Dieses Blog durchsuchen

Jazz bei de Ossis

11. - 13.9.2020



Die Jazzwerkstatt Peitz war und ist ein kleines feines Festival am Rande des Spreewalds.

Im Peitz sagen sich sonst Fuchs und Hase um 20:00 Uhr gute Nacht, nur Radwanderer tauchen hier auf, denn das Städtchen liegt am Gurkenradweg. Neben einer Festungsanlage hat es nur Karpfenzucht und einen direkten Blick auf die nahe gelegene Dreckschleuder Braunkohle Kraftwerk Jänschwalde. In Peitz stinkt es jedoch selten. Die gemeine "gemeine" PeitzerIn sagt so nett: "hier herrscht meist Westwind, das Gift landet dadurch in Polen."

Zu DDR Zeiten hieß das Treffen im Volksmund "Woodstock am Karpfenteich". Es kamen zeitweilig bis zu 3000 Musikfreunde in das Nest. Die Veranstaltung lief von 1973 bis 1982, bis sie irgendwie der DDR Führung zu suspekt wurde. Deren Verfolgungswahn war ja legendär.

In der DDR Zeit spielten dort neben einheimischen MusikerInnen viele internationale Stars dort auf.
2011 wurde die Festival wiederbelebt, in sofern ist es mit der 57sten Ausgabe etwas geschummelt, aber gut.

Ich habe das Glück eine begeisterungsfähige Frau zu haben, die dazu noch eine Wohnung in Peitz besitzt. So genossen wir drei tolle Tage Jazz vor Ort.

Das erste Konzert war bereits ein Highlight und fand in einer Kirche statt. Kit Downes zauberte an der Orgel ungewöhnliche Töne und Sebastian Gille überzeugte mit Saxophon Klängen.

Zwischen diesem und den weiteren Auftritten fand meist ein Ortswechsel, Distanz max. 100 Meter, statt. So verzögerten Umbaupausen den Ablauf nur wenig und für Frischluft war gesorgt. 

Am Wochenende genossen wir noch siebzehn weitere Konzerte, die Auswahl gefiel uns bis auf Ausnahmen sehr gut. Die einhundert Euro, die wir pro Nase bezahlt hatten, amortisierten sich.

Zum Abschluss spielte am Sonntag zum Frühschoppen die Insommia Brass Band aus Berlin auf. Eine der wenigen Acts mit jüngeren MusikerInnen. Insgesamt hielt sich der Altersdurchschnitt sowohl des Publikums als auch der Auftretenden so um die Siebzig. Wir passten zwar gut dazu, aber mehr junges Blut währe angenehm.

 Leider war während des Festivals jeweils nur ein Bratwurst- und Getränkestand aufgebaut, für uns als "Einheimische" entstand kein Versorgungsproblem, aber die Angereisten hatten hoffentlich Proviant dabei. Denn die örtliche Gastronomie ignorierte das Festival, wie es auch die Bevölkerung tat. Insgesamt fühlte man / frau sich als BesucherIn so, als wenn wir am Freitag aus fernen Galaxien angereist waren. Am Sonntag Mittag bestiegen wir das Raumschiff dann, um im nächsten Jahr zurückzukommen.

Ein paar fotografische Impressionen vom Festival:






Griechische Antiquität in Flugzeughangar

 03.10.2010


Ein Abend mit Antigone von Sophokles (geschrieben ca. 500 Jahre vor Null). Eigentlich ist die Geschichte schon etwas abgestanden, trotzdem versuchte das Staatstheater Cottbus sie aufzuhübschen.

Das heutzutage ein König seine Tochter umbringen lässt, weil sie den verfemten Bruder anständig beerdigen will, ist aktuell wohl am ehesten noch in Saudi Arabien möglich. Weshalb das Stück deshalb als Beitrag zum Jahrestags der Einverleibung der DDR geeignet war? Obwohl in einem Video Schnipsel des AfD-Nazi Höcke zu sehen waren. Auch Demonstranten aus der DDR die "Wir sind das Volk" riefen tauchten im Video auf. Nun gab es im Original Stück von Sophokles am Ende keinen Volksaufstand, nur ein fürchterliches Gemetzel unter der Herrschaftsfamilie in Theben. Und die Moral von der Geschichte war wohl, dass Ödipus mit seiner Mutter Sex hatte und damit die daraus hervorgegangene Adelslinie zum Untergang verurteilt war. Wie davon der Bogen zu der trottligen Führung des "Arbeiter - und Bauernstaats" gezogen werden sollte, erschloss sich mir nicht.
Das Lenin mit seiner Mutter Stalin gezeugt hat, erscheint mir zu unwahrscheinlich.


