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spielen sterben leben

13.10.2013

Zum ersten Mal sah ich ein Stück des Jugendtheaterprojekts der Schaubühne. In leben spielen sterben von der Gruppe DIE ZWEIFACHEN wird die Frage aufgeworfen, was wir tun würden, wenn wir wüssten, dass unsere Tage begrenzt sind. Ein Tod verkündet wie wenig noch übrig bleibt.

Jedes mal, wenn er die neue Restzeit über Lautsprecher verkündet schrecken alle zusammen.
Diese dramaturgische Vorgabe wirft die Frage auf, was will ich noch tun, was habe ich versäumt, wenn ich noch einen Monat, eine Woche oder noch einen Tag zu leben habe.

Die Akteure, alle um die zwanzig Jahre alt, wagen sich trotz ihrer Jugend an diese Aufgabe.Und sie haben alles Recht dazu, denn jede / jeden, egal wie alt, kann es treffen.
Die sich verringernde Lebenszeit löst bei einigen Stress aus, andere bereiten sich in Ruhe auf ihr Ende vor.

Ich fand die schauspielerische Leistung der jungen Leute beachtlich. Wenn die sich so weiter entwickeln, braucht sich die Schaubühne um den Nachwuchs nicht zu sorgen.

Regie Uta Plate
Mit Alex Bäke, Halima Hashemi, Mahdiyeh Hashemi, Tahera Hashemi, Ikra Latif, Anna Maria Naujeck, Christoph Scherz, Jacqueline Waldmann, Noah Welcker, Annika Westphal, Benjamin Wöller, Samantha Yamoah.

Kritiken: Tagesspiegel

McSound

10.10.2013

In letzter Zeit will die Volksbühne weg von Image eines spröden und anstrengenden Theaters. Auch ich bin in den letzten Jahren einige Male verzweifelt während einer Vorstellung aufgestanden und gegangen. Wenn ich nach einer Stunde Zuschauen das Gefühl habe gar nichts verstanden zu haben, fühle ich mich verarscht.
Das erste Mal fiel mir die Veränderung im Spielplan auf, als ich dort Die (s)panische Fliege sah. Da gab es kein gestelztes Sprechtheater sondern eine humorvolle turbulente Komödie. Ich habe mich köstlich amüsiert. Doch im Nachhinein kamen mir Zweifel, ob mich so ein inhaltsloses Stück wirklich befriedigt.

Als ich Karten für das Schottenstück (Macbeth) gewann, wusste ich schon, dass mich eine Musikshow erwartete.
Eigentlich ist das Stück eine Tragödie um einen Provinzfürsten in Schottland, der durch seine machtgeile Frau dazu gebracht wird sich auf dem Königsstuhl zu morden.

Leider taucht diese Geschichte im Stück fast gar nicht auf und / oder wird dadurch noch unverständlicher, dass Macbeth auch noch isländischen Text spricht.
Zum Glück sagt und singt seine Frau ab und zu mal Sätze in Deutsch, so dass der rote Faden doch nicht ganz verloren geht.

Es wird aber vorausgesetzt, dass man / frau den Hintergrund kennt, ein wenig wie in einer italienischen Oper.
Neben dieser etwas dummbatzigen Idee ist das Spiel von Lady Macbeth hervorragend und der Musikeinsatz ist ein Parforceritt durch die Musikgeschichte.

Henry Purcell – The Queen´s Funeral March
Henry Purcell – Canzona
Arnold Schönberg – Suite für Klavier op. 25 Trio
Arnold Schönberg – Rote Messe
Ludwig van Beethoven – Come fill, fill my good fellow
Jón Leifs – Vögguvísa
Geoffrey Burgon – Nunc Dimittis
Johann Sebastian Bach – Passacaglia in C-Moll
Béla Bartók – Miraculous Mandarin
Johann Sebastian Bach – Partita II C-Moll BWV 826, Sinfonia
Pietro Locatelli – Cappricio
John Cage – Experiences No 2
Henry Purcell – Funeral Sentences
Henry Purcell – Thou knowest Lord
Cream – Strange Brew
Nina Simone – Tomorrow is my turn
Eugène Ysaye – 2. Sonate
The Shaggs – Philosophy of the World
Giovanni Battista Pergolesi – Stabat Mater
The Doors – Shaman´s Blues

Das ist eine tolle Zusammenstellung und die Musik kommt nicht vom Band. Alles ist live gespielt, zu mindestens gesungen. Die Vielseitigkeit und das Können der Agierenden kann ich nur bewundern.
Trotz der fast vollständigen Abwesenheit von Shakespeare verließ ich die Vorstellung nicht vorzeitig.

