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Klamauk und Opera

 20.05.2026

- Das Singspiel Opera, Amore wurde im italienischen Kulturinstitut gegeben. Es sollte ein Schnelldurchlauf durch die Geschichte der italienischen Oper von Monteverdi bis Puccini in zwei Stunden werden.
Und was braucht es zu einer Oper, Musiker und SängerInnen, diese standen in guter Qualität zur Verfügung.
Und eine Geschichte, Liebe und Triebe sollten vorkommen und etwas Böses, das versucht die Liebenden zu entzweien. Natürlich soll das Böse nicht obsiegen und es kommt zum Happy End.
Die schauspielerische Leistung erinnerte jedoch etwas an ein Laientheater. Alles wirkte sehr klamaukig, aber vielleicht war es Absicht. So konnte ich öfter über die Aktionen der AkteurInnen lächeln.
Möglicherweise sollten wir lernen, die Oper nicht ganz ernst zu nehmen und dass sie eigentlich Kitsch ist.
Das entspricht auch ein wenig meiner Auffassung.

Motto der KünstlerInnen: Die Oper ist eine wunderbare Unwahrheit, welche immer die Wahrheit sagt.

- Ist es schon wieder Zeit mehr ins Cabaret zu eilen? Bevor die Deutschen Hitler zum Reichskanzler wählten, erlebte diese eher "kleine" Kunstform ja auch eine Blütezeit. Damals wie heute fanden und finden Lesben und Schwule in diesem Bereich ein Auskommen und können sich ausdrücken.
Hoffentlich kommen die AfD Nazis nicht an die Macht und verbieten diese undeutsche Unterhaltung wieder. So etwas wie LGPT passt ja nicht in ihr beschränktes Weltbild,
Im Institut Francais schaute ich die Koprodukion von dem Pariser Cabaret La Bouche und dem Berliner Kollektiv The Velvet Creepers an.
Das war Cabaret mit Gesang, Tanz, Akrobatik und einer gehörigen Portion Burlesk. Leider adressierten die erotischen Tänzerinnen nicht die männlichen Besucher. Sie bekannten sich alle zu ihrem Lesbisch sein und so meinten sie die zahlreichen weiblichen Besucherinnen.
Spannend anzusehen war die Vorstellung trotzdem.
Wie im Cabaret üblich gab es eine Conférenciers. Die diesen verkörpernde Frau sprach leider fast nur französisch, was aber an diesem Ort wohl passte. Was ich verstand war, dass sie auch vor einem heraufziehenden Faschismus warnte und Lesben, Schwule und andere nicht angepasste zum Widerstand aufrief.
Auch das war Spitze!

- In der brasilianischen Botschaft erklangen klassische Kompositionen des Landes aus dem 19. und 20. Jahrhunderts.
Als eurozentristischer Musikliebhaber habe ich KomponistInnen aus Brasilien kaum auf dem Schirm.
Samba, Forro und Maracatu sind zwar Tänze und Rhythmen der Folkmusik, die viele Europäer kennen, aber das es auch klassische brasilianische KomponistInnen ist weniger bekannt.
Das Kammerorchester Georg-Friedrich-Händel brachte diese zu Gehör.

1. Chiquinha Gonzaga (1847- 1935) war eine für ihre Zeit ungewöhnliche Frau. Sie schrieb auch sehr populäre Operetten im Wiener Stil.

2. Cesar Guerra-Peixe (1914-1993)

3. Ernst Mahle (1929-2025)

4. Leonardo Cunha (zeitgenössig)

- Mit dem Einkauf unter dem Arm eine Galerie besuchen zu können ist schon ein Privileg. Da wo ich wohne ist das möglich.
Dieses Mal stellte Hennig Haupt in der ep.contemporary aus. Seine sehr farbigen, abstrakten und ausdrucksstarken Arbeiten begeisterten mich auf den ersten Blick. 
Aber eine von den wandfüllenden Malereien konnte ich zuhause nicht gebrauchen, außerdem wollte ich nicht so viel Geld in die Hand nehmen, also nahm ich was Kleines im Format A4 mit.
Gerahmt wird es wahrscheinlich eine Wand im Zimmer meiner Frau zieren, wenn es ihr gefällt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 6.Juni zu sehen. 

