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Sonntagsspaziergang und drei mal Kunst

12.04.2015

Sonntag will die Liebste immer spazieren gehen, manchmal latsche ich mit. Irgendwie ist es mir fremd meine Gehwerkzeuge ohne Ziel zu gebrauchen. Aber wenn die Liebste es so will.. So durchquerten wir den Tiergarten.
Zum Glück fanden dann in der Bülowstraße 90 noch drei Finissagen statt, die entschädigten mich für das erlittene Leid.

1. Berlinutte Art Space

Drei italienische Künstler stellten unter dem Motto "Neapolitanfire" aus. Dabei waren UldericoGiò Di Sera aka Don Rispecto und A-Morale.
Insgesamt war das Ausgestellte recht trashig. Aber auch irgendwie typisch italienisch, zumindest was die Vorstellung der eigenen Manneskraft angeht.
Anscheinend ist darauf nicht nur Berlusconi stolz, dem Künstler genügt es nicht nur harte große Eier zu haben, es müssen auch noch drei sein.

Wie sagte meine Mutter so klug: "Hochmut kommt vor dem Fall.


Die oben zu sehenden Materialcollagen fand ich zu einfältig, eher was für einen von Touristen besuchten Kunstmarkt.
Spannend fand ich nur eine Arbeit, wo kleine ca. DINA6 große Collagen mit roten Fäden verbunden waren.




Hier wurden Videos von Merit Fakler und Gemaltes von ter Hell gezeigt

Bilder von ter Hell wurden hier schon öfter ausgestellt.
Bisher fand ich seine Kunst nicht sehr überzeugend. Seine Arbeiten sind für mich eine schlechte Kopie derer von Jackson Pollock.
Logischerweise stehen KünstlerInnen immer in der Tradition ihrer Vorfahren, aber etwas mehr eigenen Stil erwarte ich trotzdem.

Im Gegensatz dazu boten die vier Videos von Merit Fakler optisch Interessantes. Sie gefielen mir gut. Besonders eines, in dem Fahrstuhlfahrten und die Blickwinkel aus der und in die Kabine eine Rolle spielen. Hier ist das Werk einer professionellen Videoarbeiterin zu sehen. Leider ist dieser Film nicht im Internet zu finden, so kann ich euch nur drei Szenenfotos zeigen.

Sehfahrt © Merit Fakler 1999, 7 min

3. Freies Museum in Cooperation mit SAVVY Contemporary

Unter den Titel "DEVOUR! SOCIAL CANNIBALISM, POLITICAL REDEFINITION AND ARCHITECTURE" wurden im ersten Stock über dem Museum hauptsächlich längere Videos gezeigt.
Dabei ging es um soziale Kannibalisierungsprozesse.
Wir sahen den Film Africa Shafted aus Südafrika über das höchste Gebäude in Johannesburg, das Ponte City. Es ist 173 Meter hoch,  kreisrund und sollte mit seinem Innenhof nach den Ideen der Architekten eine Stadt in der Stadt werden.
Leider liegt es im Stadtteil Hillbrow, der als einer der gefährlichsten des Landes gilt. So wohnen im Haus nur noch Menschen mit geringem Einkommen, darunter viele Emigranten aus dem Rest von Afrika.
Die Videomacher interviewten BewohnerInnen im Fahrstuhl. Das war interessant, aber machte nicht richtig Laune in das Haus einzuziehen.
Der Film zeigte, dass eine asoziale Architektur asoziales Verhalten produziert.
Werden in einem Haus mehrere tausend Menschen in Apartments untergebracht, entsteht nicht automatisch nachbarschaftliches Verhältnis. In Ponte City funktioniert das Leben nur mit Kontrollen und Überwachung.
Aber der Profit für die Kapitalgeber wird gesichert.



Danach hatten wir nicht die Muße noch weitere Videos anzusehen.

Alle Fotos bis auf eines © Irmeli Rother 

Kunstvideos, fast ein Dutzend

07.04.2015

Videos in Dauerschleife in der Galerie Tanja Wagner. Alle wurden mit einem Abspielgerät gezeigt und so dauerte die Vernissage über zwei Stunden. Wir wurden dabei mit Bier und Wasser versorgt und es gab zum Glück Sitzgelegenheiten.
Drei etwas arrivierte KünstlerInnen präsentierten ihre Werke.

1. Anna Witt

1. The Birth, 2003, SD video, colour, sound, 10:44 min.

2. Push, 2006, SD video, colour, sound, 6:00 min


3. Hoheitszeichen, 2012,HD Video, color, sound, 5:20 min.
Intervention an Campingplätzen am Wolfgangsee



4. Empower Me! 2007, SD video, colour, sound, 38:26 min.



Filmisch waren die Arbeiten eine Zumutung, einfach nur die Kamera draufhalten reicht nicht. Sogar der Ton war undeutlich. Leider waren auch die erzählten Geschichten recht läppisch.
Im vierten Film werden Freiwillige gebeten ihre Wünsche auf ein Schild zu schreiben. Dann sitzen sie mit verbundenen Augen vor der Kamera und eine Terroristin mit Holzgewehr eingekleidet à la ISIS "bedroht" sie. Gähn!!! Das Anschauen ist verschwendete Zeit.

2. Sejla Kameric

1. Untiteld / Daydreaming, 2004, SD video installation, color, sound, Endless loop, 5:23 min.
2. What do I know, 2007, Four channel video installation, color, surround sound, 15:48 min.


3. Glück, 2010, 16 mm film transferred to HD and 2K DCP, 18:28 min., color, sound



Diese Videos hatten filmische Qualität. Zu sehen waren tolle Bilder ohne hektische Schnitte. Außerdem kann die Künstlerin gut erzählen. Im dritten Film holt eine Frau mit Kanistern in Neukölln Wasser von einer Pumpe. Da dachte ich sofort an die Wasser holenden Frauen im eingeschlossenen Sarajevo.

