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Keine Kampf Kunst

27.04.2014

Auch alte Zausel können was dazu lernen. Als ich ein Ticket für das Festival Korean Cinema Today gewann, fürchtete ich einen Sonntag im Haus der Kulturen der Welt Filme im Stil der martial art splatter movies zu erleben. Doch wie oft, ist es besser Vorurteile an der Garderobe abzugeben.

Ich sah drei Filme:
1. Die Doku Non-Fiction Diary von Jung Yoonsuk
In ihr werden drei fast zeitgleiche Ereignisse aus dem Jahr 1994 betrachtet.

© Promo
  • die extrem brutale Mordserie einer Bande, die Wohlhabende ausraubte, folterte und verscharrte
  • der Einsturz einer Brücke mit 35 Toten als Folge von Wartungsmängeln
  • der Kollaps eines Einkaufszentrums wegen Schlamperei bei Umbaumaßnahmen mit 500 Opfern
Damals war das Ende der Militärdemokratie von Gnaden der USA gerade ein Jahr her. Der erste gewählte zivile Präsident Kim Young-sam setze auf eine neoliberale Wirtschaftspolitik. Wie Grüne, SPD und die Christlichen Parteien in Deutschland sorge er dafür, dass die Armen ärmer und die Reichen reicher wurden und staatliche Kontrollen z.B. im Bauwesen verringert oder abgeschafft wurden.
Der Regisseur vergleicht die Reaktionen des Staates auf die oben genannten Ereignisse.
So wurde der verantwortliche Besitzer des Sampoong Warenhauses zu einer Freiheitsstrafe von 10 Jahren verurteilt. Dagegen wurden die Mörder der Reichen durch eine Medien Kampagne zu Monstern gemacht und gehängt.

2. Der Spielfilm Nobody's Daughter Haewon von Hong Sangsoo beschrieb einen Lebensabschnitt einer Studentin, die alleine lebt und die Geliebte ihres Professors ist. Irgendwie ist der Film wahrscheinlich für SüdkoreanerInnen eine Erleuchtung. Ich konnte mit der Geschichte jedoch leider nichts anfangen.

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3. Zum Ausklang wurde der Film Geomeun Meori (Black Hair) von Lee Mam-hee gezeigt. Ein schwarz / weiß Drama aus dem Gangstermilieu des Jahres 1964.

Zur Geschichte: Die Geliebte eines Gangsterbosses wird beschuldigt ihn betrogen zu haben. Deshalb wird ihr entsprechend der Gangregeln Säure ins Gesicht geschüttete.
Danach arbeitet sie als Prostituierte, mit einem teilweise entstellten Gesicht.
Aber die Liebe ist stärker und so will der Gangsterboss sie zurück. Dies bedeutet seinen Tod.

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Wenn Shakespeare Koreaner wäre, hätte die Geschichte von ihm sein können.

Live is a Cabaret

25.04.2014

Ein kleines Konzert in der kleinen netten Bar Sally Bowles beim U-Bahnhof Nollendorfplatz bildete das Programm des Abends.
Ich traf dort zwei Frauen und zum Anfang genossen wir die Abendsonne auf den Trottoir der Eisenacher Strasse. Bis auf einige testosteron gesteuerte Jungmänner in Autos ist die Straße ruhig.

Inmitten des schwulen Quartiers rund um den Nollendorfplatz eine nicht nur auf dieses Publikum ausgerichtete Bar zu eröffnen scheint unpassend.
Doch der Name stammt aus dem Roman Goodbye To Berlin von Christopher Isherwood, so passt sie genau in die Gegend und wer nicht an Homophobie leidet, findet sie bestimmt.
Der Autor war selbst schwul und wohnte bevor die Deutschen ihren Führer erwählten mehrere Jahre im Viertel.

Im Hinterraum spielte ein Jazz Trio, Christine ten Napel (Gesang),  Michael Gechter (Gitarre) und Nesin Howhannesijan (Bass), auf. Ruhigere Stücke aus dem american songbook waren zu hören. Doch der Genuss wurde durch Gesprächsfetzen aus dem Vorderraum getrübt.