Henning Haupt, #19370, hinübergreifen (detail), 2026,
120×100 cm, oil on canvas, from the installation “hier und dort”

- Für die Jazz Fans unter euch bietet Arte eine filmische Biografie von Miles Davis. SPANNEND

Drama, Oh Drama!

 08.05.2026

- Wenn ein Film mit dem Titel The Drama daherkommt hoffe ich, dass er mich nicht zu sehr herunter zieht, doch ich verließ die Vorstellung recht erheitert.
Zur Story: Ein Paar beschließt zu heiraten und trifft sich ein paar Tage davor mit Freunden, um die Weine für die Feier auszuwählen. Sie sind schon recht angeheitert, als ihre Freundin den Vorschlag macht, sich die schlimmste Sache zu erzählen, die man/frau angestellt hat.
Als die Braut erzählt, sie habe ein Massaker an ihrer Schule geplant, aber dann doch die Kurve gekriegt und das Vorhaben verworfen habe, da entwickeln plötzlich die Freunde und auch ihr Zukünftiger den Verdacht, sie wäre eine Psychopathin.
Ihre Freundin distanziert sich massiv, weigert sich als Brautjungfer zu fungieren und so wird zwar geheiratet, doch die anschließende Feier entwickelt sich zu einer Katastrophe.
Na ja, zum Schluss versöhnt sich das Paar, also Happy End.
Da die Figuren außer der Braut aber total überdreht agieren, hatte ich viel Spaß, es war lustig anzusehen, wie ihre Gedanken sich im Kreis drehten.. Ein typischer US Film mit einem typischen US Thema, manchmal denke ich, die spinnen, die Amis. Doch Vorsicht, Schulmassaker gab es auch bei uns.

Die Meinung der Anderen: epd, NDR, taz, Rheinische Post

- Schon wieder Kino und schon wieder ein surrealistischer Film im Scharf-Gerstenberg Museum. In de Dokumentation The Lions by the River Tigris spielen drei ältere Herren die Hauptrolle. Sie bewegen sich in der durch die Kämpfe gegen den IS in Trümmern liegende Altstadt vom Mosul. Diese Metropole des Irak liegt im Norden des Landes.
Die Geschichte: Der eine Herr baut ein Museum von Archefakten der zerstörten Stadt auf, der zweite fidelt zwischen Ruinen und der dritte bewacht die Trümmer seines Hauses vor Schrottdieben..
Wegen diesem etwas absurden Szenariums kam dieser Dokumentarfilm wohl in die Reihe der surrealistischer Filme. Eine RealistIn kann bei den Bildern einer solchen zerstörten historischen Altstadt nur heulen. Aber da hilft der Surrealismus Hoffnung zu schöpfen.

Die Meinungen der Anderen: InDieKino

- Zwei Freunde bereisten öfter Albanien und schleppten mich in einen albanischen Film mit dem Titel Bota
Die Geschichte: Der ziemlich paranoide Staats- und Parteichef der Sozialistischen Volksrepublik Albanien Enver Hoxha (gestorben 1985) sah im Land viele Feinde am Werk. Während seiner Regierungszeit kam es regelmäßig zu Umsiedlungen von missliebigen Familien.
Bei einer solchen Siedlung, mitten im Nirgendwo, steht eine Bude, das Cafe Bota.
Dort spielt die im Heute angesiedelte Handlung.
Juli arbeitet als Tresenkraft in der Bar ihres Onkels, einer etwas zwielichtigen Gestalt. Sie lebt in der Nähe bei einer Verwandten in einer der herunter gekommenen Plattenbauten. Als sie erfährt, dass ihre Mutter liquidiert wurde und ihr Chef die Entschädigung für den Tod ihrer Mutter unterschlagen hat, packt sie ihre Koffer und verlässt den Ort. 
Eine hässliche Geschichte aus einen bitterarmen Land.

- Life Konzerte haben neben der Musik und dem Geschehen auf der Bühne den Vorteil, dass sie, anders als Filme, dreidimensional sind. Ein Vorteil der besonders zum tragen kommt wenn man/frau eine gute Sicht auf die Musizierenden hat.
Ich besuchte ein Konzert des Radio Symphonie Orchester in der Philharmonie. Auf dem Programm standen Kompositionen von US amerikanischen Komponisten.

