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Wilde Isländerinnen

11.03.2013

Als Nachtrag zum Weltfrauentag veranstaltete die Isländische Botschaft Berlin ein Konzert von zwei Frauen, die ausschließlich isländische Komponistinnen spielten. Laufey Sigurdardottir an der Violine und Elisabet Waage an der Harfe waren die Besetzung des Duos.
Ich musste früher ab und zu feststellen, dass Musikerinnen hinter dem Schild des Feminimus schlechte Musik produzierten. Diesmal war dies überhaupt nicht so.

Vom Alter und von der Kleidung her waren die beiden Damen zwar sofort als 68er Blaustrümpfe zu identifizieren, doch tat dies der Qualität ihres Auftritts keinen Abbruch, warum auch.
Ich war wie meine BegleiterInnen ziemlich begeistert.

Wir bekamen Musik von vier Kompositionen Jorunn Vidar, Puridour Jonsdittor, Mist Porkelsdottir und Ragnhidur Gisladottir aus dem letzten Jahrhundert auf die Ohren. Die hatten wenig von meiner geliebten Björk, aber waren gut hörbar. Aber wenn ich ehrlich bin, kenne ich auch nicht viel mehr Musikalisches aus dem fernen Island.
Leider gab es beim Umtrunk danach keine isländischen Getränke, aber der Rotwein machte mich auch glücklich.

Performance - ansehen und mittanzen

09.03.2013

Wer wagt, gewinnt, manchmal. Das Glück war auf meiner Seite als ich die Karten für das Stück Dancing About der Gob Squad auswählte. Der Gruppe geht zwar ein legendärer Ruf voraus, doch bei Performance bin ich sonst sehr zurückhaltend.

© David Baltzer
Die Vorstellung begann mit einer Prozession von fünf Personen in Insektenkostümen. Sie stellten einen Glaszylinder auf einen Sockel vor den Zuschauern ab. Der sich anschließende Gruppentanz stellte eine Lobpreisung der Natur dar und bezog sich eindeutig auf den Zylinder.

© Irmeli Rother
Zu diesem Zeitpunkt beschlich mich die Ahnung, dass irgend etwas Lebendiges darin sein muss. Einzeln legten die TänzerInnnen ihre Masken ab und begannen sich dem Wesen, das sie Natur nannten, zu erklären. Es war ein wenig als wenn sie Kontakt zu Außerirdischen aufnehmen und dabei versuchten von sich zu berichten.
Dabei konnten die ZuschauerInnen sie nicht nur direkt beobachten, sie wurden auch von Kameras verfolgt. Die Bilder wurden an die Rückwand der Bühne projiziert.

© Irmeli Rother
Es folgt eine Bekenntnisorgie, in der Ich aber auch Wir Sätze formulieren wie "Wir haben Angst, dass unsere Kinder uns bald peinlich finden" oder "Wir denken zu viel". Die Generation der Tanzwütigen bespiegelt sich selbst, mal banal, mal philosophisch, und tanzt zu Discoklängen. Mir juckten die Hufe, ich wollte mitzappeln.

© Thomas Huntke 
In der Pause durfte die Natur dann auch besichtigt werden. In dem Zylinder saß eine Gottesanbeterin oder Mantodea. Diese Insekten verharren ruhig bis etwas Essbares vorbei kommt, um dann zuzuschlagen.
So sparen sie Energie und verhungern ob ihrer guten Tarnung nicht.
Der perfekte Gegensatz zu den zappeligen und immer sich zeigen wollenden Bühnenegos. Sicher sah und hörte das Tier alles was gespielt wurde, doch leider konnte ich nicht ergründen, was es von der Vorstellung dachte.

Mir und der Liebsten gefiel das Stück im Gegensatz zu den KritikerInnen gut.

Die Meinungen der Anderen: Taz, TagesspiegelNachtkritik
Einen heftigen Bocksprung leistete sich die Kritikerin der Nachtkritik, sie hielt das Insekt für eine Heuschrecke!?! Wenn das einer Fliege passiert endet es tödlich.


... lautet das Motto der Techno Generation, welche das Stück darstellte. Deshalb erschien nach Ende der Verstellung ein DJ und heizte den Roten Salon mit Elektroswing ein. Wir schwangen das Tanzbein unter dem Diskofirmament, bis wir die nötige Bettschwere erreicht hatten.

© Irmeli Rother

Knipsen und klecksen

08.03.2013

© Irmeli Rother
Freitag und Vernissage passt fast immer. Diesmal waren wir wieder in der netten KunstProjekt forma:t zu Besuch. Wir sahen dort Fotografiertes von Daffke Hollstein und Gemaltes von Jaume Munoz. Die Galeristin stellte die beiden in ihrer angenehm knuffigen Art und Weise kurz vor.

P / 2012 / 35
Foto: Irmeli Rother
Meiner Hausfotografin und mir gefielen die Fotos. Sie waren raffinierte Doppelbelichtungen unter dem Gesamttitel "Züricher Konstruktionen". Der Künstler nutzte eine Reise in die schweizer Stadt für diese Serie. Durch geschickte Auswahl der übereinander fotografierten Szenen entstehen phantastische Eindrücke. Schon am Anfang der Geschichte der Kameras entdeckten Fotografen, wahrscheinlich durch Zufall, dass wenn das gleiche Stück Film öfter belichtet wird, entsteht Neues. Sicher war der Zufall hier ein Geburtshelfer der Fotografie als Kunst.

"Sag die Wahrheit"
Foto: Irmeli Rother
Die Gemälde von Jaume Munoz waren eigentlich auch nicht schlecht. Es gelang ihm mit groben Umrissen und Farben intensive Momentaufnahmen zu gestalten. Was wir jedoch beide nicht mochten, waren die Beschriftungen im Bild. Wir fanden, dass ein Kunstwerk aus sich zu den BetrachterInnen sprechen sollte. Sprechblasen passen besser zum Comic.

Daffke Hollstein - Jaume Munoz
Foto: Irmeli Rother