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Machos und drei Chicas

06.02.2015


Der zweite Episodenfilm des Jahres und schon wieder ein Volltreffer. Dem argentinische Regisseur Damián Szifrón ist es gelungen unter dem Titel Wild Tales realistisch - fantastische Geschichten aus dem Alltag zu erzählen.
Sie heißen: DER REISENDE, DIE BRAUT, DER MAGNAT, DER EXPLOSIVE, DER FAHRER, DIE KELLNERIN UND DIE KÖCHIN.
Jede von ihnen ist mehr oder weniger makaber und böse. Nicht umsonst hat der spanische Kultregisseur Pedro Almodovar den Streifen produziert.
Eine Episode möchte ich euch vorstellen, die anderen sollt ihr euch selbst anschauen.
DER FAHRER: Es beginnt mit einem Yuppie, der in einem größeren Audi durch eine hüglige Steppenlandschaft gleitet. Als er einen älteren Kleinwagen vor ihm mit Lichthupe von der linken Fahrbahn vertreiben will, zieht dessen Fahrer mal nach rechts mal nach links und behindert ihn am Vorankommen.
Als er dann doch vorbeikommt, beschimpft er den Fahrer des Kleinwagens. Leider geht ein paar Kilometer weiter ein Reifen des Audi kaputt und er bleibt stehen. Der auftauchende Kleinwagen setzt sich vor das Fahrzeug und fährt im Rückwärtsgang gegen den Bug des Audi. Als der Fahrer aussteigt, beginnt ein Kampf der beiden Machos auf Leben und Tod.
Er endet damit, dass ein Polizeikommisar vor einem ausgebrannten Auto steht, die sich umarmenden verkohlten Leichen betrachtet und vermutet, dass es sich um ein Beziehungsdrama handelt.
Die anderen Geschichten sind ähnlich hart aber herzlich.
I. und ich empfehlen den Film uneingeschränkt.
Kritiken der Anderen: FAZ, Spiegel, Tagesspiegel. Münchener Abendzeitung,

Vergrößern bis die Pixel kotzen

01.02.2015

Foto Irmeli Rother
An den neuen Standort des Fotomuseums c/o Berlin lockte I. und mich besonders die Ausstellung zum Film Blow Up.
Ich fand den Film früher recht mittelmäßig. Für mich ist die Story zu flach und hauptsächlich eine Aneinanderreihung von geklauten Szenen aus dem Swinging London der sechziger Jahre.
London Sightseeing für Touristen.
Der Film Performance mit Mick Jagger in der Hauptrolle war für mich dagegen das Schlüsselwerk dieser Zeit.

© Tazio Secchiaroli
Trotzdem ist er ein Meilenstein in der Filmgeschichte der Fotografie. Es gibt nicht viele Filme, die einen Fotografen zur Hauptperson haben. Da er sich bei mindestens drei realen britischen Fotografen der Zeit bedient, ist er interessant.
Die Ausstellung ist auf alle Fälle sehr spannend.
Toll fand ich die Kombination von Filmausschnitten, Standfotos und den Fotos der realen Fotografen.


Die zweite Ausstellung im c/o zeigte Aufnahmen der Fotografin Lore Krüger. Sie war eine der großen weiblichen Fotokünstler am Ende der Zwischenkriegszeit. Sie war Antifaschistin und es gelang ihr die Flucht in die USA bevor die Häscher der Nazis sie in die Finger bekamen.
Sie studierte vorher in Barcelona und Paris Fotografie. In einer Zeit, in der diese begonnen hatte sich von den Fesseln der reinen Abbildung der Wirklichkeit zu lösen.

© Lore Krüger
Neben den eher abstrakten Werken erarbeitete sie soziale Reportagen und portraitierte.
Sie wurde zwar nicht von den Deutschen im KZ ermordet, wie einige Fotografinnen, die rassisch minderwertig waren oder / und sich im Widerstand befanden, aber es ist bezeichnend, dass sie erst heute wieder entdeckt wurde. Während die Nazionalsozialistin Leni Reifenstahl in der BRD ihre Karriere nach einem kurzen Einbruch als gefeierte Fotografin und Filmemacherin fortsetzte. In ihren Werbefilmen für die NSDAP erkannten "Kritiker" plötzlich eine revolutionäre Ästhetik.
Bei soviel geschichtlicher Verantwortungslosigkeit ist es nicht verwunderlich, dass heute Rassisten unter dem Mantel von Pegida ihren Schwachsinn verbreiten und die herrschende Politikerkaste an ihren Lippen hängt.
Punks mit einem Deutschland halt die Schnauze T-Shirt sind mir lieber.


