13.05.2013
Die montäglichen Jazzkonzerte in der Kleinen Bar am Südwestkorso bieten immer wieder positive Überraschungen. Diesmal war es ein italienischer Vibraphon Spieler, der mit Unterstützung eines Gitarristen und eines Saxophonisten, die ZuschauerInnen verzauberte. Giovanni Perin beherrscht das Instrument virtuos.
Er ist einer der vielen AusländerInnen, die als musikalische ArbeitsemigrantInnen die Berliner Kulturszene bereichern. Wer möchte, sollte das wöchentliche Newsletter der Bar bestellen, der Besuch lohnt fast immer.
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Von Bunker in die Hölle
12.05.2013
Wenn die Wettergöttinen Schauer voraussagen, bevorzugen die Liebste und ich uns indoor erschauern zu lassen. Wir hatten eine Führung durch den Mutter - Kind Bunker an der Fichtestraße ausgewählt. Der Verein Berliner Unterwelten organisiert regelmäßig Rundgänge durch das Bauwerk.
Dieser Bunker ist außergewöhnlich, weil er eigentlich nur für Mütter mit Kindern gedacht war. Diese Mütter unterstützten die Raubzüge ihrer Männer an der Heimatfront. Dafür sollten sie nachts ruhig schlafen, um am Tag arbeiten zu können. Die Mörder benötigten Nachschub an Waffen und Nahrung. Neben den ZwangsarbeiterInnen produzierten die Frauen Waren für den Krieg. Großmaulig wie die Nazis sind, versprachen sie damals Bunkerplätze für alle arischen BewohnerInnen der Hauptstadt.
Offensichtlich erfüllten sie diese Versprechung nicht, so dass kurz vor der Eroberung Berlins durch die Sowjetarmee 30.000 im Bunker eher standen als saßen. Mitleid ist aber nicht nötig, die Deutschen hatten sich jede Bombe selbst verdient.
Wer stolz auf die Bombenangriffe auf Guernica, Rotterdam und London war, durfte sich nicht beschweren, wenn die Angegriffenen zurück schlugen.
Um die Jahrhundertwende, im zweiten deutschen Reich, war das Gebäude als einer von vier Gasspeichern entstanden. Mit dem Gas wurden damals überwiegend die Straßen Beleuchtung gewährleistet. Das Gas wurde nur in der Nacht benötig und so entstanden im gesamten Stadtgebiet Speicher. Nach dem ersten von den Deutschen angezettelten Weltkrieg gewann die Versorgung der Haushalte mit Gas eine immer größere Bedeutung. Es wurde jetzt 24 Stunden verbraucht.
Die Zwischenlagerung wurde nicht mehr benötigt. Fast alle Gasspeicher wurden stillgelegt. 1940 wurde der Speicher an der Fichtestraße zum Bunker umgebaut.
Nach verlorenem Krieg wurde er Flüchtlingslager, Obdachlosenunterkunft und zum Schluss Lager der Senatsreserve.
Wen und mit wieviel der Besitzer, die Projektentwicklung speicherWerk Wohnbau GmbH, das Objekt kaufte und den Denkmalschutz dabei vernachlässigen konnte, ist ungeklärt. Sie haben auf dem Gelände Luxuswohnungen errichtet und diese mit hohen Zäunen gesichert.
Bei dem Ganzen hat der grüne Bezirksbürgermeister Schulz (er ist auch für den Abriss an der East Side Gallery verantwortlich) mal wieder seine Finger im Spiel. Über die Hintergründe der Schweinerei berichtet die Initiative Fichtebunker im Netz.
Da unser liebster Italiener Enzo am Chamissoplatz am Sonntag verschlossen ist, besuchten wir das von der katholischen Kirche in der Yorkstraße betriebene Restaurant Kreuzberger Himmel. Dass beim anhaltenden Mitgliederschwund neue Einnahmequellen erschlossen werden, ist legitim. Die Preise und die Qualität von Speisen und Getränken waren gut. Leider vergaß ich nachzufragen, ob die Angestellten entlohnt werden oder ob ein Segen zum Feierabend ausreichen muss. Dass Fürze von Nonnen zum Nachtisch verkauft werden, weist ja in diese Richtung oder kann man / frau sich vorstellen, dass den Nonnen pro Furz ein Anteil von vierzig Cent bezahlt wird.
