Dieses Blog durchsuchen

Flughafen, Flughafen

17.09.2013

Die Eröffnungsparty der Berlin Art Week wollte ich nicht missen.
Leider tauchte auch noch der etwas trottelige Berliner Bürgermeister auf und dachte, er findet ein dankbares Publikum. Schließlich steht seine Senatskanzlei fast auf jedem Programmheft als finanzieller Unterstützer.

So meinte er wohl viele Claqueure zu finden.
Doch verschenkt er ja nicht das eigene Geld, sondern er verteilt Steuergelder. Ähnlich wie er nicht seine eigenen Millionen in den Flughafen Klaus Wowereit versenkt hat.
So standen nur wenige Menschen vor der Bühne und klatschten sehr sparsam. Auch ich ging nur vorbei.
Konnte es mir jedoch nicht verkneifen zweimal laut Flughafen zu rufen, was ihm sichtlich peinlich war.

Doch es gab auch Spannendes auf dem Fest, das sich schnell füllte. Auf der Auguststraße gab es Stände mit Futter und Getränken und alle Galerien waren geöffnet.

Dritte Schwester, 2012
J. + und ich besuchten zuerst den Me Collectors Room. Thomas Schütte übersandte "Schöne Grüsse", von ihm war Gemaltes und Skulpturen zu sehen.
Thomas Schütte kannte ich bereits aus Köln. Dort liegt von ihm ein spiegelnder Frauenakt vor dem Museum Ludwig und im Figurengarten befindet sich eine Steinfigur.

o. T. 1992
Beide Arbeiten gefielen mir sehr gut.
In der Ausstellung im Me war ich von den Werken nicht durchgängig begeistert.
Die von ihm grob geformten Großskulpturen erinnern mich an Michelin Männchen und ich fand sie ausdruckslos.
Vom Gemalten erschien mir auch nicht alles gelungen. Gerade die großflächigen Farbbilder fand ich recht langweilig.
Doch den übergroßen Kopf 'dritte Schwester' aus Stein oben fand ich bezaubernd, auch die Dame auf dem Bild links gefiel mir.

Die Galerie Weißer Elefant war unsere nächste Schaustelle. Astrid Köppe stellte dort aus. "Pareidolia" darunter verstehen Psychologen ein verbreitetes Phänomen, in völlig abstrakten Dingen und Mustern vermeintliche Gesichter und vertraute Wesen oder Gegenstände erkennen zu wollen.

Eigentlich beschreibt dies nur Phantasien, ohne die Menschen kaum kreativ wären.
Auch KunstbetrachterInnen würden ohne Phantasie nur Fettecken sehen.
Die Kugeln auf der Tapete wären dann auch überflüssig und könnten weggeputzt werden.
Astrid Köppes Arbeit gefiel mir.

Holger Bär, Park, 2009
Weiter zogen wir in die Galerie Deschler. Unter dem Motto "Painting Water" war eine Gruppenausstellung zu sehen.
Diese mal ein schwachsinniges Motto, zwar gab es einige Bilder, in denen Wasser dargestellt war, aber nur ein paar.
Aber ich entdeckte zwei Bilder, die mir besonders zusagten.

Xenia Hausner, ÜberLeben, 2011
Leider wurde es überall immer voller. In den Galerien herrschte ein fürchterliches Geschiebe.
Trotzdem ich sah noch diese herrliche Arbeit.
Wieder fehlte das Wasser, doch die beiden Frauen machten auch nicht den Eindruck, als wenn es ihnen gerade fehlt.
Auch draußen auf der Straße wurde es eng. Denn Versuch in die Kunst Werke zu gelangen, brachen wir ob der langen Schlangen vorm Eingang ab.

So standen wir noch ein wenig herum, dann strebte J. Heim und ich versumpfte noch etwas im Clärchens Ballhaus.




Kunst schaut auf Kranke

15.09.2013

Was tun, wenn man / frau sonntagnachmittags Hummeln im Hintern hat, das Fahrrad mit den Hufen scharrt und der kleine Kunsthunger kommt, da fährt man / frau ins Krankenhaus.
Das nächste ist zum Glück nicht weit.

Im langen Hauptgang des Benjamin Franklin Klinikums hingen im Rahmen der Ausstellung "Kunstvisite" bestimmt hundert Werke recht lieblos an der Wand. Um Geld zu sparen, nutzte das Haus leider nicht entspiegelte Rahmen.
Trotzdem lohnt es sich, wenn sowieso ein Aufenthalt im Krankenhaus ansteht, den dort zu planen, denn bis zum 30. November hängen die Bilder.
Vielleicht liegt ja auch Jemand / Jefrau dort, dann bitte beim Besuch eine halbe Stunde für die Kunst einplanen.

