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Venedig wird Disneyland

06.03.2013

Das geflügelte Wort "Venedig sehen und sterben" müsste in "Venedig an Profitgier sterben sehen" angepasst werden. In Venedig plant die Stadtregierung Hand in Hand mit der Tourismusindustrie die Vertreibung der BewohnerInnen aus der Stadt.

Darüber berichtet der Dokumentarfilm "Das Venedig Prinzip". Den sah ich mit der Liebsten im ACUD Kino.
Der Film ergreift klar Partei für die verbliebenen 60.000 BewohnerInnen.

Diese sehen sich täglich einer ebenso großen Schar TouristInnen gegenüber. Die Stadt ist in einigen Teilen unerträglich voll. Die BesucherInnen mögen das wohl, die VenezianerInnen hassen es.

Aber auch die steigenden Mieten sorgen dafür, dass immer mehr die Stadt  verlassen. Außerdem schließt die Stadtregierung Märkte, Post  Filialen und kommunale Einrichtungen.
Im Hafen machen ebenso viele Kreuzfahrer fest wie in New York.

Wird deren Fracht auf die Lagunenstadt abladen, wird es ungemütlich. Und die Stadtverwaltung will den Hafen weiter ausbauen.
Derweil verrottet die Bausubstanz der Stadt.
Wenn die BewohnerInnen endgültig vertrieben sind, wird es aber auch keine typischen Geschäfte mehr geben.

Alle Läden werden nur noch Souvenirs verkaufen und in den Restaurants gibt es nur noch Touristenmenü. Zum Schluss wird dann die Stadt abgerissen und die Deutsche Bahn baut eine Shoppingmall mit Gleisanschluss wie in Stuttgart..


Nach dem Kino zogen wir ins Sloppy Joe auf  zwei Rotwein und zum After Movie Talk. Die kleine Bar ist hübsch gestylt, die Decke ist eine Hintergrund beleuchtete Karte Kubas. Leider waren jedoch die Wassergläser schmuddelig und nach einer halben Stunde wurde eine Leinwand herunter gezogen und wir durften ungefragt Fußball anschauen. So schafft es ein Wirt, dass wir nicht wiederkommen werden.


Für meinem Geschmack war der Film zu stark auf visuelle Effekte ausgerichtet. Einige Interviews, z.B. mit dem Bürgermeister und mit Vertreten der Widerstandsbewegung, hätten etwas mehr Informationen über die Situation gebracht. Ohne viele Vorabinformationen, wie ich sie besitze, ist der Film unverständlich. Die Liebste war sehr deprimiert, ob dem was Venedig geschieht.

Die Kritiken der Anderen: Zeit, Hessischer Rundfunk, Critic

Malerei und Nostalgie

02.03.2013


© Irmeli Rother
Einmal im Jahr stellen ein mir bekannte FinnInnen im Finnlandzentrum in Kreuzberg ihre neuen Werke aus. Dieses Mal waren es drei. Marja-Liisa Skibba, Jorma Huusko, beide aus Berlin und Asko Jääskelainen aus Finnland. Links ist die Bande bei der Laudatio zu bestaunen.
Anschließend performte eine Freundin von Jorma.


Ein Tangotroubador sang zur Gitarre. Dann wurden zum eröffneten Büffet die Bilder betrachtet und die Liebste redete mit vielen FreundInnen. Inzwischen kennen mich auch viele FinnInnen und so fühlte ich mich nicht einsam.
Außerdem stießen bald auch noch drei jüngere Deutsche dazu, die mit uns Wein und Speisen genossen.
Da die MalerInnen mehr oder weniger Laien sind, erwarteten wir keinen Picasso und wurden so auch nicht enttäuscht.

Die beiden Bilder oben von Marja Liisa gefielen mir recht gut, obwohl ich sonst der Naiven Malerei, wenn sie öffentlich ausgestellt wird, sehr kritisch gegenüber stehe.