Nach zwei Vorsuppen, meine schmeckte etwas langweilig, aß die Liebste Blutwurst und ich Tafelspitz. Beide Gerichte schmeckten lecker und die Nonnenfürzchen als Nachtisch waren ein Gedicht.
Auf dem Weg zum Klo wurde ich dann mit meinem Unglauben konfrontiert. Im Flur fand ich ein Glaubenstraktat mit dem Titel: Ich habe den Glauben verloren.... Da fühlte ich mich angesprochen, denn als Kind glaubte ich noch an den Weihnachtsmann und andere Märchen.
Im Text fand ich dann einen Satz wie: Glaube bedeutet Gott zu vertrauen. Doch wie soll ich Jemand vertrauen, der nichts dafür tut, dass man ihn erkennen kann. Abgesehen davon, dass seine Stellvertreter auf Erden selten eine gute Figur machen. Da hilft es auch nicht mir mit der Hölle zu drohen.
Etwas dreist fand ich jedoch die Missionsarbeit auf den Klo. Im Urinarium schaute mich ein Jesus am Kreuz als Zielhilfe an.
In anderen Klos sah ich schon mal Fußbälle, Marienkäfer oder Fadenkreuze, die helfen sollten, dass Mann, besonders wenn er besoffen ist, besser trifft.
Doch diese Selbstironie hätte ich der Katholischen Kirche nicht zugetraut. Ist das der frische Wind, den der neue Papst erzeugt? Lautet das neue Motto:
"Mit Jesus ins Ziel"?
Wenn die Wettergöttinen Schauer voraussagen, bevorzugen die Liebste und ich uns indoor erschauern zu lassen. Wir hatten eine Führung durch den Mutter - Kind Bunker an der Fichtestraße ausgewählt. Der Verein Berliner Unterwelten organisiert regelmäßig Rundgänge durch das Bauwerk.
Dieser Bunker ist außergewöhnlich, weil er eigentlich nur für Mütter mit Kindern gedacht war. Diese Mütter unterstützten die Raubzüge ihrer Männer an der Heimatfront. Dafür sollten sie nachts ruhig schlafen, um am Tag arbeiten zu können. Die Mörder benötigten Nachschub an Waffen und Nahrung. Neben den ZwangsarbeiterInnen produzierten die Frauen Waren für den Krieg. Großmaulig wie die Nazis sind, versprachen sie damals Bunkerplätze für alle arischen BewohnerInnen der Hauptstadt.
Offensichtlich erfüllten sie diese Versprechung nicht, so dass kurz vor der Eroberung Berlins durch die Sowjetarmee 30.000 im Bunker eher standen als saßen. Mitleid ist aber nicht nötig, die Deutschen hatten sich jede Bombe selbst verdient.
Wer stolz auf die Bombenangriffe auf Guernica, Rotterdam und London war, durfte sich nicht beschweren, wenn die Angegriffenen zurück schlugen.
Um die Jahrhundertwende, im zweiten deutschen Reich, war das Gebäude als einer von vier Gasspeichern entstanden. Mit dem Gas wurden damals überwiegend die Straßen Beleuchtung gewährleistet. Das Gas wurde nur in der Nacht benötig und so entstanden im gesamten Stadtgebiet Speicher. Nach dem ersten von den Deutschen angezettelten Weltkrieg gewann die Versorgung der Haushalte mit Gas eine immer größere Bedeutung. Es wurde jetzt 24 Stunden verbraucht.
Die Zwischenlagerung wurde nicht mehr benötigt. Fast alle Gasspeicher wurden stillgelegt. 1940 wurde der Speicher an der Fichtestraße zum Bunker umgebaut.
Nach verlorenem Krieg wurde er Flüchtlingslager, Obdachlosenunterkunft und zum Schluss Lager der Senatsreserve.
Wen und mit wieviel der Besitzer, die Projektentwicklung speicherWerk Wohnbau GmbH, das Objekt kaufte und den Denkmalschutz dabei vernachlässigen konnte, ist ungeklärt. Sie haben auf dem Gelände Luxuswohnungen errichtet und diese mit hohen Zäunen gesichert.