Eiszeit

18.04.2014


Mit J. sah ich im Sputnik Kino den Film Snowpiercer vom Regisseur Bong Joon-ho aus Süd-Korea. Wieder mal eine Geschichte um den Untergang der Welt, wie wir sie kennen, durch den Klimawandel. In nicht so ferner Zukunft ist die Industrie so weit, den Staaten ein Mittel gegen die Erhitzung der Erde anzubieten. Leider geht die Aktion nach hinten los und die Erde versinkt in einer extremen Eiszeit.


Nur ein autarker Zug mit einem Abbild unserer Klassengesellschaft in Kleinem umkreist die Erde. Die Verdammten am Ende des Zuges planen den Aufstand und kämpfen sich durch den Zug zum Besitzer vor. Auf den Weg pflastern Leichen ihren Weg. Man / frau sagt dem koreanischen Kino nach, dass es sehr viel Gewalt bietet, dieser Film bestätigte das. Es war so heftig, dass J. meine Hand ergriff.


Für mich ist jedoch Gewalt im Film ok, wenn er eine Situation realistisch darstellt. Das war hier eher nicht der Fall. Alle tödlich Verletzten starben schnell und unbeobachtet.  Da haben Schriftsteller z.B. aus dem 1. Weltkrieg ganz anderes berichtet. Teilweise schrien die Sterbenden noch tagelang in den Stacheldrahtverhauen. Für Aktionszenen ist das aber wohl nicht gut geeignet.
Als der Anführer der Aufständischen an der Spitze des Zuges auf den Besitzer trifft, versucht sich der Regisseur in Philosophie. Der Besitzer des Zuges wollte nur testen, ob der Anführer arrangiert genug ist, um die Position als Nachfolger einzunehmen. Damit das Ende nicht zu blöd wurde, entgleiste dann der Zug. Eine Inuit und ein schwarzer Junge verlassen den Zug und stellen fest, dass die Eiszeit am Abklingen ist. Sie sollen wohl wie Adam und Eva die Erde neu besiedeln. Da können wir nur hoffen, dass die Inuit nicht unfruchtbar ist ;-)
Ente gut, alles gut, oder auch ein wenig Kitsch.


DarstellerInnen: Chris Evans, Song Kang-ho, Tilda Swinton, Jamie Bell, Octavia Spencer u.a

Kritiken der Anderen: Zeit, Spiegel, Perlentaucher, artchock, Filmgazette,

Atemlos

19.04.2014

In der Schaubühne sah ich mit I. das Stück Atmen von Duncan Macmillian, inszeniert von Katie Mitchell.
Frau Mitchell lernte ich als Regisseurin der fantastischen Inszenierung der Gelben Tapete kennen.
Die Geschichte von Atmen ist schnell erzählt.
Ein Paar diskutiert den eigenen Kinderwunsch vor dem Hintergrund, dass die Menschheit dabei ist, die Erde gegen die Wand zu fahren.
Ist es da legitim aus egoistischen Motiven ein Kind in eine eskalierende Klimakatastrophe zu werfen?

Das Kind wird schon allein durch seine Existenz die CO² Bilanz der Welt verschlechtern. Kann man / frau es dem Nachwuchs antun in einer sterbenden Welt zu leben?
Ich finde diese Diskussion spannend. Selbst denke ich manchmal, dass ich froh bin in absehbarer Zeit sterben zu können. So muss ich das kommende Elend nicht mehr erleben. Die nachfolgenden Generationen tun mir leid.
Das man / frau sich im Leben abstrampeln muss, wird ihn / ihr spätestens beim Eintauchen in den Schulalltag klar. Der Bühnenaufbau war daran orientiert.