Leonard Bernstein „On the Town“ – Drei Tanzepisoden
Cindy McTee Adagio für Streichorchester
Samuel Barber Toccata festiva für Orgel und Orchester op. 36
Aaron Copland Sinfonie Nr. 3

Eigentlich nicht meine Lieblingsmusik, ich fand die Stücke etwas zu gefällig. Aber der Dirigent Leonard Slatkin und das Orchester gaben den Affen Zucker und so gefiel mir das Konzert doch.
Besonders spannend war für mich als von unter der Bühne die Orgel herauf gefahren wurde. Ich hatte die Orgel der Philharmonie noch nie bemerkt. Die Steuerung der Pfeifen an der Stirnseite des Raumes erfolgt elektronisch.
Manuale, Pedale und Register wurde von Cameron Carpenter genial bedient

- Wenn ihr mehr über den Wiederaufbau der Ruinen von Mosul wissen möchtet, eine Doku von arte.

Real - Surreal

 09.04.2026

- Im Scharf-Gerstenbergmuseum, das surrealer Kunst als Schwerpunkt hat, gibt es eine Filmreihe, die sich das selbe Genre vornimmt.
Wer bei Surrealismus an die Kultur Strömung der zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts denkt, denkt nicht falsch, aber die Bewegung findet bis heute NachfolgerInnen. Vielen KünstlerInnen ist die Realität zu simpel.

Dieses Mal ein Film, der die Entstehung eines Films zum Thema hat.
Die Geschichte von King Kongs Faust: Ein wenig erfolgreicher Filmjournalist sieht im Rahmen der Berlinale einen Stummfilm, dessen Regisseur als verschollen gilt. Also beginnt er zu recherchieren, erfährt den Namen und hofft auf eine finanziell lukrative Geschichte.
Doch als er dabei nicht viele Fakten findet, beginnt er die Lücken fantasievoll auszufüllen. Die so entstehende Legende kann er gut verkaufen und er dreht einen Film. Fake News aus dem Jahr 1984!

- Eine
Solo-Performance im Radialsystem. Maria Kalesnikava beschrieb sprachlich und tanzend die Zeit in einem Gefängnis in Belarus. Dort landete sie weil sie gegen den Präsident Lukaschenkow positionierte. Es dauerte fünf Jahre, bis sie entlassen wurde und ausreisen konnte.
Ihre Vorführung war eindrücklich. Sie wollte sich damit auch bei den Menschen bedanken, die sie wärend des Knastaufenthalts unterstützten, die für ihre Freilassung demonstrierten. 

- In der kleinen sympathischen Galerie Wolf & Galentz nah beim S-Bahnhof Wollankstraße schaute ich die Gedenkausstellung für den kürzlich verstorbenen Künstler Michael Ley,  Spannende Arbeiten waren zu sehen, hauptsächlich gemaltes, aber auch Skulpturen. Diese waren bei Preisen ab 130 € durchaus erschwinglich.
Wer Tapetenwechsel auf der Wand wünscht und es sich leisten kann, sollte die Galerie besuchen.
Außerdem finden dort regelmäßig Konzerte aus der Reihe Soundscapes statt. Ich hörte die 50ste Ausgabe.
Aus diesem Anlass wurden Schnittchen und Sekt gereicht und von einer lustigen Combo improvisierte Musik geboten.
Die Musiker waren; Frank Gratkowski Bassklarinette, Klarinette, Flöte, Wilbert de Joode Kontrabass, Olavi Louhivuori Schlagzeug, Libero Mureddu Keyboard, Electronics, Harri Sjöström Sopran- & Sopraninosaxofon, 
Sichtbare und hörbare Kunst verwoben sich zu einem schönen Abend.