Die dritte Ausstellung war mit Arbeiten von Niina Vatanen bestückt. Beyond the Visible Surface war der gewählte Überbegriff. Sie versucht mit der digitalen Überarbeitung von Fotos die Dinge unter der Oberfläche sichtbar zu machen.
Meist bearbeitet sie gefundene Privatfotos und fügte farbige Überblendungen hinzu. Naja... In einer Abteilung zeigte sie eigene Fotos, die ein wenig Mysteriöses ausstrahlten.
Diese fand ich ansprechender.

cold hunter, 2013
In einer Nebenausstellung wurden dann noch die Talente 30, eine Auswahl von jungen FotografInnen präsentiert. Diese werden vom c/o ausgesucht und im Haus gezeigt.
Dieses Mal waren es Hannah Peterson und Luise Schröder. Frau Schröder kannten wir aus Hamburg von der Ausstellung GUTE AUSSICHTEN − junge deutsche fotografie 2011/2012. Sie kokelt gerne alte Fotos ihrer Heimatstadt Dresden an und fügt sie zu Collagen. Damit will sie an den erfolgreichen Angriff alliierter Bomber am Ende des zweiten Weltkriegs erinnern.

Foto: Luise Schröder
Unsere Nachbesprechung fand im Cafe Hardenberg statt.

Foto Irmeli Rother

Liederliche Liedermacher

29.01.2015

Nicht alt, nur Schwarz / Weiss
Als Liedermacher noch nicht Songwriter genannt wurden, gab es im alten Westberlin in den siebziger Jahren mehrere Clubs, in den diese im halbstündigen Wechsel auftraten und ihr Können zeigten. Steve Club, GoIn und Folkpub erlaubten dem musikalischen Nachwuchs sich auszuprobieren. So manches Talent wurde damals entdeckt. Beppo Pohlmann, beschreibt ganz gut wie die Atmosphäre für Musiker in den Clubs war. Als Jugendlicher zog ich regelmäßig durch die Lokalitäten.

Weil einer von damals, der Gitarrist Sammy Vomacka, im Cafe Hardenberg aufspielte, hatten sich neben G. und mir viele MusikerInnen von damals eingefunden. Zwei, der Saxophonist Jo Kucera und der Sänger Tom Cunningham unterstützten ihn zeitweise.


Der Gitarrist spiele Fingerpicking Style, d.h. er hatte Metallzungen auf die Finger der Spielhand gesteckt, mit denen er die Seiten zupfte. Ragtime, Swing und Blues brachte er uns zu Gehör.

Das wegen des Konzerts gekommene Publikum waren überwiegend zottelige langhaarige alte Männer mit Bart. Gammler nannte sie die Springer Presse. Es war ihnen anzusehen, dass sie seit den alten Zeiten nur gealtert waren.
Auch die Erscheinung der wenigen Frauen erinnerten mich stark an wildere Zeiten.

Leider erinnerte die Beschallungsanlage auch an früher, Rauschen aus den Lautsprechern war gut zu hören.
Aber auch das Jüngere laut schwatzende, wohl touristische, Publikum rief in mir Erinnerungen hervor. In der Beschreibung Beppo Pohlmanns heißt es, dass es für die MusikerInnen entscheidend war, dass Auditorium musikalisch so zu überzeugen, dass es im Saal ruhig wurde.
Sammy Vomacka ist zwar älter geworden aber nicht mehr der Alte. Mittlerweile spielt er wohl meist vor andächtig Lauschenden.

So schimpfte der darüber, dass ein sich ein Teil der Anwesenden sich laut unterhielten.
- as times go by -
Doch sonst fand ich das Konzert Klasse, ganz besonders als die beiden Freunde mitspielten.
Das Cafe Hardenberg war ebenfalls eine Entdeckung für mich. Essen und Getränke sind gediegen und preiswert. Ein angenehmes Ambiente.