20.04.2013
Wenn Sasha Puskin aufspielt, war ich bisher nie enttäuscht.
Das Konzert fand bei Classic Pianos, einer Klavierwerkstatt in Kreuzberg, statt. Zwischen den teilweise fertig aufgebauten Tasteninstrumente waren Stühle aufgestellt und Getränke wurden verkauft.
Mit der Liebsten und russischen Bekannten nahm ich dort Platz.
Herr Puskin hatte mit dem Bajan Spieler Aydar Gaynullin ein Duo gebildet. Das Bajan unterscheidet sich vom Akkordeon dadurch, dass rechts keine Tasten sondern Knöpfe gedrückt werden.
Die sind bedeutend kleiner, so dass mehr von ihnen auf die Fläche passen. Damit ist das Instrument schwerer zu spielen, hat aber auch einen größeren Tonumfang im Diskant. Hr. Gaynullin ist ein Weltklasse Spieler, der mit meinem liebsten russischen Pianisten ein Spitzenkonzert hinlegte. Die beiden waren so gut, dass es mir fast schon peinlich war in den herumgehenden Zylinder nur 10 Euro werfen zu können. Die seltenen Konzerte bei Classic Pianos werde ich versuchen öfter zu besuchen.
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Vom Falkenstein zum Morgenstern
19.04.2013
Den Kunst Rundgang eröffneten wir auf dem Touristen Rummelplatz rund um den U-Bahnhof Schlesisches Tor. Ab und zu gibt es aber dort auch noch Menschen, die sich in Deutsch verständigen können. Sie weinen dann jedoch oft der Zeit nach, als die Mauer nicht weit entfernt stand und die Ecke am Ende der Welt lag.
Morbide Gebäude und deren fotografische Abbildung sind eine der Leidenschaften meiner Liebsten. So fuhren wir in die Galerie Wander Atelier in die Falckensteinstraße, um solche zu betrachten. Die Französin Jeanne Fredac stellt diese bis zum 30. April unter dem Titel "Verlassene Orte" aus.
Wir hatten die Künstlerin bei einem Spaziergang im Mauerpark entdeckt.
Die kleine aber feine Ausstellung ist Mi. - Mo. von 12:00 bis 18:00 Uhr zu besichtigen.
Gleich nebenan nutzt der Niederländer Paul Reimert sein Keramik Atelier, in dem er allerdings nicht Tonwaren aufbaut, sondern Fertigwaren zu 3D Collagen zusammenfügt. Die Haut der Spekulantensau besteht z.B. aus Keramikscherben, die Zitzen aus Decken von alten Zuckerdosen.
Wieder ein Haus weiter schlürften wir leckeren Kaffee in der Szene Kneipe San Remo Upflamoer.
Nach dem Mauerfall 1989 liegt die Bar jetzt am TouristInnen Trampelpfad zwischen Friedrichshain und Kreuzberg. Das Ambiente ist gediegen angeranzt aber sauber, eben SO 36.
Gegen den kleinen Hunger danach aßen wir dann im Burgermeister meisterlich zubereitete Hamburger. Für Menschen, die platte Fleischklumpen mit Gemüse im Brötchen mögen, eine der besten Adressen in Berlin.
Die Abfallprodukte im Pappbrötchen von McKotz sind da echt keine Konkurrenz.
So gestärkt fuhren wir mit der U-Bahn zum Halleschen Tor.
Dort in der Parteizentrale der Sozialdemokraten im Willi-Brandt-Haus stellte Rudolf Holtappel spannende Fotos aus dem Ruhrgebiet der 70er und 80er Jahre aus. Bilder des Arbeitsalltags und der Freizeit der Arbeiterfamilien waren zu sehen. Gemäß der Fassade der SPD im Wahlkampf wurden keine Fotos von SPD Granden wie Steinbrück in ihrer Rolle als Schoßhündchen der Stahl- und Kohle Bosse gezeigt.
Leider machten die Sozis diesen positiven Eindruck gleich am Ausgang mit Autogrammkarten ihres reichlich trotteliegen Berliner Bürgermeisters wieder wett. Den sollten sie besser verstecken, denn sonst wird es garantiert nix mit den Futtertrögen der Macht.
Den ersten Roten des Tages tranken wir dann im Wau, dem Restaurant des Hau. Dann folgte eine Kulturpause.
Am Ende des Tages besuchte ich das Antiquariat Morgenstern. Dort trug Lisa Braun, eine Moderatorin von Jazzradio, Texte aus dem Buch "Liebessequenzen" von Frauke Tuttlies vor. In diesem geht es wie schon der Titel nahelegt, um die Irrungen und Wirrungen der Gefühle.
