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Komm mit auf den Molkenberg

02.11.2013

Das jährliche Herbstfest im Gästehaus Molkenberg lockt regelmäßig die DorfbewohnerInnen aus ihren Hütten und die Berliner Freunde von den BetreiberInnen Klaus und Medi erscheinen auch immer wieder. Diesmal reiste ich mit I. an.
Unser angemietetes Auto diente uns als Kutsche.
Während der Anfahrt pausierten wir im Hofladen von Christian Lindner, der sich Bauer nennt, aber wohl nur in einem Bauernhaus wohnt. Einige von euch kennen ihn und seine leckeren Lammbratwürste vielleicht vom Winterfeldmarkt. Leider hatte er seinen Grill nicht angezündet, aber wir deckten uns mit fleischigen und gemüsigen Vorräten ein.

In der Molkerei angekommen bezogen wir unser Quartier.Wir stellten die mitgebrachten Beigaben, Schafskäsebouletten und Quiche, aufs Buffet. Danach halfen wir bei der Festvorbereitung.
Für die erwarteten ca. hundert BesucherInnen war noch Einiges aufzubauen.

Zum Abhängen bliebt dem Blogwart jedoch auch noch Zeit.
Dann trudelten die ersten MusikerInnen ein. Das Fest ist nebenbei auch deren Treffen. Sie kommen aus der Umgebung, hauptsächlich aus Rathenow. Oft sind es mehr als zwanzig, hauptsächlich aus dem Rock- und Bluesbereich. Sie spielten während der Nacht in verschiedenen Formationen.
Nachdem sie Instrumente und Verstärker ausgepackt hatten, waren die meisten BesucherInnen angekommen.

Gemeinsam verspeisten wir das reichlich bestückte Buffet und begannen den Getränkevorrat zu reduzieren.
Anschließend spielten die Bands auf und von den BesucherInnen schwangen viele dazu das Tanzbein.
Das Fest dauerte bis in den Morgen hinein.

Am nächsten Tag begleitete ich I. bei einem Rundgang durch das Dorf.

Zuerst schauten wir uns am Havelufer um. Eine eher träge Gesellin mit viel Raum, um über die Ufer zu treten.
Weshalb der durch den Film von Sergei Eisenstein berühmt gewordene Panzerkreuzer Potemkin dort im Winterquartier lag, erschloss sich uns nicht.
Wie, um zu beweisen, was Molkenberg für ein lebendiges Dorf ist, haben Kinder ein Ortsschild gemalt.
Der Ortskern war jedoch Sonntag Mittag nicht sehr belebt. 

Dafür kann die Kirche dort stolz vermelden, dass seit 2011 jedes mal Störche erfolgreich auf ihr gebrütet haben. Welcher Berliner Turm kann da schon mithalten.
Das Copyright für alle Fotos liegt bei Irmeli Rother.

Klassik im Museum

30.10.2013

Ob Jazz oder Klassik, das Musikinstrumenten Museum beim Potsdamer Platz bietet regelmäßig qualifizierte Klänge bei freiem Eintritt.
I. und ich besuchten ein Konzert der Reihe "Musik am Nachmittag". Diese findet alle 14 Tage immer Mittwochs mit noch relativ unbekannte Stars der Klassik Szene statt.
Auf der Bühne stand Natalia Ladstätter (Violine) und saß Daniel Serrousi (Klavier), zwei junge herrlich virtuose MusikerInnen.


Das Programm:
Wolfgang Amadeus Mozart, Sonate in A-Dur für Violine und Klavier, KV 526
Maurice Ravel, Tzigane
Johannes Brahms, Sonate Nr. 3 für Violine und Klavier in d-Moll, op. 108
Alle Stücke meisterten sie souverän und ihre Spielfreunde übertrug sich aufs Publikum.
Ein langanhaltender Beifall war der Dank.
Wer unter der Woche Nachmittags Zeit hat sollte die Gelegenheit nutzen im MIM Musik zu hören.

Das Copyright für alle Fotos liegt bei Irmeli Rother.