Kritiken der Anderen: Nachtkritik, Deutschlandfunk, TAZ, Berliner Zeitung

DarstellerInnen: : Thorbjörn Björnsson, Paul Brody, Marie Goyette, Gabriella Hamori, Jelena Kuljic, Sir Henry, Lilith Stangenberg und Nurit Stark
Regie: David Marton
Raum: Bert Neumann
Kostüme: Nina von Mechow
Licht: Frank Novak
Video: Jörg Sternberg
Ton: Klaus Dobbrick, Gabriel Anschütz
Dramaturgie: Thomas Martin, Barbara Engelhardt

Meret und Anish

02.10.2013

Wenn man / frau schon krank geschrieben ist, empfiehlt es sich auch an einem Wochentag Ausstellungen zu besuchen. So besuchten G. und ich den Martin-Gropius-Bau.

Meret Oppenheim
Man Ray, 1933
Erotique voilée Series
© Man Ray Trust, Paris
Im ersten Stock wurde ein Überblick über das Werk von Meret Oppenheim gegeben.
Sie war zwanzig als sie 1931 nach Paris reiste, um Künstlerin zu werden. Schnell kam sie mit den Surrealisten in Kontakt.
Als junge Frau mit wenig Hemmungen nutzten die Künstler sie gerne als Aktmodell. Doch schnell verabschiedete sie sich von dieser Rolle.
Sie war damit eine der wenigen Frauen, die sich unter den Männern künstlerisch durchsetzte.
Sie entwickelte einen eigenen Stil und schwamm sich von den männlichen künstlerischen Vorbildern frei.


Meret Oppenheim, 1968
Abendkleid mit Büstenhalter-Collier
Wie erfolgreich sie damit war, zeigt sich daran, dass das MoMA in New York bereits 1936 eine Arbeit von ihr kaufte. Dieses Werk, eine Tasse mit Untertasse und Löffel war komplett mit Fell bezogen, bildete die Grundlage für ihren Ruhm. Diese war in der Schau jedoch nicht vertreten.
Doch dafür war eine breite Auswahl ihrer Arbeiten zu sehen.
In der Ausstellung wurde ein Überblick über ihre gesamte Schaffensperiode bis zu ihrem Tod 1985 gezeigt.

Meret Oppenheim
Peperoni auf dem Wasser, 1938
Dabei waren Malereien, Skulpturen und textiles Gestalten. In allen Bereichen hat sie Besonderes geleistet.
Es gibt kaum eine KünstlerIn, die eine so breites OEuvre schuf.
Daneben verfasste sie dann auch noch tolle Gedichte.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis zum 6. Januar 2014.
Unbedingt hingehen und sich gründlich satt sehen!

The Death of Leviathan, 2013
Im Erdgeschoss wurde Anish Kapoor gezeigt. Ein international hoch gehandelter Skulpteur. Auch diese Ausstellung nahmen wir mit. Leider wirkten seine Arbeiten im Verhältnis zu denen von Meret Oppenheimer recht einfältig. Seine Werke sind zwar meist großformatig, doch die ästhetische Qualität ist gering.

Sein Leviathan, eine luftgefüllte Plastikfolie, die auch in einer anderen Form bei der Dokumenta IX 1992 gezeigt wurde, gehörte zu den besseren Werken. Überwiegend waren sonst Arbeiten aus rotem Wachs zu sehen. Diese rochen unangenehm chemisch und waren für mich ziemlich langweilig.


Nicht mal eine Kanone, die regelmäßig Wachs in einen Raum schoss, fand ich interessant. Wer die Ausstellung besuchen will, hat noch bis zum 24. November Zeit.