Antigone Neuropa wurde als eine szenische Lesung mit Live Musik Begleitung konzipiert. Aufgepeppt mit Video und Tanzperformance. Das war spannend anzusehen und zu hören. Leider war das Nebeneinander der Performance und der Rezitatoren teilweise nicht glücklich abgestimmt, oft liefen sie unkoordiniert nebeneinander her. Wohin gegen die Musiker gut mit den Texten und den Tänzern kooperierten.

Insgesamt waren meine Begleitung und ich mit dem Abend zufrieden, auch weil der Ort der Aufführung, einem ehemaliger Hangar des Militärflughafens Cottbus, sehr ansehnlich ist. 



Konzert auf dem Dach

 15.08.2020

Wenn ich zu Konzert ins Haus der Kulturen komme, gehe ich auch gerne vorher in das Restaurant in Gebäude, denn es ist am Ufer der Spree gelegen. Bei gutem Wetter bezaubert mich der Blick auf die vorbei fahrenden Dampfer immer wieder. 
Die Weltwirtschaft dort ist das erste Restaurant im Haus, das ich dort erlebe, in dem die Küche ziemlich professionell betrieben wird.
Meine Begleitung speiste Osso Bucco und ich Boudin Noir, alles schmeckte sehr lecker. Es lohnt sich auch den Kellner nach Tagesgerichten zu fragen.

Im Anschuss stiegen wir auf Dach des Hauses, um dem Konzert von Christiane Rösinger zu lauschen. Sie ist eine alte Häsin im Berliner Musikleben, seit sie 1988 mit vier anderen MusikerInnen die Lassi Singers gründete.

An diesem Abend sang sie eigene Lieder und wurde von einer Frau an der Gitarre begleitet.
Stimmlich fand ich den Auftritt nicht so überzeugend, aber darauf kommt es nicht immer an.
Im Vordergrund stehen bei ihr die Poesie der Texte. Und sind die richtig gut.


Nur für Erwachsene

 24.08.2020


Radio 1 ist einer der "Hauptstadtsender", im Sommer bieten er Sendungen live, in diesem Jahr unter Hygiene Bedingungen Umsonst und Draußen im Sommergarten des Franz Club.

Im den zwei Stunden Programm stellte der Sender die Band hackedepicciotto und Hilmar Klute mir seinem neuen Roman Oberkampf vor.

Das Duo Axelander Hacke und Danielle de Picciotto erzeugte spannende Klänge mit Obertongesang, Gitarre, Drehleier, Hackbrett, Geige und Elektronik Equipment. Sie spielen seit zwanzig Jahren gemeinsam und überzeugten durch ihre Live Präsenz.









Im Anschluss wurde gelesen. Oberkampf ist ein Stadtteil von Paris und dort treffen ein junger und ein alter Schriftsteller aufeinander. Alles vor dem Hintergrund der Al-Qaida Morde vom 7. Januar 2015. Ein kluger und sprachlich gewandter Roman.










Kritiken zum Buch: Deutschlandfunk, Berliner Woche, Lesen macht Glücklich

Jazz auf dem Dach

 08.08.2019


By Dirk Ingo Franke - Own work, CC BY-SA 4.0,
 https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=40591177









Seit ein paar Jahren findet die Reihe "Jazz on the roof" regelmäßig im Cafe Haberland statt. Das befindet sich auf den Dach des U-Bahnhofs Bayrischer Platz. Ein hübscher Platz im sonst etwas verschlafenen Bayrischen Viertel.

Kuratiert wird die Reihe von zwei Kennern der Berliner Jazzszene. Das Cafe sorgte für corona kompatiblen Musikgenuss.

Diesmal an den Instrumenten:
Atrin Madani - vocals
Stefan Grütter - gitarre
Carmelo Leotta - kontrabass

Alles exzellente Musiker und das Zusammenspiel war sauber, doch mir war die Musik zu cafehausmäßig.

Der iranisch stämmige Sänger sang zwar sehr kraftvoll, doch auch mit viel Schmalz in der Stimme.

Aber was beschwere ich mich, ich saß schließlich in einem Cafehaus. 

Am 11. September findet das nächste Konzert in der Reihe statt. Reservieren ist klug.

