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Am Ende der 48 Stunden

16.06.2013

Am späten Sonntag Nachmittag, aber nicht zu spät, suchten wir Kunst beim Festival 48 Stunden Neukölln.
Den ersten Stopp machten wir in der Galerie Michaela Helfrich in der Herrfurthstraße. Von der Galeristin wurden wir freundlich begrüßt und tranken auf dem Trottoir erst mal einen Kaffee.

Drinnen hing eine Ausstellung unter dem Motto: "Die Hirschkuh säugt den Tiger" von Franziska Fennert. Es waren Motive aus dem hohen Norden.
Doch die Bilder wirkten etwas kitschig und erinnerten an naive Kunst.
Sie entsprachen leider nicht unserem Geschmack.


Unsere nächste Station war die Galerie in der ehemaligem Kesselhaus der Kindl Brauerei an der Werbellinstraße. Die hatten wir schon früher ob der hohen Räumen besonders ins Herz geschlossen.

Das Motto über dem Eingang fand sich kaum in der Halle wieder.
Leider spielten die Objekte wenig und ich durfte beobachten, wie ein Künstler versuchte sein sich bewegendes Objekt zu reparieren, aber genervt aufgab. Nur die im Raum verteilten spiegelnden Kugeln machten was her.

Weiter ging es ins Atelier Schlaf mit Kunst in die Richardstraße. Dort hatte in der Nacht zuvor wohl eine heftige Party getobt, in allen Ecken standen viele leere Flaschen und der Künstler sah noch sehr verschlafen aus.
In dem Atelierhaus wollte eine / einer überhaupt niemand sehen. Mir gefiel die Türsperre recht gut, kann euch jedoch den Namen des / der Urheberin nicht nennen.
Im offenen Raum war Holzkunst zu sehen.

Zum Teil erinnerte mich die Figuren an die Steinsäulen der Osterinseln.
Diese Skulptur war zwar hübsch anzusehen, aber überzeugte künstlerisch wenig.
Sonst stand noch ein Ruderboot mit einer komplizierten Mechanik herum,  Berühren Verboten  stand dran.

Richtig begeisterte uns die Gruppenausstellung zum Thema Perspektivwechsel im ehemaligen Rixdorfer Umspannwerk. Das Haus ist ein interessantes, leer geräumtes Fabrikgebäude. Die Räume sind nur notdürftig hergerichtet und haben einen morbiden Charme.
Von Außen betrachtet ist das Gebäude in der Richardstrasse jedoch gut erhalten.
Wie ich erfuhr, zieht dort am 10. August das Kunstlabor Savvy Contemporary ein.
Wir wünschen eine gute Kunstauswahl.

Besonders gefielen uns die Fotos auf Leinwand von Ulrich Heemann.













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Bei einer Malperformance nahmen wir Platz und schauten Sandie Brischler dabei zu, wie sie zum Klang von Musik eine große Leinwand bemalte.
Zwischendurch wechselte sie die Pinsel, blieb aber bei der Farbe schwarz.
War sie am Ende der Leinwand angekommen, drehte sie um und malte in die andere Richtung.
Das tat sie eine viertel Stunde vor unseren Augen, doch an der Menge des Gemaltem war zu sehen, dass sie davor schon fast drei Stunden unterwegs war.

Am Ende stand sie fröhlich lächelnd vor ihrem Werk. Kunst scheint doch glücklich zu machen ;-)

Später zogen wir weiter zur Kunstschmiede Richardplatz und genossen Kaffee und Kuchen. Auf dem Weg über die Weserstraße zum Hermannplatz entdeckten wir zwar einige Galerien, jedoch nichts Berichtenswertes.

Das Motto der 48 Stunden Neukölln "Hier ist Kunst" hat sich jedoch überwiegend bewahrheitet.

Wieder unterliegen alle Fotos dem Copywrite von Irmeli Rother.