Bei dem Ganzen hat der grüne Bezirksbürgermeister Schulz (er ist auch für den Abriss an der East Side Gallery verantwortlich) mal wieder seine Finger im Spiel. Über die Hintergründe der Schweinerei berichtet die Initiative Fichtebunker im Netz.
Da unser liebster Italiener Enzo am Chamissoplatz am Sonntag verschlossen ist, besuchten wir das von der katholischen Kirche in der Yorkstraße betriebene Restaurant Kreuzberger Himmel. Dass beim anhaltenden Mitgliederschwund neue Einnahmequellen erschlossen werden, ist legitim. Die Preise und die Qualität von Speisen und Getränken waren gut. Leider vergaß ich nachzufragen, ob die Angestellten entlohnt werden oder ob ein Segen zum Feierabend ausreichen muss. Dass Fürze von Nonnen zum Nachtisch verkauft werden, weist ja in diese Richtung oder kann man / frau sich vorstellen, dass den Nonnen pro Furz ein Anteil von vierzig Cent bezahlt wird.
Nach zwei Vorsuppen, meine schmeckte etwas langweilig, aß die Liebste Blutwurst und ich Tafelspitz. Beide Gerichte schmeckten lecker und die Nonnenfürzchen als Nachtisch waren ein Gedicht.
| © Irmeli Rother |
| © Irmeli Rother |
| © Irmeli Rother |
Auf dem Weg zum Klo wurde ich dann mit meinem Unglauben konfrontiert. Im Flur fand ich ein Glaubenstraktat mit dem Titel: Ich habe den Glauben verloren.... Da fühlte ich mich angesprochen, denn als Kind glaubte ich noch an den Weihnachtsmann und andere Märchen.Im Text fand ich dann einen Satz wie: Glaube bedeutet Gott zu vertrauen. Doch wie soll ich Jemand vertrauen, der nichts dafür tut, dass man ihn erkennen kann. Abgesehen davon, dass seine Stellvertreter auf Erden selten eine gute Figur machen. Da hilft es auch nicht mir mit der Hölle zu drohen.
Etwas dreist fand ich jedoch die Missionsarbeit auf den Klo. Im Urinarium schaute mich ein Jesus am Kreuz als Zielhilfe an.
In anderen Klos sah ich schon mal Fußbälle, Marienkäfer oder Fadenkreuze, die helfen sollten, dass Mann, besonders wenn er besoffen ist, besser trifft.
Doch diese Selbstironie hätte ich der Katholischen Kirche nicht zugetraut. Ist das der frische Wind, den der neue Papst erzeugt? Lautet das neue Motto:
"Mit Jesus ins Ziel"?
Schön aber doof
08.05.2013
Meine Liebste bereitete mir ein schönes Geschenk.
Sie lud mich in die Komische Oper zur favola musica Orpheus von Claudio Monteverdi. 1607 uraufgeführt, gilt das musikalische Fabel genannte Singspiel als erste Oper der Geschichte. Von Anfang an als Unterhaltungsstück konzipiert, ist es musikalisch eine Mixtur aus damals populären, zum Teil sakralen Themen. Die Machart erinnert an heutige Musicals.
Monteverdi wählte eine schon damals bekannte Geschichte, so dass diese auch verständlich ist, auch wenn der Sprechgesang nicht ganz rüber kommt.
Nach der Fabel war Orpheus ein Mitglied der Argonauten. Diese griechische Piraten Bande machte mit dem Schiff Argo die den Griechen bekannten Meere unsicher.
Während ihrer Odyssee betäubte er Feinde mit seinem Gesang und mit dem Klang seiner Lyra.
Diese wird wie ein Harfe gezupft.
Am Anfang der Aufführung betrachtete sich der heimgekehrte "Held" Orpheus selbstverliebt in einem kleinen Teich, der in eine paradiesisch blumige Bühnenlandschaft eingebettet war.
Dann traten ca. fünfzig SängerInnen / TänzerInnen auf und spielten ein orgiastisches Fest. Natürlich ohne Drogen und Schweinkram, aber es gab Nymphen, Satyrn, Tiermasken und barbusige Menschen.
Mich beeindruckten besonders die Satyrn, in der griechischen Sage ein Mischwesen mit den Beinen eines Ziegenbocks, Oberkörper und Kopf eines Menschen mit süßen kleinen Hörnern über der Stirn. Hübsch an ihnen war auch ein Puschelschwanz, der beim Tanzen wackelte.
