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Theater für Sesselpupper

02.06.2026

- Frankreich ist unter anderem auch für seine innovative Jazz Szene bekannt. Jedes Jahr wird diese beim kleinen feinen Festival Jazz Oro vorgestellt. Im Club Gretchen hörte ich zwei Bands.

1. Wakan



2. Amaury Faye Nola Quartet feat Herlin Riley

Angenehm unaufgeregter Jazz

- Im Ostseebad Ahlbeck gibt es sogar ein Kunstmuseum. Es befindet sich direkt in Gebäude der Bahnhofsstation. Ich sah dort Werke vom Multikünstler Armin Müller-Stahl, auch andere KünstlerInnen stellen dort auch aus. 
Die Halle wirkte sehr unaufgeräumt, überall lagen neue und gebrauchte Bücher herum, doch die Bilder waren sehenswert.

Dann und wann gibts einen Mann,
 der wien Vogel fliegen kann
Farbradierung / 2018











- Reisende, kommst du nach Swinoujscie, Swinemünde, wie wir Deutsche es nennen, halt ein und besuche das im Stadtzentrum gelegene Cafe El Papa Hemingway.
Ich entdeckte das Kleinod anlässlich meines 10tägigen Aufenthalts in dem von RentnerInnen gefluteten Ostseebad und besuchte es danach fast täglich. Neben dem sympathischen Personal und einer ansprechenden Einrichtung bietet es einen trinkbaren preiswerten Rotwein (Primitivo) an.

Nicht, dass ihr denkt, ich besuchte den Ort nur wegen des Saufens, es gibt dort auch wechselnde Kunstausstellungen, und an einem Nachmittag spielte die Saxophonistin Kingi Kasztelan ein Konzert.
Bei der Beurteilung des Kulturevents möchte ich nicht als hochnäsiger Berliner gelten, doch im meiner Heimatstadt bietet man / frau so etwas in einem Seniorenheim an. Die recht passable Musikerin ließ zu ihrem Spiel Playback laufen.
Wenn in der Berliner U-Bahn jemand / jefrau so auftritt, bekommt er kein Geld von mir, aber Swinemünde ist nicht Berlin. Die Saxophonistin spielte Klassiker des Jazz von Swing bis BossaNova und diese waren gut hörbar.

- Der Berliner Jazzpreis ging an die Pianistin Jülia Hülsmann. Die Verleihung fand im kleinen Sendesaal des RBB statt.
Als sie sich bedankte fand sie die richtigen Worte und das Publikum klatschte begeistert. Sie beschwerte sich darüber, dass der Berliner Senat versprochene Gelder für die Musikhochschule zurück hält und der RBB Stellen im Bereich Jazz kürzt.
Musikalisch war sie mit ihrem Quartett unterwegs. Das sind sie selbst und Uli Kempendorff – Tenorsaxophon, Marc Muellbauer – Kontrabass, Heinrich Köbberling – Schlagzeug.
Ich hörte moderne Jazz auf hohem Niveau. Das Konzert könnt ihr hier hören,

- Die Jazzwoche Berlin 2026 wurde mit einer Diskussionsrunde und einem Konzert eingeleitet.

Eröffnet wurde sie im Gretchen, einem Club in Kreuzberg.
In der Diskussion ging es um Entscheidungsräume im Berliner Jazz, um die Kürzungen in der Berliner Kultur und um Korruption in der CDU in Zusammenarbeit mit zuständigen ehemaligen Senator Joe Chialo. Dabei wurden Antisemitismus Fördergelder am zuständigen Gremium vorbei vergeben.
Es unterhielten sich darüber: Nikolaus Neuser (Musiker, IG Jazz Berlin), Dahlia Borsche (Geschäftsführerin des Musikfonds), Shai Hoffmann (Sozialunternehmer, Aktivist und Moderator) und Claudia Schurz (Referentin für Musik/ Clubkultur/ Weltoffenes Berlin/ Impact), Moderation: Camille Buscot.
Drei musikalische Auftritte lockerten die Veranstaltung auf.

1. Das Kelvin Sholar Trio Kelvin Sholar piano / Charles Sammons bass / Eric Vaughn drums brachten Jazz mit Funk Einflüssen zu Gehör.

2. Die frisch gebackene Gewinnerin des Berliner Jazzpreises 2026 Julia Hülsmann spielte ein Pianosolo.

3. Unique ist ein Jazz Orchester. Holly Schlott (Dirigentin) ist die Gründerin, mit ihr sind Beni Geyer - keys/synth, Antje Rösseler - piano, Raphael Meinhardt - vibraphone, Lizzy Scharnofske - drums, Orlando de Boyekens - tuba, Tanja Becker - trombone, Birgitta Flick - tenorsax, Olga Amelchenko - altosax , Leah Phillips -  guitar, Erik Leuthäuser -vocal / electronics, Zuza Jasinska - vocal / electronics im Universum der Interpretion unterwegs. 

- Doch es gibt auch noch Kino. Ich sah Delikatessen, einen Klassiker des dystopischen Kinos aus dem Jahr 19+92.
Die Story ist simpel: Die ganze Geschichte spielt in einem etwas heruntergekommenen Haus, zu einer Zeit wie nach 1945, wo das Essen, besonders das Fleisch, knapp ist. Doch es gibt ein Delikatessen Geschäft im Erdgeschoß und einen kleveren Metzger. Der schaltet in einer örtlichen Zeitung regelmäßig die Anzeige, dass er einen Hausmeister sucht. Der wird dann nach kurzer Zeit geschlachtet und von den BewohnerInnen verzehrt.
Doch diesmal bewirbt sich ein Zirkusartist, zwischen dem und der Tochter des Verwursters eine heftige Liebe entbrennt. Wie es sein muss überlebt das Paar und ...
Der Fleischer und einige seiner KumpanInnen beißen ins Gras. 