Galeriegeburtstag

!5.06.2013

Jimmie Durham, 2009
The Doorman
Zuerst besuchte ich die Tanas Galerie. Dort wurde eine Vorauswahl der Arbeiten gezeigt, die danach in Istanbul während der Biennale zu sehen sind.
Am Eingang begrüßte mich ein etwas unvollständiger Mann mit einem wenig einladenden Gesicht. Sein Körper wurde aus Schrott gebildet. Das machte ihn auch nicht sympatischer.
Zuerst sah ich mich alleine um, muss aber leider sagen, dass mir kein Kunstwerk richtig gut gefiel. Die letzten Ausstellungen bei Tanas boten Spannenderes.

Alicja Kwade, 2013
Hubwagen
Doch ich war ja auch zum Kunstdialog gekommen und die sind dort immer interessant. Diesmal nahm Alicja Kwade als Künstlerin teil. Diese war mir aus dem Boros Bunker mit vergoldeten, gestapelten Briketts in Erinnerung geblieben. Ihre verdrehten Arbeitsmaschinen bezauberten mich. Sie ist eine nette junge Dame mit genialen Ideen.

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Nach Kaffee und Keks bei Tanas traf ich die Liebste in Schöneberg beim Geburtstagsfest der Galerie forma:t. Drei Jahre ist diese nun alt und neben der Kunst ist sie auch für spannende Vernissagen bekannt. Ich wünschte alles Gute und hoffe, dass wirtschaftlicher Erfolg die Galeristin Morena Waßmann begleitet.
Das Wetter spielte mit, so dass die Würste auf dem Grill nicht nass wurden und wir die längste Zeit draußen im kleinen Hof sitzen konnten.
Am Grill ein Künstler.

Anscheinend ist Daffke Hoffmann auch ein begabter Grillmaster, er wirkt auf dem Foto zwar etwas verschlafen, aber die Würste waren lecker. Sein Künstlerkollege Jaume Munoz ist ganz offensichtlich gierig darauf. Am Tisch saß auch Daffkese Mutter und verriet mir böse Streiche ihres Jungen.

In der Galerie gab es eine Bar und durch das Fest wuselte eine wahrscheinlich nicht ganz echte Dame, die Lose für eine Tombola mit Kunstwerken verkaufte. Da ich auf´s Gewinnen abonniert bin, kaufte ich ein paar Lose. Als dann die Galeristin zusammen mit der Dame die GewinnerInnen bekannt gab, war ich dabei.

Peter Hengst, Alte Dame 2
Der Preis war ein von KünstlerInnen aus Washington bezaubernd gestaltetes Kartenspiel.
Im Freien schwatze ich noch etwas mit Peter Hengst über sein Heimatland die Niederlande, seinen Malstil  und musste mal wieder seine Bilder loben.
Neben abstrakter Kunst liebe ich nämlich auch den Realismus. Den Streit darum, welche Richtung die wirkliche Kunst ist, kann ich leider nicht nachvollziehen. Kunst muss nur gut sein und mir gefallen.

Am Realismus liebe ich seine künstlerische Qualität, an der Abstraktion die künstlerische Freiheit.

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Auch weil wir es nicht weit hatten, radelten wir zum Schwul / Lesbischen Motzstraßen Fest. Viele Stände waren mir von anderen Straßenfesten her bekannt. Dazu kamen hier jedoch Organisationen, die speziell zum Thema arbeiten. Und besondere Angebote, die durchaus auch für Heteros / Heteras spannend waren.

Modell Bärenzunge
Unter dem etwas doppelbödigen Motto: "Erlebe die Kraft der Natur" bot der Odenwalder Familienbetrieb WaldMichlsHoldi " in leidenschaftlicher Handarbeit" gefertigte Vibratoren aus Holz an. Jedes Spielzeug ist ein Unikat und auf Wunsch sind Sonderanfertigungen möglich. Wer etwas Besonderes sucht, wird auch Online ab 100 Euro fündig. Alles aus nachwachsenden Rohstoffen.

das erste Kölsch

27.05.2013

Wir erreichten Köln mit dem Zug. Wie - als wenn es der Tourismusbeauftragte erdacht hatte - baute die Stadt damals den Dom direkt neben dem Hauptbahnhof. Wir fanden uns also zwischen div. Gruppen mit FührerInnen wieder.
Sogar ein römischer Offizier stand etwas verloren herum.

