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Kunst ohne Scheiterhaufen

03.04.2014

Zum Glück lebe ich immer noch in einer relativ weltoffenen Stadt, so dass auch am Karfreitag Kunst gezeigt und musiziert werden darf. Las ich doch vorhin im Internet, dass irgendwo in Westdeutschland für das Zeigen von der Film Satire "Das Leben des Brian" am Karfreitag ein Gericht Menschen zur Zahlung von 300 Euro verurteilt hat. Das riecht nach verbrannten Hexen.

Am Nachmittag besuchte ich die Vernissage der Les Montmartrois de Berlin im Kulturhaus Schöneberg.
Diese ehemalige Schule findet ihr nah beim Winterfeldplatz in der Kyffhäuser Straße. Dort sind diverse Ateliers, das Theater Strahl und die Deutsch - Türkische Musikakademie untergebracht.
Die Musikakademie war der Gastgeber Veranstaltung. Werke der bildenden KünstlerInnen hingen auf zwei Etagen in den Fluren. MusikerInnen präsentierten ein Programm.

Die Montmartrois sind ein Verbund ohne klare künstlerische Vorgaben. Man / frau trifft sich und unterstützt sich gegenseitig. Dementsprechend wurden viele Kunststile gezeigt und auch die Qualität war sehr unterschiedlich. Ich konnte jedoch Vieles anschauen, ohne mich abwenden zu müssen. Die KünstlerInnen waren alle sehr freundlich und ich lobte nur das, was mir gefiel, sonst schwieg ich höfflich.

KünsterInnen deren Arbeiten mir auffielen

Zwenia
Die Vision der Lyse + Anna

Vielleicht etwas zu gefällig, aber technisch gut und phantasievoll
Abstrakt, aber farbig gut gelungen
Evelyne Frostl, Energy

Maria Wirth, Echo
Hübsch anzuschauen, aber ein wenig kitschig
Michael Jacot, Durchfluss 06
Die Arbeiten von ihm gefielen mir sehr gut.

In einem geöffneten Räume war dann noch ein leckeres Büfett mit Nahrhaften und Flüssigem aufgebaut.
So etwas stimmt milde, auch wenn die Kunst nicht immer so toll anzuschauen war.

Die nicht bildende Kunst im Nachbarraum überzeugte mich dann endgültig.
Drei Mal traten exzellente Profis auf.
- Der Gitarrist Loomis Green begleitete die mir bisher unbekannte Sängerin Susanna Bartilla. Eine tolle kleine jazzige Einlage.
- Ein weiteres Duo bildeten Vioala Livera und der Bassist Bernhard Schwark. Sie trug Lyrik vor, er improvisierte auf seinem Instrument und mit seiner Stimme.
Nepomuk Ullmann las aus seinen Werken.
Die Vernissage war insgesamt ein Augen- , Ohren- und Zungenschmaus.

Les Montmartrois de Berlin

Viel kurz kann lang werden

28.03.2015


Schon zum dreiundzwanzigsten Mal fand das Filmfestival Contravision statt. Dabei wählt das Publikum die Kurzfilme aus und kürt die GewinnerInnen der Auswahl.
I. und ich nahmen an der Endausscheidung im Kino Central teil. Das war spannend, auch ein wenig anstrengend. Wir sahen in sechs Stunden achtzehn teilweise recht lange Kurzfilme, aber machten nicht schlapp.
Manche ZuschauerInnen gaben schon um ein Uhr auf. Um drei Uhr füllten wir sogar noch brav unsere Stimmzettel aus, mit drei Kreuzen für die Filme, die uns am besten gefielen.
Eine kleine Auswahl stelle ich euch vor.

1. microphone, kareemok, kurdistan 2014, comedy, 09:05 min – kurdisch (engl. ut)
Nachdem ihr kleiner Junge aus der Moschee ein Funkmikrofon geklaut und damit über den Minarettlautsprecher singt, lernen sich der Imam der Moschee und die Mutter kennen.