Wien <> Berlin

28.10.2013

Ernst Ludwig Kirchner, Frauen auf der Strasse, 1915
Welche Beziehungen KünstlerInnen aus Wien und Berlin von 1900 bis 1930 pflegten und was sie unterschied, arbeitet die aktuelle Ausstellung "WIEN BERLIN - KUNST ZWEIER METROPOLEN" in der Berlinischen Galerie heraus.
I. und ich hatten das Glück mit einer Gruppe von Dr. Ralf Burmeister, dem Leiter Künstler-Archive, dem Kurator der Ausstellung geführt zu werden. Dr. Husslein-Arco, die Leiterin des Wiener Museum Belvedere, Kooperationspartner der Ausstellung, führte eine zweite.

Franz Lerch, Mädchen mit Hut
1929 , © Belvedere Wien
Die Idee, die KünstlerInnen beider Städte zum Vergleichen nebeneinander zu stellen und dafür die Bestände aus Wien und Berlin zusammen zu führen, hat sich als genial erwiesen. Die klassische Moderne entwickelte sich in beiden Städten fast parallel, aber Berlin war eine quirlige Metropole, dagegen Wien eher gemütlich.

Egon Schiele, Eduard Kosmack, 1910
Das Nebeneinander zu betrachten führte zu neuen Sichtweisen und spannenden Erkenntnissen.
Die Abspaltungen bildender Künstler vom damals herrschenden Kunstbetrieb Berliner Session 1898 und Wiener Session 1897 entstanden ja fast gleichzeitig.

Mir fehlte jedoch die Information, dass die Münchner Session von 1882 das Vorbild von beiden Gruppen war.
Mit den Werken der Sessionisten beginnt die Ausstellung.
Bei den Wienern war Gustav Klimt und bei den Berlinern Max Liebermann der heute bekannteste Mitstreiter.
Die Sessionen lehnten den damals nicht nur in der Architektur bestimmenden Historismus ab.

Anton von Werner 1908
Die Enthüllung des Richard-Wagner-Denkmals
Ein gutes Beispiel für diese Kunst hängt im ersten Stock der Berlinischen Galerie. Auf dem Gemälde wird der deutsche Kaiser bei der Einweihung eines Denkmal gezeigt. Weitere Abgebildete sind damals vom Kaiser gut gelittene Personen. Es ist jedoch historisch verbürgt, dass die Einweihung nie so stattgefunden hat und der Gipfel der Auftragsarbeit ist, dass nachgewiesen werden konnte, dass mehrere Personen, die nicht anwesend waren, hinzu gefügt wurden. Dies konnte durch Fotos nachgewiesen werden.
Gegen diese verlogenen Hofschranzen rebellierten die Sessionisten.

Gustav Klimt, Johanna Staude
 1917/18
Der aus ihnen heraus sich entwickelnde vorherrschende Kunststil wurde, nach Jugendstil und Impressionismus, der Expressionismus.
In Berlin war Ernst Ludwig Kirchner und in Wien waren Oskar Kokoschka und Egon Schiele die bekanntesten Protagonisten.
Nach dem verlorenen imperialistischen ersten Weltkrieg brach der Feudalismus in Deutschland und Österreich zusammen.

Lotte Laserstein, Im Gasthaus
1927, © Studio Walter Bayer
Ein "weiter so" in der Kunst war danach nicht möglich. Dada und die Neue Sachlichkeit entstanden und prägten den Berliner Kunstbetrieb, während in Wien sich der eher unpolitische Kinetismus entwickelte.
Zeitlich endete der um die Jahrhundertwende beginnende Aufbruch der Kunst in Deutschland und Österreich, als die Bevölkerung der beiden Länder die NSDAP an die Regierung wählten.

Danach gab es leider nur noch gesunde kraftstrotzenden Männer und kräftige mütterliche Frauen in Museen zu schauen.
Im Video unter ist eine Einführung zur Ausstellung zu sehen, diese ist noch bis zum 27.01.2014 zu besuchen.