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Touristinführung

16.04.2013

Am Treffpunkt, der Zona Bar beim U-Bahnhof Berliner Strasse, speisten wir um kurz vor HighNoon gut und preiswert italienisch. Das Restaurant hat keine feste Speisekarte, täglich wechselnde Gerichte stehen hier zur Auswahl.

Es hat was Gutes mit Touris unterwegs zu sein. Ich entdecke dann oft Veranstaltungen, von denen ich zwar Kenntnis hatte, aber nie besucht habe, z.B. die wöchentlichen stattfindenden Lunchkonzerten im Foyer der Philharmonie. Wir trafen dort kurz vor den Beginn um 13 Uhr ein.

Wer einen halbwegs guten Sehplatz anstrebt, sollte früher erscheinen.
Die Vortragenden waren diesmal der Bratschen Spieler Martin Stegner und die Pianistin Tomoko Takahashi. Sie brachten Werke von Johannes Brahms und Max Bruch zum erklingen.

Nach dem Musikgenuss zeigte ich der Touristin ein wenig vom Potsdamer Platz. Abseits der Touristen Trampelpfade ist die Gegend recht tot, doch die Architektur ist trotzdem gut anschaulich.
Zu Fuß bewegten wir uns dann in Richtung Kreuzberg.

Etappenziel war der Kahn van Loon. Das Restaurantschiff liegt im Urbanhafen und ist nicht nur bei TouristInnen beliebt. Ob des mildem Frühlingswetter genossen wir unsere Getränke an Deck mit malerischer Aussicht auf Schwäne und Enten. Das hässliche Urban Krankenhaus ignorierten wir.


Nachdem ich A. vom Kreativ Kaufhaus Modulo am Moritzplatz erzählt hatte wollte sie dies unbedingt anschauen. Wie viele aus der Münchener Provinz kam sie aus den Staunen nicht heraus. Nebenbei zeigte ich ihr noch das architektonisch recht gelungene Aufbau Haus genannte Gebäude. In den Gängen entdeckten wir die interessanten Totems von Hany Rashed.

Auf der obersten Etage bot sich uns allerdings ein Bild des Grauens. Irgend ein Dödel hat dort eine Kita angesiedelt. Sind die Gruppenräume nett in Penthäuschen untergebracht, wirkt die Umgebung durch meterhohe Zäune wie der Freigang eines Knastes.


Die Kita nennt sich Wildfang. Beim Anblick des so genannten Spielplatzes fehlfreudelte ich Windfang. Zum Glück scheinen die BetreiberInnen von der NLP beeinflusst zu sein. Schreiben sie doch auf ihrer WEB Seite: "Wir haben eine positive Grundeinstellung und Haltung". Ob jedoch eine neurolinguistische Programmierung hilft, dass Kinder und ErzieherInnen nicht nach kurzer Zeit in Depressiv fallen bezweifele ich.

Von der Dach Terasse aus sahen wir die Prinzessinnen Gärten. Dort wird auf einer ehemaligem Brache gegärtnert. Getreu der Idee des Guerilla Gardening von urbaner Selbstversorgung als Protestform gegen die Agrar-Industrie pflanzen Menschen dort Gemüse an.

Am Rande des weiteren Weges entdeckte ich diese sexistische Werbung eines Fischhändlers. Der macht mit seinen Imbissen Mc Kotz Konkurrenz. Leider sind die Gerichte nicht so knackig, wie uns hier vorgegaukelt wird. Weshalb allerdings bei dem Objekt der Begierde der Kopf abgeschnitten ist verstehe ich nicht. Stimmt es etwa, was meine Mutter sagte, dass es bei Männern auf den nicht ankommt?

Nach einem kurzen Fußmarsch gelangten wir zum nächsten Schaupunkt. Der so genannte Türkenmarkt am Maybachufer wird zwar noch von TürkInnen frequentiert, aber in Mehrzahl ist hier die bunte kreuzberger Völkermischung unterwegs.
Einige TouristInnen mischen sich darunter.

Den schönen Tag beendeten wir tanzend im Seitenschiff der Volksbühne am Rosa-Luxemburg Platz. Die Veranstaltung dort begleitet Fernando Zapata von der Tanzschule Zapatissimo. Um 20 Uhr gab es einen einstündigen Einführungkurs in Salsa. Nicht das ich den nötig habe, ich gab mich hin. Leider haben Frauen oft Probleme sich beim Paartanz führen zu lassen. Sie schaffen es selbst als blutige AnfängerInnen ihren eigenen Willen haben zu wollen, den sollten sie an der Garderobe abgeben.