3. Ulf Aminde

1. straße ist straße und keine konzeptkunst, 2007: - 21,34 (the silent piece), 21:34 min


2. the law (5. and it doesn`t matter who the artist is), 02:00 min

3. der reale rest (symptom), 03:28 min

4. lust, 2007, 11:43 min



Bei diesen Arbeiten beschlich mich das Gefühl, dass der Künstler gerne Menschen vorführt. Die Protagonisten, die er herausgreift, kann man als Arme bezeichnen. Die muss man nicht lächerlich machen.
Da ist zum Beispiel seine Cousine, die offensichtlich psychische Probleme hat und in einer zugemüllten Wohnung mit einem Hasen lebt. Wenn er schon unbedingt einen Film über sie machen muss, würde ich ihr das Gesicht unkenntlich machen. Ihn scheint es nicht zu interessieren, dass sie so als Person kenntlich wird. Ich finde seinen Ansatz asozial.

Zu sehen ist die Videothek noch bis zum 24.04.2015 jeweils Donnerstag bis Samstag von 11 - 16 Uhr.

Das Copywrite der Standfotos liegt bei den Videomachern.

Kunst, Fisch, Theater

2015.04.04

Wir machten eine Tagesausflug nach Potsdam.

Als Erstes lag die Sperl Galerie auf unserem Weg.
Sie war uns schon vom letzten Potsdamrundgang bekannt, sie lohnt immer wieder den Besuch. Das Haus ist eine modernistische Hässlichkeit, wie sie in den siebziger Jahren in Ost und West gebaut wurden. Zusätzlich ist es heruntergekommen und so das Gegenteil von einladend. Innen sind die großen hellen Räume wie geschaffen für die Präsentation von Kunst. Auch große Formate finden hier Platz.


Das Ehepaar Sperl betreibt die Galerie seit kurz nach der Einverleibung der DDR und Herr Sperl trägt auch augenzwinkernde Werke wie die Fleischwölfe oben bei.
Frau Sperl war anwesend und wusste auch zu erzählen, wie das Kunstwerk links entstand. Das Paar hat die riesigen Hummerscheren von einem befreundeten Koch bekommen und ihr Mann hat sie kreativ verarbeitet.
Zu vermuten ist, dass er sich selbst und seine Frau dargestellt hat.

Neben der Verkaufsausstellung auf der Empore sind auch immer wechselnde KünstlerInnen zu bestaunen.
Diesmal zeigte Hans Scheurerecker Gemaltes.
Viele seiner Werke ließen sich durchaus im Aufklärungsunterricht, Thema äußere Organe des Frauenunterleibs, einsetzen,
Uns gefielen seine Bilder.

Bis zum 31.Mai 2015 könnt ihr sie noch sehen.

Als sich dann der große Hunger meldete, gingen wir ritualhaft ins Fischrestaurant Butt. Dort wurden wir immer gut bedient und geschmeckt hat es immer prima.
Die Liebste bannte ihr Mahl auf die Platte, wie es die FotografInnen Anfang des letzten Jahrhunderts sagten und taten.

Nach einem Spaziergang zur Verdauung trafen wir am Hans Otto Theater an der Schiffsbauergasse ein, dem imposanten Neubau an der Havel.
Der Namensgeber Hans Otto war ein Kommunist und Schauspieler, der 1933 von der deutschen SA ermordet wurde.

Das Haus und die Umgebung ist sehr fotogen. Meine Fotografin knipste sich rund um das Gebäude den Zeigefinger wund. Zum Glück hat sie eine Digitalkamera.
Den Weltuntergang am gegenüber liegenden Ufer ließ sie sich natürlich nicht entgehen.
Bis zur Auferstehung.

Im Theater staunten wir nicht schlecht über die gelungene Inneneinrichtung. Es ist auch innen ein tolles Haus.
Im Foyer schlürfte ich noch einen Roten und wartete auf den Gong und dem Beginn des Schauspiels.
Die Romanvorlage von Leo Tolstoi, Auferstehung, kannte ich bisher nicht

Aber Tolstoi hat auch ziemlich viel geschrieben.

In dem Stück erkennt ein Adliger bei seiner Tätigkeit als Schöffe in der Angeklagten die Frau, die er als junger Mann geschwängert hatte. Er fühlt seine moralische Schuld, trennt sich von seinen Gütern und folgt ihr in die Verbannung.
Um den Roman zu verstehen, muss man wissen, dass viele Angehörige der russischen Oberschicht um die Jahrhundertwende verstanden hatten, dass die widerliche Zarendiktatur ihrem Ende entgegen dämmerte. Einige Adlige verschenkten ihre Güter, Studenten gingen aufs Land, um die Bevölkerung zu bilden und anarchistische Zellen erschossen so manchen Blutsauger.
Diese aufgeladene Atmosphäre spiegelt sich auch im Roman Auferstehung wieder.

Das Ensemble des Stücks transportierte den Stoff gelungen auf die Bühne.
Von Petersburg ging es turbulent ins Straflager. Zwölf Schauspieler bewältigen das Kunststück sich in 56 Rollen zu verwandeln und den 600 Seiten Roman umzusetzen.
Besonders die weibliche Hauptrolle, Meike Fink als Katharina Maslowa, bezauberte uns.
Mit der drei stündigen Inszenierung von Auferstehung waren wir fast vollständig einverstanden.

Die Kritiken der Anderen: Kulturradio, Potsdaner Neuste Nachrichten, Süddeutsche Zeitung, Märkische Allgemeine

Alle Fotos bis auf eines © Irmeli Rother