Nacht verschlafen wollte, war hier sicher fehl an Platz.

Foto: Laura Fiorio

Nochmal, ich kann euch die Ausstellung mit ruhigem Gewissen ans Herz legen. Sie läuft noch bis zum 12. Juli, also sputet euch, aber nehmt euch Zeit zum Betrachten.

Jazz, weiblicher und wieder schwärzer

10.02.2020

Nerija sind sieben auf einen Streich aus GB. Sechs Frauen, ein Mann - fünf Schwarze und zwei Weiße.
Sie sind Teil der gehipten Jungen Jazzszene aus Großbritannien.
Mit den vier Blechbläserinnen entstand ein sehr präsenter Sound.
Bei ihrem Auftritt im Maschinensaal der Kulturbrauerei stellten Sie ihr neues Album Blumen vor.

Wer fette Jazzklänge mag, dem sei dieses von mir wärmstens empfohlen. Leider ist die Europatour beendet, ihr könnt nur hoffen das die Gruppe wieder nach Berlin kommt.

"Ich kann keine Kunst mehr Sehen"

23.01.2020

Durch eine Postkarte mit dem Motiv links entdeckte ich Timm Ulrichs. Mir als Kulturnudel machte es Spaß diese an Freunde und Bekannte zu verschenken.
Den Künstler dahinter entdeckte ich erst später.
Der ist oft zu scherzen aufgelegt und seine Kunst lässt sich schlecht in eine Richtung einordnen, aber ein wenig DaDa und Fluxus steckt schon drin.
Man / frau tut ihm wohl nicht ganz unrecht, ihn als verrücktes Huhn zu bezeichnen.
Als Autodidakt konnte er der Kunstwelt lange wenig abgewinnen und diese ignorierte ihn lange. Doch er schuf sich einen solchen Namen, dass er zum Professor an einer Kunsthochschule berufen wurde.
Oft nutzte es sich selbst als Leinwand, diverse unter öffentlicher Beteiligung  gestochenen Tatoos künden davon. Er begreift sich als Gesamtkunstwerk.
Der Anlass um über ihn zu berichten ist der Käthe Kollwitz Preis 2020, der ihm von der Akademie der Künste verliehen wurde. Ganz verstehe ich jedoch nicht weshalb. Käthe Kollwitz war eine politische Künstlerin, die die sozialen Verhältnisse unbarmherzig anprangerte.
Aber die Arbeiten von Timm Ulrich sind schon spannend und das das Lebenswerk des inzwischen achtzig Jahre gewordenen Künstlers gewürdigt wird, ist außer Frage richtig.


Auf alle Fälle denkt gelingt es ihm tiefer in Dinge hinein zu sehen. Oben stellt er seine verbrauchten Farbbänder seiner Schreibmaschine aus. Als ein Datenarchiv der besonderen Art.

Er schaut besonders gut hin, das auf der von mir täglich genutzten Qwertz Tastatur das Wort WERT versteckt ist habe ich erst durch ihn realisiert.
Als er bei der Pressevorstellung auftrat, hatte der alte Herr aber etwas von einem Grantler. Besonders gerne erzählte er schmuddlige Geschichten über Joseph Beuys. Sprach dabei der Neid aus ihm? Künstler hacken wohl doch gerne Künstlern die Augen aus.

Schwindelgefühle

14.02.2020

Wenn man / frau schon mal in Stuttgart weilt, ist der Weg zum Kunstmuseum nicht weit.
Vorher, beim Bummel durchs Zentrum, stellte ich fest, dass das Provinznest tres chic ist. Die ansässigen Autokonzerne scheinen so viel Geld in die Stadt zu spülen, das Stuttgart eher reich und prüde erscheint.
Aber die Ausstellung unter dem Titel: Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520-1970 ist durchaus sehenswert.

Die Op Art lässt sich als eine Kunst definieren die Optische Effekte in dem Mittelpunkt stellte. In den Sechzigern des letzten Jahrhunderts entstanden, war sie damals neben der Pop Art die beherrschende Kunstrichtung.