- Im
richtigen Kino sieht man/frau hoffentlich den richtigen Film.
Im delphi Lux sah ich Paris Murder Mystery.
Eine Komödie mit Ausflügen in den Ernst des Lebens.
Mit Judie Foster und Daniel Auteuil hochgradig starbesetzt. Sie ist Psychologin und er Augenarzt und sie sind ein getrennt lebendes Paar aus dem jüdischen Milieu von Paris.
In ihrer beruflichen Arbeit ist sie etwas eingeschliffen, so überhört sie Warnhinweise auf die Selbstmordabsichten einer Patientin. The worst case für jede Analytikerin.
Ihre Schuld an den Suizid versucht sie zu verdrängen, indem sie eine Mordgeschichte imaginiert. Um den Täter zu finden tut sie sich mit ihrem Ex Mann zusammen und ihre Liebe flammt dabei wieder auf.
Sie finden die Täterin natürlich nicht, denn es gibt sie nicht. Das muss sie zu Schluss einsehen.
Aber Ente gut Alles gut, sie fühlt sich zwar schuldig am Tod ihrer Patientin, wird dadurch aber milder, sie versöhnt sich sogar mit ihrem Sohn.
Und Schluß Aus; - Happy End!

Kritik der Anderen: epd, NDR, - Ein Interview mit der Regisseurin aus der TAZ

- Es gibt in der Welt auch richtig herausragende Regisseure und spannende Filme, zum Beispiel von Pedro Almodovar. Bei arte in der Mediathek könnt ihr sie anschauen.

Außer Atem

 18.03.2026

- Für Filmfreunde ein Muss, Nouvelle Vague von Regisseur Richard Linklater.
Der Film ist ein Zeitfenster ins Jahr 1960, er zeigt wie es dem etwas exzentrische Filmemacher Godard gelang, den Gangsterfilm Außer Atem zu drehen.
Um es wie eine Doku wirken zu lassen, ist alles in schwarz/weiß gedreht. Von Schauspielern verkörpert treten viele bedeutende Personen der Nouvelle Vague (Neue Welle) auf. Der Dreh ist so chaotisch, wie ich mir vorstelle das Jean-Luc Godard war. Nun trotzdem gelang es ihm einen internationalen Erfolg zu erzielen und eine Ikone der Kinokultur zu realisieren

- Eine lange Tafel mit griechischen Tapas, gemeinsam speisen wir am Tisch mit einem Frauenchor, was will frau/man mehr.
Die singenden Frauen nennen sich Perperúna Ensemble und die Lieder, die sie vortrugen, entstanden bei einer Exkursion auf dem griechischen Festland in der Region Epirus. Dabei filmten sie das Leben der älteren ländliche Bevölkerung auch beim traditionellen polyphonen Gesang und lernten deren Lieder.

Der Chor ist ein spannendes Projekt und das aktuelle Programm hieß Yiofirja, ein Besuch in Epirus. Der Name der Singgemeinschaft leitet sich von einer auf dem Balkon verbreiteten Regenzeremonie ab.

- Das Utopia Orchester lud in die katholische Akademie ein, es erklang ein Oster Oratorium, komponiert von Paul Brody.
Das Orchester ist inklusiv, z.B. war der Mann am Klavier blind.
Der Komponist ist auch Trompeter und von den 17 Hippies bekannt.
Während des Konzerts wurde Poesie vorgetragen, nicht nur gelesen, auch gesungen.
Mir und meiner Begleiterin gefiel das Konzert.
Hinter dem Orchester und den Auftritten steckte die Organisation KulturLeben Berlin. Diese kümmert sich darum, dass finanziell Bedürftige kostenlosen Zugang zu Kulturveranstaltungen erhalten. Das Spektrum der Institutionen ist breit aufgestellt, da ist wohl für jeden etwas dabei.
KulturLeben bat auf der Veranstaltung um geldwerte Unterstützung, Spenden und Mitgliedschaften sind erwünscht.

- Mal wieder ins Kino. Diesmal sah ich La Grazia (Die Gnade) vom italienischen Filmemacher Paolo Sorrentino.
Es geht um Entscheidungsverweigerungen und böse Erinnerungen, die den Staatspräsidenten kurz vor dem Ende seiner Amtszeit plagen. Also wird ein wenig Einblick in Machenschaften der Politikerkaste geboten.
Die cineastische Umsetzung des Stoffes, Kamera, Ton und Licht ist exzellent, nur leider interessierte mich die Geschichte Null. Doch es war schön mal wieder italienisch zu hören.

Kritiken der Anderen: TAZ, epd, Frankfurter Allgemeine

- Der Mitschnitt eines Sting Konzerts im Reichsmuseum Amsterdam ist hier zu hören. Hörenswert!