Fotografische Aufmerksamkeit

 07.08.2020

Angelika Bröhan benennt ihre Ausstellung "Beiläufige Aufmerksamkeit". Dabei nähert sie sich alltäglichen und nicht so alltäglichen Dingen mit einem nicht alltäglichen Blick. So z.B. in der Serie Festplätze. Dort zeigt sie nicht die bunte Frontseite der Geschäfte, in ihrem Foto ist die Rückseite mit den Versorgungsleitungen abgebildet.















Viele Fotos erinnern an Urlaubs Postkarten, doch so ein Urlaubs Idyll aus der Serie Orte zeigt im Vordergrund Bauschutt und eine Mülltonne?















Angela Bröhans Blicke mit Einblick könnt ihr noch bis 5. September in der ep.contemporary bei mir um die Ecke in der Pohlstr. 71 bewundern. Öffnungszeiten bitte erfragen.

Hier wird Kunst gebunkert

 01.08.2020

Die Immobilie, die jetzt das Sammlerehepaar Boros besitzt, ist ein Hochbunker an der Reinhardstrasse 20 in Mitte. Leider konnten die alliierten Bomben die Konstruktionen nicht sprengen, doch so überlebten in diesem bis zu 4.000 BewohnerInnen der Reichshauptstadt das unrühmliche Ende der deutschen Träume von der Weltherrschaft.

Nach Intermetzi als Lebensmittel Lager in der DDR und als Technoschuppen nach der Übernahme der DDR erwarben die Boros 2003 das Gebäude.

Foto: Boros Collection, Berlin © NOSHE
Sie ließen sich ihr Penthaus als 5. Stockwerk aufs Dach setzen, brachen darunter Decken heraus, so das einige Räume über drei Stockwerke entstanden, ideal für großformatige Objekte. 

Ich freue mich spannende Kunst in spannender Umgebung sehen zu können. Sammler sind zwar die Lebensrettung für viele Künstler, haben jedoch oft ihren Reichtum mit dubiosen Mitteln zusammengerafft.

Gut, die Familie Boros ist nicht so ein Schweineverein wie die Deutsche Bank, die nur zum Image-Gewinn sammelt, Sie zeigen ihre Kunst öffentlich, aber irgendwie ist mir das Sammlertum doch suspekt.

Eröffnet 2008, werden im Bunker im vier Jahres Wechsel Ausstellungen gezeigt. In der aktuellen sahen wir Werke von   Martin Boyce, Andreas Eriksson, Guan Xiao, He Xiangyu, Uwe Henneken, Yngve Holen, Sergej Jensen, Daniel Josefsohn, Friedrich Kunath, Michel Majerus, Fabian Marti, Kris Martin, Justin Matherly, Paulo Nazareth, Peter Piller, Katja Novitskova, Pamela Rosenkranz, Avery Singer, Johannes Wohnseifer.

Yngve Holen, zwei Hater, 2016, Foto: Boros Collection, Berlin © NOSHE











Katja Novitskova, Pattern of Activiation, 2014, Foto: Boros Collection, Berlin © NOSHE










Im Gegensatz zu meiner ersten Ausstellung bei Boros fehlte mir meist die Poesie in den Arbeiten. Mag sein das dies daran lag, das nur drei KünstlerInnen dabei waren. Zumindest Katja Novitskova wusste mich zu bezaubern.

Piano, Piano

 02.08.2020

Wessen Ohren Klaviermusik höhrenswert finden, wird in dem kleinen aber rustikalem Piano Salon Christophorie oft gut beschallt. 

Am Tage wird die Fabrikhalle für die Restauration von Flügeln und Klavieren genutzt, Abends werden Stühle aufgestellt, damit alle die Musik sitzend genießen können. Das Repertoire ist meist klassisch mit einsprengseln der klassischen Moderne.
Viele KünstlerInnen nutzen den besonderen Ort sehr gerne. Während des Ohrenschmaus wandert der Blick auf die Werkzeuge und auf die Klavier Ersatzteile, die an den Wänden hängen.  


Diesmal spielte der noch recht junge Pianist Karim Said unter dem Thema "Fantasien und Tänze"  auf. 


Vertreten waren Stücke der Komponisten Bull, Byrd, Chopin, Morley, Mozart, Schoenberg und Tomkins. Eine Bunte Mischung also.

Wir erklatschten noch eine Zugabe, etwas von Schumann.
Bemerkenswert fand ich, das er alle Stücke frei, nicht vom Blatt spielte.

Die Auswahl der Auftretenden im Salon ist sehr hochwertig, online vorbestellen ist auch wegen Corona sinnvoll.