Der gesamte verbrauchte Strom während der Verstellung (ca. 600 Watt) wird durch sechs Personen mit Fahrraddynamos erzeugt. Das ist eine tolle Idee.
Leider trat auch das Schauspieler Paar in die Pedale. Ihre Leistung, trotz der offensichtlichen körperlichem Anstrengung den Text sauber zu sprechen, kann ich nur bewundern.
Irgendwie bewirkt jedoch das dauernde Schnaufen und die Strampelei eine Hektik, die manchmal zu den Szenen nicht passen. Dieses Auseinanderklaffen der Geschwindigkeit der Handlung, mit dem immer gleichen Takt der Stromerzeugung, gefiel mir nicht.
Nun spielte das Paar ja gar nicht die Rolle, sie sprachen sie. Das war natürlich auch der Tretmühle geschuldet und bei so viel Text wurde ich etwas schläfrig. Leider verschlief ich einige Sätze.
Trotzdem klatschte ich gemeinsam mit den anderen ZuschauerInnen reichlich.
Es war ein klug und interessant gestalteter Abend.

© Irmeli Rother


Kritiken der Anderen: Berliner Zeitung, Tagesspiegel, taz, Deutschlandfunk, Nachtkritik

FotografInnen Disneyland

13.04.2014

© Irmeli Rother
Die Firma Olympus lud zu einer Werbeveranstaltung in die Opern Werkstätten am Nordbahnhof. Dort waren Kunstwerke aufgebaut, die zu einem Fotoparcours zusammengestellt waren. Nett, aber natürlich Werbung, war die Möglichkeit eine Olympus OM-D auszuleihen. Ich war neugierig und probierte eine aus.

© Irmeli Rother
Schön war, dass man / frau den eingelegten Speicherchip mit nach Hause nehmen konnte.
Ein wenig übertrieben fand ich, dass an den Kunstwerken genaue Anweisungen angebracht waren, wie der Apparat einzustellen war. So entstanden vielleicht keine schlechten Fotos, aber die Möglichkeiten der Kamera erkundet man / frau so nicht. Ich beachtete das nicht und I., die mich begleitete, nutze sowieso die mitgebrachte Sony.
Wenn ihr die Ausstellung besuchen wollt, habt ihr noch bis zum 25. Mai Zeit.

© Irmeli Rother
Das Kunststück von Maser war ein OP-Art Labyrinth, nicht sehr labyrinthisch, aber sehr OP-artig.
Ausgeleuchtete, knallige Farbstreifen sind natürlich für Digital Kameras ideal, knipsen war angesagt. Eltern fügten ihre Kinder als lebendigen Faktor dazu. Toll war, dass sie den Kleinen die farblich passenden Kapuzenpullis angezogen.

© Irmeli Rother
Das nächste Werk war genial fotospezifisch angelegt.
Eine Hauswand mit Fenstern und Erkern war am Boden liegend aufgebaut. Darüber ein riesiger Spiegel. Dieser ermögliche, die auf der Hauswand liegenden Menschen als an einer Hauswand kletternden Menschen auf Zelluloid bannen.
Die "Schau"spielerInnen waren mit vielen witzigen Ideen am Klettern und die FotografInnen drängelten sich an der Absperrung. Diese Installation war von Leandro Erlich.

© Irmeli Rother
Eine Arbeit, die auf die Blitzlichter der FotografInnen reagierte, stellte diese interaktiven Perückenköpfe des Werbeteams Alex und Liane dar. Je mehr geblitzt wurde desto heller leuchteten die Augen unter den Haarteilen auf.
In dem abgedunkelten Raum wirkten sie sehr fantastisch.
Für mich etwas kitschig.

© Irmeli Rother
Die von der Decke hängenden Plexiglas Scheiben von ANTIVJ, die von den Seiten mit wechselnd farbigem Licht bestrahlt wurden, sagten mir am meisten zu. Diese waren von außen spannend anzusehen, besonders wenn Personen sie durchstreiften, aber auch visuell sehr reizvoll, während wir sie selbst begingen.

© Irmeli Rother
I. war von der filigranen Kristallglas Installation von Philip Bessley begeistert. Vor dem Eingang zum Raum bildetete sich eine lange Schlange, denn nur eine begrenzte Anzahl BesucherInnen durfte hinein.
Dem Künstler gelang es mit geschickt eingesetztem Licht ein Wunderland für die Knipswütigen zu schaffen.