Tricksen und unterstützen

 17.02.2026

- Das Konzerthaus am  Gendarmenmarkt ist schon ein imposanter Bau. Zwischen den beiden Kirchen auf dem Platz wirkt es fast auch schon ein wenig heilig.
Ich besuchte dort das  Festival "Vom Anfang..." mit Konzerten auch abseits der Klassik. Zu hören waren zwei Stücke.

1. Zur Einstimmung hörten wir die 4. Symphonie von Gustav Mahler, geschrieben um 1900. Kenner behaupten, sie stellte eine Abkehrt von der Romantik dar und läutet die Moderne ein.
Als Nichtkenner will ich das nicht beurteilen. Doch mir und meiner Begleiterin gefiel die Aufführung sehr gut. Die Seiteninstrumente strichen und zupften, die Pauken paukten und Bläser bliesen wacker, so wie es sein soll.

2. Nach dem historischen Aufbruch in die Moderne betraten 17 Mitglieder des Trickser Orchester die Bühne. Ergänzt wurden sie durch eine Gruppe Violinen des Konzerthaus Orchester.
Sonst waren der Instrumente wenige, die in der Klassik üblich sind. Nay (Flöte), Kanun (Zither), Koto (Zither), Santur (Hackbrett) Kawala und Oud (Laute) waren dabei. Also war keine traditionelle Musik zu erwarten. Zusätzlich war das Vokalensemble The Present eingebunden. Also war ein bunter multikultureller Haufen zu sehen.
Dazu ist die Dirigentin und Komponistin ein Flüchtling aus dem Iran.
Schon als ich die Trickser damals das erste mal sah, verstand ich, wie schwierig es sein muss, einen Klangkörper aus Instrumenten zu formen, die sonst nie zusammen spielen. Doch dies ist den GründerInnen hervorragend gelungen.
Cymin Samawatie dirigierte den verrückten Haufen sehr professionell.



- Ein Film bei der Berlinale schauen ist wie eine Wundertüte öffnen, man / frau weis nie vorher was einen erwartet.
Ich entschloss mich Members of the Problematic Familie an zu sehen. Was der Titel verspricht hält er, er zeichnet das Portrait einer schwierigen Familie im Südindien, es handelte sich um Angehörige der tamilischen Minderheit.
Eine Geschichte konnte ich nicht entdecken, vielmehr eine Aneinanderreihung von Episoden. Es begann mit einem Beerdigungsritual, das tagelang dauerte. Dabei lernten wir das Schwarze Schaf der Familie kennen, das in den folgenden Scenen immer wieder auftauchte. Irgendwo verlief sich die Geschichte dann für mich im Nirgendwo. Aber trotzdem fand ich es interessant, ein wenig in das Leben einer einfachen tamilischen Familie einzutauchen. TouristInnen bekommen so etwas wohl nie zu sehen.
Zu Ende waren schon einige BesucherInnen gegangen, meine Begleitung schlief.
Naja,- richtig gute Filme bei der Berlinale zu erwischen ist halt ein Glücksfall.

- Basel sehen und sterben ist etwas überzogen. Trotzdem ist die Stadt sehenswert und hat für KulturliebhaberInnen einiges zu bieten.

1. Ein Besuch im Theater Basel ist eigentlich Pflicht. Es zählt zu den bedeutenden Spielstätten in deutsch sprachigem Raum.
Ich sah dort  Die Ritter des Mutterkorn. Mehr eine klamaukige Komödie, wie der Titel erahnen lässt.
Die Regisseure Jörg Pohl und Rocko Schamoni erzählen eine fiktive Geschichte um das Ableben des Baseler Chemikers Albert Hoffmann, der aus dem Mutterkorn Lysergsäurediethylamid (LSD) extrahierte.
Die Geschichte: Nach seinem Tod konkurrieren zwei Gruppen um sein Erbe.
Eine, eine Art Bruderschaft, von ihm selbst gegründet, wollen LSD den Eliten anbieten.
Die andere, ein Anarchist und Hoffmanns Pflegerin, wollen das Bewusstsein der Massen erweitern. Am Besten soll LSD in die Trinkwasserversorgung gegeben werden.
Der Kampf der beider Gruppen wird mit viel Slapstick angereichert.
Es wurde viel gelacht und geschmunzelt, auch ich verließ das Theater fröhlich.
Außerdem erinnerte ich mich gerne an die vielen LSD Trips, die ich als junger Mann gegessen habe.