- Diesmal Jazz im Pupsnest Peitz. Dort trat Wanja Slawin in seinem Tentett auf.
Die MusikerInnen waren: Gesang - Zuza Jasinska, Trompete - Heidi Bayer, Saxophon/Holzblasinstrumente - Ben van Gelder, Jeremy Viner, Wanja Slavin, Posaune - Johannes Lauer, Maxine Troglauer, Klavier - Rainer Böhm, Kontrabass - Felix Henkelhausen, Schlagzeug - Fabian Arends.
Leider beendete der Regen den spannenden Auftritt.

- Drei Stücke vom Theatertreffen zeigt 3Sat. Ich empfehle "Fräulein Else unter Druck" nach Arthur Schnitzler als Solo Comedy. Aber noch mehr empfehle ich Theater live!

Klamauk und Opera

 20.05.2026

- Das Singspiel Opera, Amore wurde im italienischen Kulturinstitut gegeben. Es sollte ein Schnelldurchlauf durch die Geschichte der italienischen Oper von Monteverdi bis Puccini in zwei Stunden werden.
Und was braucht es zu einer Oper, Musiker und SängerInnen, diese standen in guter Qualität zur Verfügung.
Und eine Geschichte, Liebe und Triebe sollten vorkommen und etwas Böses, das versucht die Liebenden zu entzweien. Natürlich soll das Böse nicht obsiegen und es kommt zum Happy End.
Die schauspielerische Leistung erinnerte jedoch etwas an ein Laientheater. Alles wirkte sehr klamaukig, aber vielleicht war es Absicht. So konnte ich öfter über die Aktionen der AkteurInnen lächeln.
Möglicherweise sollten wir lernen, die Oper nicht ganz ernst zu nehmen und dass sie eigentlich Kitsch ist.
Das entspricht auch ein wenig meiner Auffassung.

Motto der KünstlerInnen: Die Oper ist eine wunderbare Unwahrheit, welche immer die Wahrheit sagt.

- Ist es schon wieder Zeit mehr ins Cabaret zu eilen? Bevor die Deutschen Hitler zum Reichskanzler wählten, erlebte diese eher "kleine" Kunstform ja auch eine Blütezeit. Damals wie heute fanden und finden Lesben und Schwule in diesem Bereich ein Auskommen und können sich ausdrücken.
Hoffentlich kommen die AfD Nazis nicht an die Macht und verbieten diese undeutsche Unterhaltung wieder. So etwas wie LGPT passt ja nicht in ihr beschränktes Weltbild,
Im Institut Francais schaute ich die Koprodukion von dem Pariser Cabaret La Bouche und dem Berliner Kollektiv The Velvet Creepers an.
Das war Cabaret mit Gesang, Tanz, Akrobatik und einer gehörigen Portion Burlesk. Leider adressierten die erotischen Tänzerinnen nicht die männlichen Besucher. Sie bekannten sich alle zu ihrem Lesbisch sein und so meinten sie die zahlreichen weiblichen Besucherinnen.
Spannend anzusehen war die Vorstellung trotzdem.
Wie im Cabaret üblich gab es eine Conférenciers. Die diesen verkörpernde Frau sprach leider fast nur französisch, was aber an diesem Ort wohl passte. Was ich verstand war, dass sie auch vor einem heraufziehenden Faschismus warnte und Lesben, Schwule und andere nicht angepasste zum Widerstand aufrief.
Auch das war Spitze!

- In der brasilianischen Botschaft erklangen klassische Kompositionen des Landes aus dem 19. und 20. Jahrhunderts.
Als eurozentristischer Musikliebhaber habe ich KomponistInnen aus Brasilien kaum auf dem Schirm.
Samba, Forro und Maracatu sind zwar Tänze und Rhythmen der Folkmusik, die viele Europäer kennen, aber das es auch klassische brasilianische KomponistInnen ist weniger bekannt.
Das Kammerorchester Georg-Friedrich-Händel brachte diese zu Gehör.

1. Chiquinha Gonzaga (1847- 1935) war eine für ihre Zeit ungewöhnliche Frau. Sie schrieb auch sehr populäre Operetten im Wiener Stil.

2. Cesar Guerra-Peixe (1914-1993)

3. Ernst Mahle (1929-2025)

4. Leonardo Cunha (zeitgenössig)

- Mit dem Einkauf unter dem Arm eine Galerie besuchen zu können ist schon ein Privileg. Da wo ich wohne ist das möglich.
Dieses Mal stellte Hennig Haupt in der ep.contemporary aus. Seine sehr farbigen, abstrakten und ausdrucksstarken Arbeiten begeisterten mich auf den ersten Blick. 
Aber eine von den wandfüllenden Malereien konnte ich zuhause nicht gebrauchen, außerdem wollte ich nicht so viel Geld in die Hand nehmen, also nahm ich was Kleines im Format A4 mit.
Gerahmt wird es wahrscheinlich eine Wand im Zimmer meiner Frau zieren, wenn es ihr gefällt.
Die Ausstellung ist noch bis zum 6.Juni zu sehen. 

Henning Haupt, #19370, hinübergreifen (detail), 2026,
120×100 cm, oil on canvas, from the installation “hier und dort”

- Für die Jazz Fans unter euch bietet Arte eine filmische Biografie von Miles Davis. SPANNEND