30.12.2025
- Lübeck hat auch ein Theater, dort besuchte ich WTF (what the fuck - Verdammte Scheiße) mit Freunden. Inszeniert wurde es von Malte C. Lachmann.
Das Ensemble versuchte die Debatte, um den Zustand der BRD und ihre Diskussionskultur aufzugreifen und in ein Musical zu gießen.
Dass so ein Vorhaben, egal ob gesungen oder gesprochen, etwas textlastig daherkommt, liegt im Kern des Pudels. Also war für uns ZuschauerInnen erhöhte Aufmerksamkeit angesagt.
Das war nicht Jeder / Jede man / frau Sache, meine Nachbarin verschlief einiges.
Ich hingegen war neugierig, wie diese Problematik auf die Bühne gebracht wurde.
Locker flockig würde ich sagen, es gab sogar Quiz Einlagen, bei einer gewann ich eine Tafel Schokolade.
Politisch ging es darum, wie es gelingen kann, mit AfD Anhängern ins Gespräch zu kommen. Ich persönlich halte diesen Ansatz für fragwürdig, wenn dieser Faschist ist, ist er menschenverachtend und seine Positionen (Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Euthanasie für Behinderte) sind nicht diskussionswert.
Natürlich gibt es Menschen, die solche Parolen nur nach schwatzen, die lassen sich vielleicht noch umdrehen, da würde ich auch ein Gespräch probieren.
Wie dumm jedoch falsch verstandener Pluralismus daher kommen kann, zeigte das Stück in der Szene, als ein Schauspieler offen rassistische Kommentare, aus einer aus Pappe gebastelten "Zeitung" vorlas, auf der die Logos von verschiedenen Zeitungen aufgeklebt waren, Darunter war auch die TAZ, in der öfter ziemlich Dünnschiss geschrieben steht, die aber sicher nicht von muslimische Messermännern redet. Eine solche Propaganda Aussage ist den Springerblättern, der Jungen Freiheit und der AfD vorbehalten.
Insgesamt war das Stück jedoch ok. Politisch ein wenig flach, doch unterhaltend.
Sympathisch fand ich auch, das nach dem Applaus ZuschauerInnen auf ein Bier auf die Bühne gebeten wurden. Ich durfte mit einem Darsteller diskutieren.
Kritiken der Anderen: NDR, TAZ,
- Ein wichtiges Ereignis ist der rassistische Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Lübeck am 18. Januar 1996. Dabei kamen 10 Menschen ums Leben, aber unter ihnen keine Deutschen. Dies ist vielleicht ein erster Schlüssel zum Verständnis dafür, was nach dem Brand passierte.Es wurde kein Täter gefasst und verurteilt. Polizei und Justiz hatten einen Ausländer im Verdacht und vier junge Nazis, die in der Nähe des Tatorts gefasst wurden, hatten wohl ein Alibi.
Bis heute ist der Fall ungeklärt.
Viele LübeckerInnen empfinden dies als eine offene Wunde in ihrer Stadtgeschichte. Sie kämpfen gegen das Vergessen an. Zum 30 jährigem Wiederkehr der Tat gibt es verschiedene Aktionen in der Stadt und auch das Theater Lübeck hat ein Stück zum Thema im Programm,
Mehr Infos Unter: https://hafenstrasse96.org/
- "I'am a Stranger, killing an Arab" lautete ein von mir geliebter Song der Band The Cure aus dem Jahr 1979. Damals war mir nicht bewusst, dass sich der Text auf den Roman Der Fremde von Albert Camus bezog. Gerade sah ich den gleichnamigen Film vom Regisseur François Ozon. So schließen sich manchmal die Kreise.
Der Film ist in schwarz/weiß gedreht und spielt in Algerien zu der Zeit als die Franzosen es besetzt hielten, um 1930. Damals schien die Kolonialwelt noch in Ordnung. Die Weißen gehen ihrer Arbeit nach und die Araber sind bestenfalls Statisten. Anders als im Buch sind aber Anzeichen des zukünftigen Aufstands gegen die Besatzer zu sehen. An einer Hauswand steht "Algerie Front de la liberté" geschrieben.
Die Hauptperson lebt als junger weißer Angestellter in Algier. Er zeichnet sich durch extreme Emotionslosigkeit aus. Worin diese begründet ist wird im Buch nicht erklärt.
Sein Leben ist stark fremdbestimmt und so stolpert er auch durchs Leben. Er erschießt jemand und endet zum Schluss am Galgen.
Das geschieht nicht unbedingt wegen seiner Tat, das Opfer war ja nur ein Araber, sondern weil er sich weigert auf milderen Umstände zu plädieren.
Mir gefiel der Film trotz der düsteren Geschichte gut.
Kritik der Anderen: epd, NDR, Perlentaucher, TAZ
- Der Film Ein einfacher Unfall des iranischen Regisseurs Jafar Panahi beginnt mit der zufälligen Begegnung eines Folteropfers mit seinem Peiniger. Er erkennt ihn am Geräusch, das seine Beinprothese verursacht.
Nachdem er diesen entführt hat, versucht er ihn lebendig zu begraben. Doch es kommen ihm Zweifel, auch weil er im Gefängnis seine Folterer nie zu Gesicht bekam. Er und die anderen Gefangenen waren stets die Augen verbunden,
So beschließt er andere Ehemalige zu besuchen, um Klarheit über die Identität des Mannes zu erlangen. Irgendwann sind fünf Opfer im Kleinbus, streiten darüber, ob sie den Richtigen erwischt haben und wie sie ihn am Besten töten.
Zum Schluss lassen sie ihn dann jedoch frei.
Ob die Geschichte eine Parabel über die Zerstrittenheit der iranischen Opposition oder ein Diskurs darüber, wie mit den Verbrechern nach dem Sieg umgegangen werden soll, erschloss sich mir nicht.
Ich habe Zweifel, ob mir der Film gefiel, teilweise war er ein wenig kitschig, auf alle Fälle fand ich ihn zu lang.
Kritik der Anderen: epd, NDR, Perlentaucher, critic.de
- Egal ob sie den Film The Clock im Museum sahen oder nicht. Der Macher dieses Werks Christian Marclay begeisterte mich bei der Biennale in Venedig und gerade in der Neuen Nationalgalerie Berlin.
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