© Christoph Miera
Nach dem das Büffet vertilgt und der Wein getrunken waren, zogen meine Liebste begleitet von zwei jüngeren und mir weiter ins Leydicke. Diese Kneipe ist für uns beide stark nostalgisch aufgeladen. Auch wenn wir uns zu dieser Zeit noch nicht kannten, verbrachten wir vielleicht dort schon mal einen Abend gemeinsam und tranken den berühmt berüchtigten Obstwein. So viel Torkeln für wenig Geld gab es damals nirgendwo. Vielleicht haben wir uns schon damals angeblitzt, doch mehr war nicht.

Sonst könnten wir uns wohl daran erinnern.
Schon wegen der mumifizierten Kater, aber auch weil mich seit Jahrzehnten nicht erneuerte Tapeten nicht wehmütig stimmen, hielt sich meine Begeisterung in Grenzen. Der genossene Obstwein schmeckte scheußlich und brachte ebenfalls keine good memories. Leider ist der Laden dann auch noch eine Raucherkneipe, Igitt!!!
Nur unsere rauchenden BegleterInnen waren recht zufrieden.

Kunstparty

28.02.2013

Die aktuelle Gruppenausstellung im Freien Museum Berlin kommt unter dem auf dem ersten Blick für mich unverständlichen Motto Synekdoche daher. Zum Glück gibt´s Wikipedia. Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, rhetorische Begriffsbestimmungen sind nicht meine Stärke, handelt sich um eine Ersetzung einer Definition durch eine ähnliche.
Werke von einundzwanzig KünstlerInnen waren in den drei Stockwerken ausgestellt. Eine große Klammer unter dem Titel Synekdoche konnte ich nicht erkennen, aber vielleicht sollte uns der Name auch nur auf die Rolle schicken.
Nichtsdestotrotz gefiel mir Einiges.

Jeremie Martino
"la Cathartique" 2012
Öl auf Leinwand
"le Hooligan" 2012
Öl auf Leinwand
Wolfgang Stiller
"Matchstickman"
Holz, PU, 2013
Thibault Bourgoing
"Terracotta" 2013
Öl auf Leinwand
Marco Reichert
Magic Mountain XVI
Öl auf Leinwand, 2013
Diese Werke sprangen mir ins Objektiv. Zu besichtigen ist alles noch bis zum 16.03.2013.

Zu der sichtbaren Kunst wurde auch noch Hörbares geboten. Leider kreischte und quietschte die Band so laut und wild durcheinander, dass bei mir bald die Nerven angespannt waren. Ein Horde Kids hätte sicher vergleichbare Schallbewegungen zu Stande gebracht.

Jetzt hießen die Alternativen nur mitmachen oder flüchten. Ich verzog mich in die Hausbar.
Später performte einer der Musiker noch solo. Er lehnte sich rücklings an eine Mauer, setzte sich einen bestimmt fünf Kilo schweren Hammer auf den Kopf und küsste laufend einen stachligen Kaktus. Da wurde es recht still im Raum, alles wartete darauf, wann und ob ihn der Hammer auf die Füße fällt. Leider nahm er ihn sich nach ca. einer Halben Stunde von Schädel.

Sein Gesicht wirkte schmerzverzerrt. Bitte fragt mich nicht nach der Sinnhaftigkeit des Ganzen. Auf einer Kleinkunstbühne hätte die Nummer jedoch gute Figur gemacht.
Wieder im Partyraum legte der DJ bereits geile Soul und House Mucke auf.

An der Bar entdeckte ich, dass die gleiche Menge Rotwein und Rum mit nur einem Euro Preisunterschied verkauft wurde. So stieg ich schon aus wirtschaftlichen Gründen auf Rum um. Der finnische Einfluss scheint sich langsam bei mir immer stärker durchzusetzen.


Als ich später bemerkte, dass dies die Folge hatte, dass sich beim Tanzen meine Beine verknoteten, schnürte ich mein Ränzlein. Bis ins letzte Detail kann ich die Heimfahrt nicht mehr rekonstruieren.