Dazu wurde leckerer Zwiebelkuchen auf Kosten des Hauses gereicht, ohne Hunger ist Kultur schließlich noch besser zu ertragen. Die Dahlemer Verlagsanstalt richtete die Lesung ihrer Autorin aus und droht an weitere folgen zu lassen. Gerne höre ich dann wieder zu.
| © Irmeli Rother |
Morbide Gebäude und deren fotografische Abbildung sind eine der Leidenschaften meiner Liebsten. So fuhren wir in die Galerie Wander Atelier in die Falckensteinstraße, um solche zu betrachten. Die Französin Jeanne Fredac stellt diese bis zum 30. April unter dem Titel "Verlassene Orte" aus.
Wir hatten die Künstlerin bei einem Spaziergang im Mauerpark entdeckt.
Die kleine aber feine Ausstellung ist Mi. - Mo. von 12:00 bis 18:00 Uhr zu besichtigen.
Gleich nebenan nutzt der Niederländer Paul Reimert sein Keramik Atelier, in dem er allerdings nicht Tonwaren aufbaut, sondern Fertigwaren zu 3D Collagen zusammenfügt. Die Haut der Spekulantensau besteht z.B. aus Keramikscherben, die Zitzen aus Decken von alten Zuckerdosen.
Wieder ein Haus weiter schlürften wir leckeren Kaffee in der Szene Kneipe San Remo Upflamoer.
Nach dem Mauerfall 1989 liegt die Bar jetzt am TouristInnen Trampelpfad zwischen Friedrichshain und Kreuzberg. Das Ambiente ist gediegen angeranzt aber sauber, eben SO 36.
| © Irmeli Rother |
Die Abfallprodukte im Pappbrötchen von McKotz sind da echt keine Konkurrenz.
So gestärkt fuhren wir mit der U-Bahn zum Halleschen Tor.
Dort in der Parteizentrale der Sozialdemokraten im Willi-Brandt-Haus stellte Rudolf Holtappel spannende Fotos aus dem Ruhrgebiet der 70er und 80er Jahre aus. Bilder des Arbeitsalltags und der Freizeit der Arbeiterfamilien waren zu sehen. Gemäß der Fassade der SPD im Wahlkampf wurden keine Fotos von SPD Granden wie Steinbrück in ihrer Rolle als Schoßhündchen der Stahl- und Kohle Bosse gezeigt.
Leider machten die Sozis diesen positiven Eindruck gleich am Ausgang mit Autogrammkarten ihres reichlich trotteliegen Berliner Bürgermeisters wieder wett. Den sollten sie besser verstecken, denn sonst wird es garantiert nix mit den Futtertrögen der Macht.
Den ersten Roten des Tages tranken wir dann im Wau, dem Restaurant des Hau. Dann folgte eine Kulturpause.
Am Ende des Tages besuchte ich das Antiquariat Morgenstern. Dort trug Lisa Braun, eine Moderatorin von Jazzradio, Texte aus dem Buch "Liebessequenzen" von Frauke Tuttlies vor. In diesem geht es wie schon der Titel nahelegt, um die Irrungen und Wirrungen der Gefühle.
Dazu wurde leckerer Zwiebelkuchen auf Kosten des Hauses gereicht, ohne Hunger ist Kultur schließlich noch besser zu ertragen. Die Dahlemer Verlagsanstalt richtete die Lesung ihrer Autorin aus und droht an weitere folgen zu lassen. Gerne höre ich dann wieder zu.
Zwei Mädels 1962
17.04.2013
Mit dem Film Ginger und Rosa hat die englische Regisseurin eine kluge und genaue Milieubeschreibung des intellektuellen Englands der Periode zur Zeit der Kubakrise hingelegt. Damals rüsteten sowohl die USA, wie die UdSSR atomar auf.
Die wechselseitigen Provokationen und der Versuch eine nukleare Erstschlagfähigkeit zu erringen ängstigte die Menschen. In Großbritannien entstand die Bewegung Bam the Bomb, die regelmäßig den Zugang zum Militärflughafen Greenham Common blockierte. Dort waren US Atombomber stationiert. Es kam zu Demonstrationen in London mit 100.000 Menschen.
Das Bild oben stammt aus 1960, das rechts aus 1982.
Die Regiseurin Sally Potter setzt mit ihrem Film auch dieser Bewegung ein Denkmal.
Doch er ist in erster Linie die Geschichte zweier pubertierenden Mädchen um 1960.
Sie sind Freundinnen wie ihre Mütter. Während der Wehen hielten sich die Mütter an den Händen.
