10.03.2025
- Gehört Diskussion zur Kultur? Irgendwie schon, es gibt schließlich eine Diskussionskultur.
Der große Saal im Berliner Ensemble war ausverkauft (700 Personen), als sich Michel Friedman und Aladin El-Mafaalani auf zwei gegenüber stehenden Sesseln auf der Bühne platzierten: Sie sprachen und stritten über Rassismus. Die Fragestellungen waren: "Ist es möglich völlig vorurteilsfrei zu sein? Wann sind Vorurteile rassistisch? Was genau ist Rassismus und wie funktioniert er? Ist Deutschland strukturell rassistisch? Gibt es ein "Erbe" des Rassismus? Was folgt daraus? Welche verschiedenen Arten von Rassismus gibt es? Wie wirken sie sich aus und wie lassen sie sich bekämpfen?
Beide trugen mit klugen Beiträgen zur Erkundung der Themen bei.
Nur mit ihren sehr hoffnungsvollen Träumen für die Zukunft der Menschheit und der bürgerlichen Demokratie war ich nicht einverstanden. Ich verstand nicht, weshalb sie noch nicht vom Anstieg des Meerespiegel um zwei Meter bis zum Jahr 2100 gehört hatten. Arte hat dazu den Film was-wenn-es-kein-eis-mehr-gaebe in der Mediathek.
Aber vielleicht hoffen sie ja, dass der Kapitalismus die Klimakrise in den Griff bekommt.
- In dem österreichischen Film Pfau- Bin ich echt? ist das Zerbrechen einer Persönlichkeit zu beobachten, die als Dienstleistende für KundInnen deren Wunschperson spielt. Mal begleitet der Protagonist Menschen als Escort, dabei gelingt es ihm sogar einen klugen Kommentar zum Konzert abzugeben. Mal spielt er für einen vermögenden Vater den Sohn, der mit diesem gebrochen hat.
Er verstrickt sich dermaßen in diese Scheinwelt, dass ihn seine Freundin verlässt, weil er nur noch Fassade ist.
Dadurch zerbricht etwas in ihm und er steuert auf das Ende der Geschichte zu.
Der Film ist nicht so trist, wie ich ihn bisher beschrieben habe. Bei seinen Versuchen in diverse Personen zu schlüpfen ergeben sich auch viele komische Momente.
- Wir Alten kennen den Pianisten Keith Jarrett und sein ziemlich geniales Konzert, das er 1975 in Köln einspielte. Aus Anlass der Deutschland Premiere des Films Köln 75 gaben sieben Klaviervirtuosen ein Konzert in der Italienischen Botschaft in Berlin. Die glorreichen Sieben, die sich trauten in die Fussstapfen von Keith Jarrett zu treten waren Antonio Flinta, Davide Incorvaia, Aviya Kopelman, Andrea Marcelli, Stefan Rusconi, Kelvin Sholar, Lennart Smidt. Sie spielten jeder ca. 15 Minuten Soli und im Anschluss liefen sie gemeinsam um den Flügel und veranstalteten Piano Chinesisch. Obwohl mir diese Klaviermusik zu brav und auch etwas langweilig daher kommt, war das Konzert doch unterhaltsam. Einige gute Gläser Wein und etwas Pizza bildeten den krönenden Abschuss des italienischen Abends.
- Gross wie ein Pantoffelkino, nur viel sympathischer ist das Kurzfilmkino Funkelfix aus Dresden. Der als Filmpalast ausgebaute kleine Wohnwagen stand vor dem Kulturhaus Gladhouse in Cottbus, als ich dort vorbei lief. Herr Funkelfix lud mich sofort ein und bald waren wir zehn Personen, die sich in das Kino quetschten. Der Werbeblock bestand aus DDR Werbung, ich vergaß zu fragen, wo diese damals gezeigt wurden. Es folgte ein Zeichentrickfilm, und vor dem Ausgang wartete Hr. Funkelfix mit einem Zylinder in der Hand auf uns. Der Wagen ist auch zu mieten.
- Der Karneval der Kulturen 2024 in bewegten Bildern.
- Er wartet nicht auf staatliche Unterstützung, Kunst muss nicht immer teure Materialien nutzen. Hier kommt Carlo Oppermann.