In vielen Werken ist der Einfluss von östlichen Moden wie Meditation (Mandalas) und psychedelischem Erleben durch Rauschmittel (LSD) nach zu spüren.
Viele Arbeiten verwirren das Auge und können Schwindel (Vertigo) auslösen.
Doch auch in der Zeit vorher experimentierten KünstlerInnen mit optischen Effekten.
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr anzusehen.

Roboter auf die Bühne

28.12.2019

Die freie Theatergruppe Rimini Protokoll ist für ihre innovativen Stücke bekannt. Diesmal setzte sie ein Roboter als "Ersatz" für dem Schriftsteller Thomas Melle auf die Bühne. Sein Replikant sieht ihm von vorn sehr ähnlich. Das Gesicht ist aus Silikon gegossen, er ist mit identischen Kleidern angezogen und durch geschickt programmierte Schrittschaltmotoren sind seine Bewegungen im Sitzen zwar etwas eckig, aber doch auch recht flüssig. Nur am Hinterkopf wurde die Abdeckung weg gelassen und so sieht man Mechanik und Elektronik.
ZuschauerInnen sollen nicht ganz verführt werden den Avatar als Menschen zu akzeptiert. Die Stimme von Thomas Melle ertönt natürlich aus den Lautsprechern, der Roboter bewegt dazu aber die Lippen und versucht passende Gesten. "Er oder die Beiden" reden von der bipolaren Störung des Autors und was ein humanoider Replikant so tun muss, um dem menschlichen Vorbild nah zu kommen. Denn die Beziehung zwischen Mensch und Roboter ist nicht unkompliziert. Menschen haben Angst, dass ihre Einmaligkeit flöten geht. Es gibt ein Uncanny Vallley, so heißt auch das Stück. Dieser Effekt bezeichnet eine Akzeptanz Lücke, die entsteht wenn der / die Roboter zu menschenähnlich werden.
Das "Stück" ist eine spannende philosophische Versuchsanordnung, meine Empfehlung - Ansehen.



Kritiken der Anderen: Märkische Allgemeine, Deutschland Radio, Spiegel, Wienerzeitung,

Der Mensch muss nicht singen

19.12.2019

Nicht das ihr denkt ich will jetzt jeden Tag Weihnachten feiern, aber das Nächste folgt bestimmt.

Zum zweiten Mal fand in den Sophiensaelen ein großes Weihnachtsingen statt. Unter dem Motto: "Das große Kiezchortreffen" sagen Chöre und danach gab es Gruppen Karaoke.
Also ein Event auch mit Mitmach Charakter.
Vor dem Publikum sangen-

KIEZCHOR FISCH IM WASSER

Sie kommen aus Mitte,




MGV PET SHOP BEARS

Alle anderen Chöre suchten verzweifelt männliche Stimmen, hier gab es sie im Überfluss.
Und dazu noch viele hübsche, aber schwul. Wer es noch nicht wusste, Homosexuelle können auch singen und sogar gut.










LICHTENBERGER KAMMERCHOR „
PIEKFEINE TÖNE“











NEUER JAZZCHOR BERLIN


Song











HEART CHOR

Der Chor ist besonders, viele junge SängerInnen, mit viel Spaß bei der Sache und einer frechen Performance. Bei einem Lied über Nippel packten alle ganz frech ihre Brustwarzen aus.














Das war ein Kessel Buntes an Chören.
Er folgte die Gruppen Karaoke.
Dazu stellt uns ein Moderator jeweils zwei Weihnachtslieder vor und das, bei dem am lautesten geklatscht wurde, war ausgewählt. Der Text wurde auf eine Leinwand eingeblendet und jeder/jede durfte singen. Das war spaßig und da viele tanzbare meist englisch sprachige Lieder ausgewählt wurden, begannen immer mehr ZuschauerInnen zu tanzen, bis fast alle auf der Bühne waren.
Der Abend war echt vergnüglich und so gingen wir ganz beseelt Heim.
In 2020 findet die Veranstaltung wieder staat, unbedingt Hingehen!