In einem Farbraum von Maser durften die BesucherInnen in ein farblich passendes Overall schlüpfen.
Hier zeigte sich wieder mal der kleine Unterschied der Geschlechter. Nicht einen Mann sah ich im Kostüm posieren, dafür durften wir die geliebten Wesen ablichten.


Ein Bild von den von mir geknipsten Fotos gefiel mir besonders gut. Es sieht ein wenig aus wie der Zugang oder Abgang zur Hölle, war aber nur ein Abluftrohr.


Wir Männer sind Woyzeck

11.04.2014

Dank eines Gewinnspiels sahen I. und ich im Gorki Theater Woyzeck III - Magic Murder Mystery.
Der Regisseur Mirko Borscht ließ sich zusammen mit dem Ensemble von dem Drama Fragment Woyzeck von Georg Büchner inspirieren.
Das Original beschreibt den Zusammenbruch des Soldaten Woyzeck, nachdem seine Freundin Marie mit dem Offizier, dessen Diener er ist, angebandelt hat.

Wer das Stück traditionell kennt, sollte das vorher Erfahrene vergessen. Hier war der Ansatz, dass alle Männer Woyzeck sind, gewalttätig und potenzielle Vergewaltigter. Konsequenterweise traten neben Marie mehrere Woyzecks auf.
Die Bühne war geteilt. Im hinteren Bereich, der am Anfang abgeteilt war, zerhackte ein Wilder Mann Stoffpuppen mit einem Beil und legte die Gliedmaßen zu Buchstaben zusammen. Wir konnten ihn dabei über einen Videomonitor beobachten.
Am Ende wurde er freigelassen und durfte sich auch mit Marie beschäftigen.

Davor machten die anderen Darsteller mit Marie herum. Mal wurde sie beschuldigt fremdgegangen zu sein, mal wurde sie gewürgt, mal vergewaltigt, mal mit Messern attackiert. Doch Marie durfte immer wieder auferstehen.
Zwischendurch verbündeten sich die Männer beim Saufen oder Rauchen, manchmal sogar mit Marie. Einer trug 20 Minuten lang einen philosophischen Text von Julian Jaynes vor. Darin ging es um die Bewusstseinsentwicklung der Menschheit. Es wurde die These vorgetragen, dass vor der Antike alle Menschen schizophren waren. Sie hörten Stimmen im Kopf, die ihnen göttliche Befehle übermittelten. Danach verlegten die Menschen die Götter ins Außen und damit verschwanden die Stimmen aus dem Kopf. Wer heute Stimmen in sich hört, hat entweder ein Handy verschluckt oder gilt als verrückt. Das wird sich wohl erst wieder ändern, wenn den Menschen die Handys implantiert werden.

© Irmeli Rother
Das Stück war also insgesamt nicht erheiternd, doch auch Büchners Vorlage bietet das nicht. Ich fand, diese Aufführung stand durchaus legitim in der Woyzeck Tradition und sie war spannend.
Am Ende war ordentlich viel Dreck auf der Bühne abgeladen und die BühnenarbeiterInnen hatten gut was zu putzen.

Die SchauspielerInnen: Tamer Arslan / Mareike Beykirch / Friederike Bernhardt / Dimitrij Schaad / Falilou Seck / Till Wonka
Bühne Christian Beck

Kritiken der Anderen: Freitag, Tagesspiegel, Kulturradio, RBB, Berliner Zeitung, TAZNachtkritik

Pop, Sex und Tantra

10.04.2014

Mit der Ausstellung von Werken, der in Berlin lebenden Künstlerin Dorothy Iannone, hat die Berlinische Galerie wieder mal einen Hit gelandet.

Unter dem Titel This Sweetness Outside of Time zeigte sie Gemälde, Objekte, Bücher aus den Zeitraum 1959–2014.
In den sehr prüden USA der sechziger / siebziger Jahre verknüpfte diese ihre sexuellen Erfahrungen und Fantasien mit ihrer stark psychodelisch beeinflussten Kunst. Damit verletzte sie gleich zwei Regeln. Sexualität und besonders weibliche Sexualität waren Tabu.