Kritiken der Anderen: Nachkritik

2. Die BaslerInnen feiern ihre Fastnacht ebenfalls mit drei tollen Tagen. Doch es gibt keine Sauforgien und sexuelle Ausschweifungen, wie sie in Köln und Mainz üblich sind.
Als Protestanten werden ihnen Sünden aber auch nicht vergeben, wenn sie beichten gehen. 
Ein wenig ist der Basler Karneval aber sowieso von dem alemannischen Wintervertreibungs Ritualen inspiriert.
Er ist immer ein guter Anlass, um Basel zu besuchen.

3. Basel ist auch ein HotSpot für spannende Kunstausstellungen.
In der Umgebung ist zu Beispiel die Fondation Beyeler in Riehen, einem hübschen Dorf an der deutschen Grenze verortet.
Dort waren viele Werke von Cezanne, dem sogenannten Meister der Moderne, zu sehen. Die meisten Bilder kannte ich schon aus den Video unten. Wenn ihr nicht nach Riehen fahren wollt, könnt ihr im Film viel über den Maler erfahren.

- Bei #everynamecounts erfasst du Namen und Daten von Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. So beschäftigst du dich aktiv mit der Vergangenheit und setzt ein Zeichen für Respekt vor den Opfern.

Die Dokumente in unserem Archiv, die Schicksale von 17,5 Millionen Menschen belegen, sind bereits eingescannt. Um sie aber in unserem Online-Archiv weltweit auffindbar und sichtbar zu machen, müssen die Informationen in eine Datenbank eingetragen werden – mit deiner Hilfe!
Bisher haben über 400.000 freiwillige Unterstützer*innen geholfen. Mehr als 10 Millionen Dokumente haben wir gemeinsam schon bearbeitet. Du brauchst dafür einen Internetzugang und einen PC. Hilfreich ist das Format eines Tablets oder größer, aber auch mobil ist die Eingabe gut möglich.
Hilf mit, es ist ganz einfach. Schon 5 Minuten reichen für ein Dokument, das so zu einem neuen Baustein im digitalen Denkmal wird.

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Wer eine kleine Reise tut...

 30.12.2025










- Lübeck hat auch ein Theater, dort besuchte ich WTF (what the fuck - Verdammte Scheiße) mit Freunden. Inszeniert wurde es von Malte C. Lachmann.
Das Ensemble versuchte die Debatte, um den Zustand der BRD und ihre Diskussionskultur aufzugreifen und in ein Musical zu gießen.
Dass so ein Vorhaben, egal ob gesungen oder gesprochen, etwas textlastig daherkommt, liegt im Kern des Pudels. Also war für uns ZuschauerInnen erhöhte Aufmerksamkeit angesagt.
Das war nicht Jeder / Jede man / frau Sache, meine Nachbarin verschlief einiges.
Ich hingegen war neugierig, wie diese Problematik auf die Bühne gebracht wurde.
Locker flockig würde ich sagen, es gab sogar Quiz Einlagen, bei einer gewann ich eine Tafel Schokolade.
Politisch ging es darum, wie es gelingen kann, mit  AfD Anhängern ins Gespräch zu kommen. Ich persönlich halte diesen Ansatz für fragwürdig, wenn dieser Faschist ist, ist er menschenverachtend und seine Positionen (Rassismus, Antisemitismus, Homophobie, Euthanasie für Behinderte) sind nicht diskussionswert.
Natürlich gibt es Menschen, die solche Parolen nur nach schwatzen, die lassen sich vielleicht noch umdrehen, da würde ich auch ein Gespräch probieren.
Wie dumm jedoch falsch verstandener Pluralismus daher kommen kann, zeigte das Stück in der Szene, als ein Schauspieler offen rassistische Kommentare, aus einer aus Pappe gebastelten "Zeitung" vorlas, auf der die Logos von verschiedenen Zeitungen aufgeklebt waren, Darunter war auch die TAZ, in der öfter ziemlich Dünnschiss geschrieben steht, die aber sicher nicht von muslimische Messermännern redet. Eine solche Propaganda Aussage ist den Springerblättern, der Jungen Freiheit und der AfD vorbehalten.
Insgesamt war das Stück jedoch ok. Politisch ein wenig flach, doch unterhaltend.
Sympathisch fand ich auch, das nach dem Applaus ZuschauerInnen auf ein Bier auf die Bühne gebeten wurden. Ich durfte mit einem Darsteller diskutieren.