Der Sage nach verführten diese Wesen am liebsten Frauen.
Es könnte sein, dass den verklemmten Christen Satyr Vorbild für den Teufel war. Zwischen den Feiernden wuselte ein putziger Amor (Peter Renz) herum.
Er verkuppelte Orpheus (Dominik Köninger) mit Euridike (Julia Novikova). Diese wird danach von einer Schlange gebissen und findet sich im Totenreich, dem Hades, wieder. In der Antike gab es aber dort keine Folter.
Die christliche Konstruktion Himmel und Hölle war noch nicht erfunden. Aber der Hades war wohl Vorbild für die Hölle.
Superheld Orpheus kann es nicht zulassen, dass ihm die Frau genommen wird. Mit Hilfe seines Gesanges gelingt es ihn ins Totenreich vorzudringen und Eurydike los zu eisen. Leider meint er sich nicht an die Bedingung halten zu müssen, sie während des Rückwegs nicht anzuschauen.
So kehrt er allein zurück. Seine Eitelkeit ist dadurch so sehr verletzt, dass es sich auf offener Bühne in dem kleinen Teich ersäuft, in den er am Anfang seine Spiegelbild betrachtete.
Liebe, Triebe und ein tragisches Ende, Monterverdi hat die Bonbonmasse gut zusammen gerührt.
Wir waren von der Inszenierung von Barrie Kosky begeistert. Das Bühnenbild, das Orchester und die DarstellerInnen zeigten hohes Niveau. Dominik Königer als Orpheus wurde seiner Rolle als göttlicher Sänger voll gerecht.
Ganz besonders hervorheben möchte ich die fantastische Leistung des Puppenspielers Frank Soehnle vom Puppentheater Tübingen.
Einziger Wermutstropfen bei der Aufführung war für uns, dass oft zu viele TänzerInnen auf der Bühne herum wirbelten. Weniger wäre mehr gewesen.
Nachdem wir ausführlich gebeifallt hatten, fuhren wir Heim.
Kritiken der Anderen: Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Kulturradio, Zeit, Freitag
Meine Liebste bereitete mir ein schönes Geschenk.
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| Lorenzo Costa, Argo |
Monteverdi wählte eine schon damals bekannte Geschichte, so dass diese auch verständlich ist, auch wenn der Sprechgesang nicht ganz rüber kommt.
Während ihrer Odyssee betäubte er Feinde mit seinem Gesang und mit dem Klang seiner Lyra.
Diese wird wie ein Harfe gezupft.
Es könnte sein, dass den verklemmten Christen Satyr Vorbild für den Teufel war. Zwischen den Feiernden wuselte ein putziger Amor (Peter Renz) herum.
Die christliche Konstruktion Himmel und Hölle war noch nicht erfunden. Aber der Hades war wohl Vorbild für die Hölle.
Superheld Orpheus kann es nicht zulassen, dass ihm die Frau genommen wird. Mit Hilfe seines Gesanges gelingt es ihn ins Totenreich vorzudringen und Eurydike los zu eisen. Leider meint er sich nicht an die Bedingung halten zu müssen, sie während des Rückwegs nicht anzuschauen.
So kehrt er allein zurück. Seine Eitelkeit ist dadurch so sehr verletzt, dass es sich auf offener Bühne in dem kleinen Teich ersäuft, in den er am Anfang seine Spiegelbild betrachtete.
Liebe, Triebe und ein tragisches Ende, Monterverdi hat die Bonbonmasse gut zusammen gerührt.
Wir waren von der Inszenierung von Barrie Kosky begeistert. Das Bühnenbild, das Orchester und die DarstellerInnen zeigten hohes Niveau. Dominik Königer als Orpheus wurde seiner Rolle als göttlicher Sänger voll gerecht.
Ganz besonders hervorheben möchte ich die fantastische Leistung des Puppenspielers Frank Soehnle vom Puppentheater Tübingen.
Einziger Wermutstropfen bei der Aufführung war für uns, dass oft zu viele TänzerInnen auf der Bühne herum wirbelten. Weniger wäre mehr gewesen.
Nachdem wir ausführlich gebeifallt hatten, fuhren wir Heim.
Kritiken der Anderen: Berliner Zeitung, Tagesspiegel, Kulturradio, Zeit, Freitag
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