Hinter Plexiglas

25.07.2020

Die Improspieler von den Gorillas sahen wir im Ratiobor Theater in SO 36. Improvisiert, sprich auf Zuruf vom Publikums, zu spielen ist, ist eine Herausforderung. So z.B. wenn das Thema Grimms Märchen sind, und jemand aus dem Zuschauerraum fordert das Rotkäppchen und der Wolf ein Paar werden sollen, dann stehen die Schauspieler vor der Aufgabe dies umzusetzen.
Die Gorillas sind dabei sehr professionell, sie haben langjährige Erfahrung.

"Das Stück" das wir schauten hieß"Großstadtseelen" und es spielten Luise Schnittert, Barbara Klehr und Felix Raffel musizierte.
Die zwei Frauen schlüpften in verschiedene Rollen, mal Mutter, mal Tochter, mal Dessous Verkäuferin.

Sie sinnierten über Körbchengrößen und Gott und die Berliner Welten.
Der Abend war unterhaltsam.
Leider spielten sie hinter einer Plexiglas Scheibe, man/frau konnte ihnen zwar etwas zurufen, doch so richtige Improtheater Atmosphäre kam dabei nicht auf.
Impro hinter einer Scheibe ist wie ein Fisch auf dem Land.
Coronna Hygienemaßnahmen sind oft blöd.
Unten mal ein Beispiel für ein Stück der Gorillas ohne Plexiglas.


Schrecken mit Ende

12.02.2020

Das Tagebuch der englischen Autorin Sahra Kane bietet keine zusammenhängende Handlung. Ist eigentlich auch kein Theaterstück, sondern die Beschreibung ihrer psychischen Krise durch depressive Schüben bis hin zu ihrem Selbstmord.
Deshalb wollte ich euch während des Aufkommens von Covid19 nicht mit meiner Kritik an 4.48 Psychose im Deutschen Theater belästigen.
Die Szene auf der Drehbühne ist schnell beschrieben, eine Band spielt laute stampfen Musik und die SchauspielerInnen stampfen auf rollenden Laufbändern. Und der Text den sie vortragen geht stark an die Nerven. Damit gelang der Aufführung ein Drittel der ZuschauerInnen aus dem Saal zu treiben. Aber sicher nicht wegen der mangelnden Qualität der Aufführung.
Ich selbst war auch froh als das dreistündige Stück vorbei war, ich habe selbst Erfahrungen mit Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen, war aber anderseits begeistert über die Leistung der SchauspielerInnen und MusikerInnen und natürlich des Regisseur Ulrich Rasche.
Unbedingt anschauen, auch wenn es nah geht!


Kritiken der Anderen: Freitag, FAZ, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, RBB24,

Zärtlichkeiten in Lieberose

28.06.2020

Das kleine Nest Lieberose im Spreewald hat auch für mich eine besondere Bedeutung. Vor drei Jahren verliebte ich mich dort im Schloss beim Besuch der Rohkunstbau in meine Frau.

Ein Jahr später ehelichte ich sie dort im Rathaus.
In diesem Jahr besuchte ich nun zusammen mit ihr die aktuell 25. Ausgabe der Rohkunstbau Ausstellung. 
Zum Jubiläum stellen ausschließlich KünstlerInnen aus, die schon einmal dort mit Werken vertreten waren.
Motto: „Zärtlichkeit. Vom Zusammenleben“
Rechts seht ihr uns als zärtliches Paar in der Arbeit "Andere Bedingungen Aggregatzustand" von Alicja Kwade.

Unter den KünstlerInnen sind auch noch weitere bekannte Namen zu finden:
Thomas Rentmeister, Via Lewandowsky, GODsDOGs (Britta und Ron Helbig), Alicja Kwade, Bettina Pousttchi, Bjørn Melhus, Leiko Ikemura, Thomas Scheibitz, Christiane Möbus, Gregor Hildebrandt, Michael Sailstorfer, Julian Rosefeldt, Karin Sander, José Nogueros,  Olga Chernysheva, A.K. Dolven, Ayşe Erkmen, Thomas Florschütz, Gregor Hildebrandt,Ola Kolehmainen, Yehudit Sasportas.
Beeindruckend, die ausgebuddelte Laterne von Via Lewandowsky mit dem Titel "Alles was der Fall ist"

Im Hof sah ich dann nochmal die Angetraute durch die Spiegelröhre von Alicja Kwade, benannt "Megasubstanz"

An den parkenden Autos mit B-xx xxxx war zu sehen, die Ausstellung ist ein Touristenmagnet.