Nach einer Weile hatte ich sie jedoch weich getanzt. Mancher Tänzer versucht dies mit Gewalt, ich lieber mit Gefühl. Wenn jemand mit Kraft versucht Tänzerinnen zu zwingen ist die Eleganz flöten. Nach dem Unterricht tanzten wir frei und das funzte ganz gut. Müde und fröhlich fuhren wir Heim.

Wolkenkuckucksheim

14.04.2013

Ob des schönen Wetters fuhr ich mit der Liebsten zum Mauerpark, um ihr den nettesten Flohmarkt Berlins zu zeigen. Von der Brunnenstraße ist er nur einen kurzen Fußweg entfernt. Hier ist viel Witziges zu finden. Gerade wer etwas Außergewöhnliches als Geschenk sucht, kann hier leicht fündig werden.

Zwischendurch sind auch KünstlerInnen dabei. Wir entdeckten zum Beispiel den Stand der Fotografin Jeanne Fredac. Wie meine Freundin, liebt sie Marodes. Es hat sich eine trübe Stimmung unter den FotografInnen herausgebildet.

Nach dem Marktspaziergang ging es nach Westberlin zum Kudamm. Wieder mal ein Film aus dem Lola Wettbewerb im Astor Kino. Cloud Atlas ist die visuelle Umsetzung des gleichnamigen Romans von David Mitchell. In dem Buch geht es in allen Episoden darum, der herrschenden Moral die Stirn zu bieten. Ob man / frau dabei Erfolg hat ist nicht vordergründig wichtig, nur das Beispiel zählt. Und die Geschichte hat ja bewiesen, dass sich Widerstand am Ende doch lohnt. Die Niederlage des dritten Deutschen Reiches oder die Abschaffung der Sklaverei mögen als Beispiele genügen. Der Roman und der Film sind in sechs zeitliche Handelsstränge aufgeteilt.
  1. Südpazifik, 1849
  2. Cambridge und Edinburgh, Großbritannien, 1936
  3. San Francisco, 1973
  4. Großbritannien, 2012
  5. Neo-Seoul, Korea, 2144
  6. 106. Winter nach der Apokalypse
Mir viel es nicht allzu schwer bei den Zeitsprüngen mitzuhalten. Was mir besonders gefiel, waren die wandlungsfähigen SchauspielerInnen, die unter Masken in den verschieden Zeiten wieder zu sehen waren. Nur die Passage in Neo Soul enthielt mir zu viele zu gedehnte Crash Verfolgungsfahrten. Wohl eine Anbiederung an das junge Publikum.
Leider kenne ich das Buch noch nicht, aber ich werde es mir besorgen.

Kritiken der Anderen: Zeit, Spiegel, FAZ,

Alzheimer zum Zuschauen

13.04.2013

"Vergiss mein nicht" ist eine Dokumentation von David Sievekings über den Verfall seiner Mutter.
Weil das Thema in ist und sich jede / jeder wohl etwas davor ängstigt auch Demenz zu bekommen, kommen seit Jahren regelmäßig Filme darüber heraus.

Wie der Spielfilm von Andreas Dresen, "Halt auf freier Strecke", über einen an einen an Gehirntumor erkrankten Familienvater.
Ich finde es gut, dass dieses Thema endlich auch im Film angekommen ist.

© Irmeli Rother
Der Filmemacher als Sohn, der an Alzheimer kranken Mutter, war nah an ihr dran, aber das hatte Gutes und Schlechtes. So zeigt die Mutter ihn und seinen Kameramann gegenüber keine Scheu, auch der Vater öffnete sich sehr. Seine bezaubernden Eltern sind 68er und offenbaren auch ihre Geschichte als Paar mit Höhen und Tiefen.
Leider springt die Geschichte zwischen dem Leben der Eltern und der Krankheit der Mutter hin und her.
Eigentlich reicht der Stoff  für zwei abendfüllende Filme.

Sehr gut wurde aber klar, wie sich die Zwickmühle aus Helfen wollen und der Unfähigkeit das umfassend zu können Verwandte und Freunde an ihre Grenzen stoßen lässt.
Leider bricht der Film ab, wenn der Verfall sehr stark wird. Verstehen kann ich den Regisseur, dass er seine Mutter so nicht zeigen wollte, doch dies ist verlogen. Das schreckliche Endstadium und der Tod gehören dazu.


Kritiken der Anderen: Spiegel, Süddeutsche Zeitung,

Ich sah den Film im Kino Astor. Ein schönes altes Filmtheater am Kudamm mit bequemen Sesseln. Leider wird dort meist ein Schrottprogramm gezeigt.
Doch dank der Zitty gewann ich einen Festival Pass für die Lola Preis Auswahl die im Astor präsentiert wurde. So schaute ich mit der Liebsten zwei Filme, die ich noch nicht kannte.