Kritiken der Anderen: NDR, TAZ

- Ein wichtiges Ereignis  ist der rassistische Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Lübeck am 18. Januar 1996. Dabei kamen 10 Menschen ums Leben, aber unter ihnen keine Deutschen. Dies ist vielleicht ein erster Schlüssel zum Verständnis dafür, was nach dem Brand passierte.
Es wurde kein Täter gefasst und verurteilt. Polizei und Justiz hatten einen Ausländer im Verdacht und vier junge Nazis, die in der Nähe des Tatorts gefasst wurden, hatten wohl ein Alibi.
Bis heute ist der Fall ungeklärt.
Viele LübeckerInnen empfinden dies als eine offene Wunde in ihrer Stadtgeschichte. Sie kämpfen gegen das Vergessen an. Zum 30 jährigem Wiederkehr der Tat gibt es verschiedene Aktionen in der Stadt und auch das Theater Lübeck hat ein Stück zum Thema im Programm,

Mehr Infos Unter: https://hafenstrasse96.org/

 - "I'am a Stranger, killing an Arab" lautete ein von mir geliebter Song der Band The Cure aus dem Jahr 1979. Damals war mir nicht bewusst, dass sich der Text auf den Roman Der Fremde von Albert Camus bezog. Gerade sah ich den gleichnamigen Film vom Regisseur François Ozon. So schließen sich manchmal die Kreise.
Der Film ist in schwarz/weiß gedreht und spielt in Algerien zu der Zeit als die Franzosen es besetzt hielten, um 1930. Damals schien die Kolonialwelt noch in Ordnung. Die Weißen gehen ihrer Arbeit nach und die Araber sind bestenfalls Statisten. Anders als im Buch sind aber Anzeichen des zukünftigen Aufstands gegen die Besatzer zu sehen. An einer Hauswand steht "Algerie Front de la liberté" geschrieben.
Die Hauptperson lebt als junger weißer Angestellter in Algier. Er zeichnet sich durch extreme Emotionslosigkeit aus. Worin diese begründet ist wird im Buch nicht erklärt.
Sein Leben ist stark fremdbestimmt und so stolpert er auch durchs Leben. Er erschießt jemand und endet zum Schluss am Galgen.
Das geschieht nicht unbedingt wegen seiner Tat, das Opfer war ja nur ein Araber, sondern weil er sich weigert auf milderen Umstände zu plädieren. 
Mir gefiel der Film trotz der düsteren Geschichte gut.

Kritik der Anderen: epd, NDR, Perlentaucher, TAZ

- Der Film Ein einfacher Unfall des iranischen Regisseurs Jafar Panahi beginnt mit der zufälligen Begegnung eines Folteropfers mit seinem Peiniger. Er erkennt ihn am Geräusch, das seine Beinprothese verursacht.
Nachdem er diesen entführt hat, versucht er ihn lebendig zu begraben. Doch es kommen ihm Zweifel, auch weil er im Gefängnis seine Folterer nie zu Gesicht bekam. Er und die anderen Gefangenen waren stets die Augen verbunden,
So beschließt er andere Ehemalige zu besuchen, um Klarheit über die Identität des Mannes zu erlangen. Irgendwann sind fünf Opfer im Kleinbus, streiten darüber, ob sie den Richtigen erwischt haben und wie sie ihn am Besten töten.
Zum Schluss lassen sie ihn dann jedoch frei.
Ob die Geschichte eine Parabel über die Zerstrittenheit der iranischen Opposition oder ein Diskurs darüber, wie mit den Verbrechern nach dem Sieg umgegangen werden soll, erschloss sich mir nicht.
Ich habe Zweifel, ob mir der Film gefiel, teilweise war er ein wenig kitschig, auf alle Fälle fand ich ihn zu lang.

Kritik der Anderen: epd, NDR, Perlentaucher, critic.de

- Egal ob sie den Film The Clock im Museum sahen oder nicht. Der Macher dieses Werks Christian Marclay begeisterte mich bei der Biennale in Venedig und gerade in der Neuen Nationalgalerie Berlin.