Ob er von den 425 n.Chr. abziehenden Besatzungstruppen vergessen wurde? Die haben sich damals nach Süden zurückgezogen.
Wir setzten uns in ein Café, ich genoss das erste Kölner Kölsch und staunte über die Menschenmassen.
Danach fuhren wir über den Rhein in den proletarischen Teil von Köln. Die Fabrik der Kriegsgewinnler Klöckner- Humbold- Deutz dominierte früher die Gegend. Kalk heißt der Stadtteil, in dem unsere Ferienwohnung lag.

© K. Finks
Dort waren auch die Zwangsarbeiter in Lagern untergebracht, die in der Fabrik arbeiten mussten. Heute sind in dem Bezirk viele "Gastarbeiter" wohnhaft.
Nah der Fabrik in Deutz befand sich auch das Außenlager Messe des KZ´s Buchenwald.

In dem wurde für die KölnerInnen gut sichtbar gefoltert und gemordet. Viele Häftlinge wurden im Stadtgebiet für die Bombenentschärfung und die Leichenbergung eingesetzt und starben dabei.
Der Neubau, in dem wir untergebracht waren, beherbergt 228 Miniwohnungen. Ein grässlicher Kasten, den man / frau am Besten aus Distanz betrachtet. Die Wohnung war jedoch zum Schlafen einigermaßen erträglich, lud jedoch nicht zum Verweilen ein.

So zogen wir nach dem Abstellen der Koffer wieder los. Zu Fuß überquerten wir die Deutzer Brücke (437 Meter) und bewunderten den breiten Vater Rhein. Dass die Herrschaft über diese Wasserstraße zwischen den Bourgeoisien Frankreichs und Deutschlands umkämpft war, ist ersichtlich.

Am anderen Ufer erreichten wir den Heumarkt. Der ist ein altstädtischer Platz und auch wegen der anliegenden Brauhäuser beliebt. Auf ihm steht ein Reiterstandbild des Blutsaugers Kaiser Wilhelm, das die  Stadtverordneten 1970 renovierten und nicht abrissen.

Auch weil der Kaiser uns seinen Rückenpartie zuwandte, ließen wir den Arsch links liegen.
Gegen unseren Traum, den sonnigen Abend mit Blick auf den Rhein zu verbringen, hatte sich leider die Erdekugel verschworen. Hätten wir den Globus umdrehen können, wäre das Ufer, an dem wir saßen, sonnenbeschienen gewesen. Trotzdem war der erste Besuch in einem Brauhaus angenehm. Wir besetzten Plätze auf der Terrasse des weiß- roten Hauses und ließen uns das Pfäffgen Kölsch schmecken.

Dazu aßen wir unseren ersten Schweinebraten in Biersoße mit Rotkohl und Klößen. Zusammen mit dem Rheinblick war das das Richtige für den Ferienauftakt.
Als es dann kühler wurde, wechselten wie die Lokalität. Im Walfisch, in einer hübschen alten Kölsch Kneipe, setzten wir unsere Erkundung der Biermarken fort.

Diesmal war es Sünner Kölsch.
Die kleinen 0,2 Liter Gläschen werden ob ihrer zylindrischen Form Stangen genannt.
Im Walfisch lohnt es sich umzusehen. Die Einrichtung ist wohl nicht so alt wie das Haus, aber trotzdem sehr trutzig.
Hier kann man / frau auch sehr lecker essen.

Ein wenig angetüttelt verließen wir die Kneipe und entdeckten beim Heimweg ein riesiges Geschäft für Karnevalskostüme. So wurden wir daran erinnert, dass in Köln während der tollen Tage der Teufel los sein muß.
Die im Foto zu sehenden Hippieklamoten hatten es mir besonders angetan.

Bin ich jedoch in meiner Jugend mit ähnlich grässlichem Outfit unterwegs gewesen. Was fand ich mich damals chic, eine solche Erinnerung sorgt dafür, dass ich die heutige Jugend selten wegen Klamotten kritisiere. Wenn einer / eine mit verschlissenen Turnschuhen im Winter durch die Pfützen stapft, halte ich mich wohl besser zurück.

Alle nicht namendlich gekennzeichneten Fotos sind von Irmeli Rother.