In den Siebzigern schloss sie sich gemeinsam mit ihrer großen Liebe Dieter Roth der Fluxus Bewegung an, einer Art Wiedergeburt des Dadaismus. Frau Iannone verlegte damals ihren Lebensmittelpunkt nach Europa.
Wie unschwer zu erkennen ist, sind ihre Bilder stark durch die buddhistisch / indische Malerei beeinflusst und in ihrem Spätwerk spielt auch der Buddhismus eine große Rolle.
Was mich umgehauen hat ist ihre stark farbige Ausdrucksfähigkeit.

Wir hatten das Glück, an einer Führung von Dr. Annelie Lütgens der Leiterin der Grafischen Sammlung und Kuratorin der Ausstellung teilzunehmen. So erfuhren wir viel über das Werk und das Leben der Künstlerin, mit der sie bei der Vorbereitung der Ausstellung zusammen gearbeitet hat.
Zum Beispiel über den von ihr entworfen Stuhl, den sie benutzte, der also nicht nur ein Kunstobjekt ist. Spannend fand ich auch die Video- und Audio Arbeiten.

Auf dem Weg zum Ausgang begegneten uns dann noch diese merkwürdigen aus Modellen gefertigten mit Elektronik aufgeblasenen Lafetten. Diese Panzer wollten mit uns kommunizieren. Sie fuhren herum, stoppten wenn sie auf Hindernisse wie uns trafen und gaben, wenn man / frau sie ansprach das Gesagte über Lautsprechertürme dem Anwesenden zur Kenntnis. Nic Nowak hat die Geräte gebaut und mit ihnen den Gasag Kunstpreis 2014 gewonnen.

Mir gefielen die Maschinchen, sicher auch weil ich als Elektroniker so was spannend finde. Meine weibliche Begleitung fand die Kleinen jedoch langweilig. Das wurden sie leider für mich auch, nachdem ich eine Weile mit ihnen gespielt hatte.

An der Mauer, auf der Lauer...

06.04.2014

... liegt heute kein DDR Grenzschützer mehr.

I. und ich radelten auf dem ehemaligem Grenzstreifen von Lichterfelde Süd Richtung Osten.
Beim vormaligen Schießplatz der US Besatzer Berlins entdeckte I. eine marode Fabrikhalle.
Ruinen, Kaputtes und Schrottreifes zu fotografieren ist die große Leidenschaft von I.


Vorbei an sonnenbeschienenen Rapsfeldern rollten wir mal auf den Mauerweg der DDR Grenzpolizei, mal auf dem Grenzweg der Berliner Polizei.
Zum Glück haben unsere bekloppten Politiker diesen Weg nicht so schnell zerstören können wie die Mauer. Mauersegmente waren einfacher zu verramschen.

Irgendwann bogen wir nach Brandenburg ab. In der Nähe von Friederikenhof entdeckten wir merkwürdige, mit Folien abgedeckte Felder. Im Sinne der Sendung mit der Maus "wer nicht fragt bleibt dumm" nutzen wir das Wissen von Fremden. Diese klärten uns auf, dass dies Spargelbeete waren.

Leider ist die Gastwirtschaft im Osten immer noch recht unterentwickelt. Ein Ort, um unseren Kaffeedurst zu stillen, war nicht einfach zu finden. Da haben es selbst Hunde besser.
Im Tierhotel Mama Mo haben sie neben diversen Angeboten sogar einen Pool zum Baden. Doch wir wollten denen nichts wegsaufen.

Auf dem Rückweg entdeckten wir in Birkholz endlich einen kleinen Gasthof mit Biergarten.
Sohny's Hexenhaus ist sicher keine Reise wert, aber man kann dort bei gutem Wetter recht nett draußen sitzen.
Der Kaffee war nix besonderes und der Kuchen staubig.
Die Gerichte, die an den anderen Tischen servierte wurden, erinnerten im Aussehen an gute alte HO Gaststätten und der Anblick machte uns auf keinem Fall Lust auf mehr.