Es werden zarte Liebesbande geknüpft, bezaubernd.

2.  roadtrip, xaver xylophon, deutschland 2014, road movie animation, 22:03 min – deutsch (engl. ut)
Was soll man als junger Mann in Berlin nur machen, wenn man nicht weiß, was man machen soll.
- Gut gezeichnet, die Story ist stimmig, unser Favorit!


3. chicken cube, renate pommerening und anna penkner, deutschland 2014, social spot, 02:46 min – deutsch (engl. ut)
Endlich gibt es die praktischen quadratischen stapelbaren Hühner.
Diese legen quadratische Eier.
- böse, klug und witzig -

4. namini bar ednas (drop by sometime), kosara mitic, mazedonien 2013, comedy, 14:02 min – mazedonisch (engl. ut)
Eine Spätiverkäuferin überwältigt einen Räuber und domestiziert ihn. Am nächsten Tag kommt er wieder, er hat Blut geleckt. Happyend!
- der Favorit von I.

5. gummifaust, marc steck, deutschland 2014, feuilleton splatter 08:55 min – deutsch (engl. ut)
Eine blödelnde Faust Interpretation eines Off-Theaters bringt einen Theaterkritiker in Rage. Am Ende ist er blutbesudelt und hat mit einem Messer die Schauspieler und Zuschauer getötet.

- feines Mitmachtheater 2.0 -

6. frag meine haare, von benjamin ludwig, berlin 2014, costume music video, 03:53 min – deutsch (engl. ut)
Das Musikvideo eines Rappers, während dessen er sich Stück für Stück von seinen Rastalocken trennen muss.
- ein kleines witziges Kammerspiel und musikalisch sehr ansprechend -

7. der könig nebenan (the king next door), von isa micklitza, deutschland 2014, comedy, 32:51 min – deutsch (engl. ut)
Ein etwas verwirrter älterer Herr ist in seiner Fantasie König und ernennt die neue junge Nachbarin zur Prinzessin.
- eine kluge Entwicklungsgeschichte -

Es gewann roadtrip von xaver xylophon. Durch den Abend geleitete uns ein süßes Moderatorenpaar.

© Irmeli Rother

Anna Karenina schlaflos

27.03.2015

Wow! Eine Theater / Tanz / Performance mit Musikbegleitung zum Hände rot klatschen. I und ich waren endlich mal wieder in den Sophiensaelen und sahen und hörten Curtain call - eine Verbeugung vor dem Publikum.
Judith Rosmair und Uwe Dierksen bilden das Ensemble. Sie ist die Schauspielerin und er der Musikus.

Auf der sparsam mit Podesten bestückten Bühne lag am Anfang Frau Rosmar und gab eine Schauspielerin kurz vor der Premiere von Anna Karenina. Eine Geschichte um eine verheiratete Frau in Russland, die sich in einen Offizier verliebt, Mann und Kind verlässt und dafür mit ihrem Leben bezahlen muss.
Die Schauspielerin soll diese Rolle spielen, hat Angst dem nicht zu genügen und leidet ob dem an Schlaflosigkeit. Dadurch befindet sie sich in einem Zwischenreich. Mal geht die Fantasie mit ihr durch, mal versucht sie krampfhaft einzuschlafen.

Sie wird vom Malstrom ihrer Gefühle davon gerissen, in dem sie sich in ihre Rolle als Anna Karenina versetzt, sich in ihre Mutter einfühlt, die an einem Gehirntumor starb und sich in Verliebtheit zum männlichen Hauptdarsteller hineinsteigert.
Alle die Stimmungen begleitet der Musiker kongenial, teilweise am E-Piano, teilweise nah an ihr dran.

Wir waren total begeistert und klatschten uns die Hände wund. Ein rundum genialer Theaterabend.

© Irmeli Rother
Die beiden sind aber auch hochkarätig. Der Regisseur Johannes von Matuschka hat aber sicher auch zum gelungenen Theaterabend beigetragen.

Kritiken der Anderen: Tagesspiegel, TAZ,