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Zeichnet Kunst Coupons

15.01.2015

Dass die finanziell prekäre Lage von KünstlerInnen kreative Ideen gebiert, ist folgerichtig.
Im Haus am Lützowplatz versuchte Erik Niedling unter dem Motto "Eine Pyramide für mich" endlich mal nicht mehr auf KäuferInnen für seine Werken zu warten. Er entwarf ein Projekt, bei dem man / frau für 35 Euro Anteilscheine an einer Pyramide erwerben konnten, in der er sich bestatten lassen will.
Ich war sehr skeptisch ob dies funktioniert.
Irgendwann saß er mit seinem Mitstreiter Ingo Niermann hinter einem Schreibtisch. Zu meinem großen Erstaunen setzten sich immer wieder neue KundInnen davor und erwarben Anteile.
Zum Ende der Performance waren wohl fünfzehn Coupons verkauft, 525 Euro umgesetzt. Nicht schlecht!



Das Setting wirkte professionell. Die Coupons waren eindrucksvoll und KäuferInnen erhielten eine angeblich beim Finanzamt absetzbare Quittung gestempelt und unterschrieben. Nur bei der Frage, ob und wie man das eingesetztes Vermögen zurück erhält, waren die Antworten der Künstler recht ungenau.

Aber darauf kam es vielleicht auch nicht an. Es war nur zu erfahren, dass der Wert des Anteilscheins sich jährlich verdoppelt, d.h. er ist hypothetisch in fünf Jahren 560 Euro Wert. In zwanzig Jahren sind dies 36.700.160 Euro.

Nachdem alle Kaufwünsche befriedigt waren, traten hintereinander zwei KünstlerInnen an den Schreibtisch. Beide sind mit ähnlichen Konzepten unterwegs und tauschen ihre Aktien gegen Pyramiden Coupons.
Ich sprach sie daraufhin an.
1. Georg Johann Geißelmann steckt hinter dem Dollar / Yuan / Euro Projekt. Er druckt seine eigene Währung, die er gerne gegen andere eintauscht. Er demaskiert damit den Popanz Geld und den Hype darum und nimmt damit hoffentlich so viel ein, dass es zum Lebensunterhalt reicht.




2. Doris Koch gibt Kochscheine aus. Wer diese zum Ausgabekurs von 35 Euro kauft, wird Teil des Kunstprojektes und ermöglicht der Künstlerin ein Leben als Künstlerin. Ein sympathisches Projekt. Man / Frau kann so, ohne sich die Wohnung mit Krempel vollzuhängen, mit einem kleinen Geldbeitrag Kreativität unterstützen.

Drei auf einen Streich

08.01.2015

Sogar im verschlafenen Steglitz blüht vereinzelt spannende Kultur. Nicht mal hundert Meter vom Händelplatz entfernt, dort bin ich aufgewachsen, befindet sich die Galerie der Moderne. Im Rahmen der aktuellen Ausstellung Wolfgang Leber (Malerei), Ludmila Seefried-Matejkova (Skulpturen) und Silvia Sinha (Fotos) fand dort ein Künstlergespräch statt.

Die Schöpferin der Skulpturen war leider nicht anwesend. Wir, I. + ich, erkannten ihre Arbeiten, gesehen hatten wir sie bereits in einer Jahrespräsentation des Künstlersonderbundes in den Uferhallen im Wedding. Sie waren mir schon damals positiv aufgefallen.
Der Maler wurde am Anfang in einem Video vorgestellt. Er studierte in den sechziger Jahren Malerei in Berlin und orientierte sich seit dem besonders am Stil Picassos.
In Lebers Werken sind die Körper ähnlich "verdreht".
Die Fotografin kennen wir von einem Atelierbesuch.
Sie ist eine Vertreterin einer eher abstrakten Bildtechnik.
Strukturen stehen bei ihr im Fokus.
Uns beiden gefällt dies gut.

Die ca. zwanzig TeilnehmerInnen an der Diskussion waren, wie wir, mindestens kurz vor der Rente und wie ich nebenbei erfuhr, meist keine SteglitzerInnen.
Das tat dem Gespräch keinen Abbruch.
Doch fiel mir wieder auf, dass Steglitz eigentlich eine Einkaufsmeile mit angrenzendem Wohnumfeld ist. Total langweilig, auch weil die BewohnerInnen überwiegend keinen Emigrationshintergrund haben. Das einzig Gute ist die Verkehrsanbindung, wer weg will, hat vielfältige Möglichkeiten zu verschwinden.

Töne die Geschichten erzählen.

06.01.2015

Weil die Liebste Urlaub hatte, konnte ich sie um 13 Uhr zum Lunchkonzert in die Philharmonie ausführen.
Unter dem Motto "Gedichte ohne Worte" spielte das ELSE ENSEMBLE in dem Foyer. Es hat den Namen von der Schriftstellerin Else Lasker Schüler abgeleitet.
Die Mitglieder sind Franziska Hölscher - Violine, Hed Yaron-Mayersohn - Violine,

Avishai Chameides, Viola, Daniela Shemer - Violoncello, Teddy Ezra - Klarinette, Mor Biron - Fagott, Caspar Frantz - Kavier, Naaman Wagner - Klavier.
Auf dem Programm standen ausschließlich lyrische Kompositionen aus der Zeit der Romantik von
Felix Mendelssohn Bartholdy:

- Konzertstück Nr. 1 f-Moll op. 113
- Lieder ohne Worte op. 102 Nrn. 1 und 4
- Klavierquartett Nr. 2 f-Moll op. 2
- Konzertstück Nr. 2 d-Moll op. 114

wir beiden
Die musikalische Qualität der Aufführung war hervorragend und dadurch, dass in jedem Stück andere Instrumente beteiligt waren, war die Klangfärbung sehr facettenreich.
Die kostenlosen Lunchkonzerte finden fast jede Woche statt (Genaues findet ihr im Programmkalender auf dem Blog) und sind recht gut besucht, deshalb ist es klug um 12 Uhr zu erscheinen, um sich einen Sitzplatz auf der Treppe zu sichern.
Wir waren leider etwas zu spät und mussten stehen.

Fotos © Irmeli Rother