Was uns gefiel und nicht zu sehr spiegelte, haben wir für euch geknipst.
Wenn ihr manchmal unseren Schatten seht, ist nicht unsere Schuld.

Wer hier vergessen wird, hat wenigsten was zu schauen
Karin Flora Hirsch, Familien Bande "Was sich liebt, das neckt sich"
Wolle, Seide, gefärbte Maulbeerseide
Karen-Kristina Block-Thieß
In Wirklichkeit erkennen wir nichts, denn die Wahrheit liegt in der Tiefe. Demokrit
Fidels Daughter
Plusminus = Error =
Unberechenbar

Andreas Schoelzel, Da hat einer seine Schäfchen
nicht rechtzeitig ins Trockene gebracht
Maria Luise Morales Torres
Espera

Ulrike Schmidt
Die sechzehn Kleider der
Maria Sybilla Merian
Frank Roters, Bicentenario (zweihundertjährig)
Ulrike Kleinloh
Motel Aglou - Marokko
Regine Marx
Briefe aus Jaffna
Nele Probst, Luftballon
Rolf Steinhausen, 2 braune Häuser
Manchmal könnte ich heulen, ob der vielen guten Künstler, die zu wenig Aufmerksamkeit erfahren.

Russischer Sandmann

14.09.2013

Dieses Mal bestimmt eine russische Kulturnudel das Abendprogramm.

1. Galerie Sandmann

In diesen Ausstellungsräumen werden Werke russischer KünstlerInnen gezeigt. Dieses mal, der so genannten zweiten Avantgarde, die nach dem Ende der Stalinzeit 1955 begann die Fesseln des Sozialistischen Realismus abzustreifen. Sie bauten dabei auf die Kunst der dreißiger Jahre auf und wollten sie weiterentwickeln. Leider wurde jedoch die offizielle Kunstpolitik nur kurz geöffnet. Es dauerte nicht lange, dass die KünstlerInnen der zweiten Avantgarde in den Untergrund gedrängt wurden.

Ein Sammler, der nicht genannt wurde, hat in der Zeit von 1965 - 1983 deren Werke gesammelt und Ausgewähltes aus dieser Zusammenstellung wurde gezeigt.
Unten seht ihr drei Werke, die mir besonders gefielen.

Das Markenzeichen des Künstlers sind Spielkarten. Diese finden sich in allen seinen Bildern.
Hier hat er in Ermangelung von Leinwand Karton bemalt.
Die zugefügten Narben beeindruckten mich.
Vladimir Nemukhin, Pasyans, 1982
Dimitri Krasnopevtsev
Komposition, 1967
Diese Bild brachte mich auf den Gedanken, dass der Künstler 50 Jahre ohne Außeneinflüsse gefangen war und nach der Freilassung genau in dem Stil weiter malte wie zuvor.  
Eine kleine Zeichnung mit Witz.
Hätte der Künstler den Strahl der Dusche nach unten gelenkt, die Zensur hätte ihn geliebt. Witziges findet jede Diktatur gefährlich.
Ilja Kabakov, 1979
Unter der Dusche
Die Austellung ist noch bis zum 16. November zu sehen.

2. Skazka Orchestra
Das Wort Skazka bedeutet in Russisch Märchen, ist aber in diesem Fall auch ein Wortspiel mit dem in ihm enthaltenen Wort Ska, denn die Band spielte viel Ska. Die hüpfenden Fans brachten den Richardplatz in Neukölln zum Schwingen. Eine tolle Band, schaut selbst



3. Buchladen Nimmersatt
Den Abschluss des Abends verbrachten wir Bier trinkend im Kinderbuchladen Nimmersatt in der Dieffenbachstraße und schauten Videos eines russischen Künstlers. Auf Nachfrage, was "unsere" Raupe Nimmersatt mit Russland zu tun hat, erklärte frau mir, dass hinter dem Geschäft ein Multikulti Paar steckt.
Als ich dann im Internet erfuhr, dass "unsere" Raupe im Orginal „The Very Hungry Caterpillar“ hieß, musste ich mal wieder feststellen, dass was ich für deutsches Kulturgut halte, oft gar nicht so deutsch ist.
Der nette kleine Laden ist auf alle Fälle einen Besuch wert.