Zur selben Zeit explodierte die Bombe in Hiroshima. Damit war ein neuer tödlicher Schrecken der Menschheit geboren.
Ginger bewundert ihren Vater, der wegen Kriegsdienst Verweigerung im Knast saß.
Sie sieht in diesem ein Vorbild. Von ihrer Mutter, der von ihm verlassenen jammernden Frau, hält sie wenig. Sie will kein Heimchen am Herd wie diese werden. In ihr arbeitet bereits, der in den 60ern aufkeimende Feminismus.
Sie schreibt Gedichte, denkt viel nach und schleppt ihre Freundin Rosa auf Anti Kriegs Demos. Doch Rosa ersehnt mehr eine "normale" Frau zu sein. Sie ist schon sexuell aktiv, fickt mit Gingers Vater und endet vorläufig als dessen Hausfrau.
Es ist schon absehbar, dass er sie bald wieder gegen Frischfleisch eintauschen wird.
Für Ginger bricht die Welt zusammen, als sie von den beiden eingeladen wird und sie sieht wie Rosa wie ihre Mutter kocht und das Essen serviert.
Bei einer Blockade Aktion wird sie von englischen Bullen verhaftet und bricht psychisch zusammen. Der Vater als Vorbild hat ausgespielt und die Freundin scheint ihr eine dumme Verräterin.
Zum Glück hat Ginger Freunde...
Meine Liebste und ich waren von diesem geradlinig erzählten Film begeistert. Er erweckte in mir die Lust sich über die Zeit zu informieren.
So muss Kino sein. Die Bilder waren so eindringlich, das auf den Text fast zu verzichten war.
Deswegen, bitte OmU ansehen!
Kritiken der Anderen: Zeit, Spiegel, Süddeutsche
Mit dem Film Ginger und Rosa hat die englische Regisseurin eine kluge und genaue Milieubeschreibung des intellektuellen Englands der Periode zur Zeit der Kubakrise hingelegt. Damals rüsteten sowohl die USA, wie die UdSSR atomar auf.
Die wechselseitigen Provokationen und der Versuch eine nukleare Erstschlagfähigkeit zu erringen ängstigte die Menschen. In Großbritannien entstand die Bewegung Bam the Bomb, die regelmäßig den Zugang zum Militärflughafen Greenham Common blockierte. Dort waren US Atombomber stationiert. Es kam zu Demonstrationen in London mit 100.000 Menschen.
Das Bild oben stammt aus 1960, das rechts aus 1982.
Die Regiseurin Sally Potter setzt mit ihrem Film auch dieser Bewegung ein Denkmal.
Doch er ist in erster Linie die Geschichte zweier pubertierenden Mädchen um 1960.
Sie sind Freundinnen wie ihre Mütter. Während der Wehen hielten sich die Mütter an den Händen.
Zur selben Zeit explodierte die Bombe in Hiroshima. Damit war ein neuer tödlicher Schrecken der Menschheit geboren.
Ginger bewundert ihren Vater, der wegen Kriegsdienst Verweigerung im Knast saß.
Sie sieht in diesem ein Vorbild. Von ihrer Mutter, der von ihm verlassenen jammernden Frau, hält sie wenig. Sie will kein Heimchen am Herd wie diese werden. In ihr arbeitet bereits, der in den 60ern aufkeimende Feminismus.
Sie schreibt Gedichte, denkt viel nach und schleppt ihre Freundin Rosa auf Anti Kriegs Demos. Doch Rosa ersehnt mehr eine "normale" Frau zu sein. Sie ist schon sexuell aktiv, fickt mit Gingers Vater und endet vorläufig als dessen Hausfrau.
Es ist schon absehbar, dass er sie bald wieder gegen Frischfleisch eintauschen wird.
Für Ginger bricht die Welt zusammen, als sie von den beiden eingeladen wird und sie sieht wie Rosa wie ihre Mutter kocht und das Essen serviert.
Bei einer Blockade Aktion wird sie von englischen Bullen verhaftet und bricht psychisch zusammen. Der Vater als Vorbild hat ausgespielt und die Freundin scheint ihr eine dumme Verräterin.
Zum Glück hat Ginger Freunde...
Meine Liebste und ich waren von diesem geradlinig erzählten Film begeistert. Er erweckte in mir die Lust sich über die Zeit zu informieren.
So muss Kino sein. Die Bilder waren so eindringlich, das auf den Text fast zu verzichten war.
Deswegen, bitte OmU ansehen!
Kritiken der Anderen: Zeit, Spiegel, Süddeutsche
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