Über Marienfelde - Lankwitz - Steglitz fuhren wir Heim.

Alle Fotos © Irmeli Rother

Puppe performen

04.04.2014

© Irmeli Rother
Puppentheater ist schon lange nicht mehr nur der Kasper, der das Krokodil verhaut und die Grete, die den Kasper vertrimmt.
Der Ort auch für experimentelles Puppenspiel in Berlin ist die Schaubude beim S-Bahnhof Greifswalder Straße im ehem. Ostberlin.
Dort trifft sich die internationale Szene der PuppenspielerInnen.

© Uta Gebert
Wir sahen das Stück Manto. Die menschengroße Puppe Manto wurde direkt durch eine Spielerin geführt. Dabei war sie schwarz gekleidet und Manto trug weiß. Die Szene wurde grell von vorne beleuchtet, so dass die Person hinter Manto kaum zu erkennen war.
Das Äußere von Manto erinnerte mich ein wenig an die Puppe aus Casanova von Frederico Fellini. Mit ihr hatte Casanova im Film, wie mit allen weiblichen Personen, Sex.
Manto war dagegen eher prüde.

© Uta Gebert
Wenigsten war sie obenrum unbekleidet. Weshalb sie allerdings ein Geweih trug, erschloss sich mir nicht. Doch die Puppe war beeindruckend und die Szenen sehr poetisch. Im Stück der Numen Company erwachte sie zum Leben, fürchtete sich vor Schatten und wehenden Vorhängen. Das hatte sich jedoch nach kurzer Zeit abgenutzt und ich war glücklich, dass nach 60 Minuten Schluss war. 30 Minuten hätten gereicht. Da nutzte es auch nichts, dass Manto in der griechischen Mythologie die Tochter des blinden Sehers Teiresias von Theben war.

© Irmeli Rother
Nach der Vorstellung schauten wir noch die fantasievollen Maskenentwürfe der verstorbenen Puppenmacherin Mo Bunte  in der Bar der Schaubude an.

Viele Schwestern

22.03.2014

© Irmeli Rother
Ich habe früher beim Thema Musical stets die Nase gerümpft. Seit ich die Neuköllner Oper kenne, konnte ich dieses Vorurteil überwunden.
Dieses Mal schaute und hörte ich dort mit I. was Feministisches, Schwestern im Geiste von den männlichen Choreografen und Autoren Thomas Zaufke und Peter Lund.

In dem Stück sind drei Frauen der Gegenwart mit den Leben der Schriftstellerinnen und Schwestern Brontë konfrontiert. Diese konnten im 1900ten Jahrhundert in England nur unter männlichen Synonymen bekannt werden. Frauen schrieben damals nicht, sie waren Ehefrauen.

Sie sprachen nur wenn sie gefragt wurden.
Die Frauen der Gegenwart befassten sich mit der Geschichte der Schwestern im Deutsch Unterricht. Den Schülerinnen von heute fehlte der Bezug zur Gegenwart. Später entdeckten sie jedoch Parallelen.

Die Protagonistinnen sind eine Deutschlehrerin und zwei ihrer Schülerinnen. Toll ist, dass im Stück die Unterschiede der Situationen damals und heute herausgearbeitet werden, auch die Unterdrückung der Frau in der heutigen Zeit gezeigt wird.
Die SchauspielerInnen leisteten dabei Großartiges.

Mit: Katharina Abt, Denis Edelmann, Andres Esteban, Jaqueline Reinhold, Sabrina Reischl, Teresa Scherhag, Keren Trüger, Dalma Viczina, Rubini Zöllner.
Bühnenbild und die MusikerInnen waren ebenfalls Klasse, leider steht das Stück nicht mehr auf den Spielplan.

© Irmeli Rother
Kritiken der Anderen: Tagesspiegel,  Kulturzeit rbb, Opernnetz