Aber irgendwie auch ein Fremdkörper in der Provinz. Das ist gut an den Öffnungszeiten zu erkennen. Schulklassen werden kaum am Wochenende kommen.
Eintritt frei für Schulklassen und kostenloser Bustransfer wären eine gute Lösung.
Leider ist auch für AusflüglerInnen der Besuch am Wochenende mit dem ÖPNV ein Problem. Lieberose hat keine Bahnanbindung, von Cottbus her gibt es zwar einen Bus (21) aber...
Trotzdem lohnt der Besuch der Rohkunstbau 2020.
Der Eintritt beträgt 10 € pro Nase.

Geöffnet ist die Ausstellung vom 27. Juni bis 20. September, Samstag und Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Spekulanten, Nazis und Widerstand in Kreuzberg

17.06.2020

Endlich wieder im Kino und sogar open air.
Wir sahen die "Känguru Chroniken", die Verfilmung eines Buches / Hörbuches mit Kult Charakter. Ich kannte die Vorlagen nicht und Komik im deutschen Film, da bin ich vorsichtig.
Aber ich hoffte das gut Wetter und die nette Begleitung trösteten mich über einen möglicherweise schlechten Film hinweg.
Doch meine Vorurteile wurden durch die Realität überzeugend überstimmt.
Es gibt sie doch, die deutschen Filme mit Humor.
Die Geschichte:
Bei unserem Helden, einen etwa 35jährigem Salon-Anarchisten und Lebenskünstler, wohnhaft in einem Altbau irgendwo in Kreuzberg klingelt ein Rotes Riesen Känguru (Macropus rufus). Diese Gattung erreicht die Höhe eines ausgewachsenen Menschen. Es fragt nach ein paar Eiern, es sagt es will Pfannkuchen backen und ihm fehlen Eier. Etwas genervt gibt ihm unser Held diese und hoffte wieder in seinem Bett ruhe zu finden. Störungen vor Sonnenuntergang gefallen ihm wenig.
Doch nach einigem hin- und her und kurze Zeit später ist das Känguru bei ihm eingezogen. Es hat seine Hängematte aufgehängt und eine Karl-Marx Büste aufgestellt, es ist schließlich überzeugter Kommunist.
Das Spiel kann beginnen.


Ich gebe zu, dass der Film keine fundierte Analyse über das Verhältnis Mensch <> Känguru zu bieten hat, aber unterhaltsam ist er allemal.


Endlich wieder!

25.05.2020

Portrait Lee Mingwei
Foto: Matteo Carcelli
Nach Monaten der Abstinez endlich wieder Kunst.
Im Martin-Gropius-Bau sah ich mit einer Freundin die Werke von Lee Mingwei, er stellt sie unter dem Titel Geschenke und Rituale aus.
Vielleicht war es ja nur lange Abwesenheit der Kunst, die uns die Ausstellung so begeistert aufnehmen ließ, aber ich glaube sie ist ganz nach meinem Geschmack.  . 
Zum einen sind die dahinter steckenden Geschichten persönlich, aber allgemein interessant und dazu sind seine Ideen sehr spannend aufbereitet.
Da viele seiner Arbeiten das Thema Frieden umkreisen, ist es eigentlich kein Wunder das das Bild Guernica von Picasso in der Ausstellung einen zentralen Platz einnimmt.
Er hat es auf dem Boden des Innenhofs aus Sand nachgebildet.
Ist doch die erste Zerstörung einer kompletten Ortes durch Bomben ein bedeutendes Ereignis des letzten Jahrhunderts. Die deutsche Luftwaffe war verantwortlich für dieses, ihr erstes Kriegsverbrechen nach dem ersten Weltkrieg.

Foto: Laura Fiorio

In einem Video war zu sehen, wie wohl die "Zerstörung" des Sandbildes, zum Ende der Ausstellung von statten gehen soll. Dann werden vor Publikum HelferInnen mit Besen die Farbsegmente vermischen.
In den Seitenräumen rund um den Innenhof stellt der Künstler dann einzelne Ereignisse und die daraus entwickelten Ideen vor.
So zum Beispiel hatte Schuberts Lieder Zyklus ihn in einer schweren Stunde sehr berührt. Also lässt er uns dadurch an seinem Gefühl teilhaben, dass jeweils einzelne BesucherInnen von SängerInnen zu einem persönlichen Liedvortrag eingeladen wurden. Auch mir ist das passiert.

Foto: Martin Gerhard

Das hat mich sehr angerührt.

Wegen dem Virus fiel leider eine weitere Performance aus, Für die Teilnahme daran hätte ich mich gern beworben. In dem unten zu sehenden Schlafzimmer konnte man / frau eine Nacht mit dem Künstler im Museum verbringen. Das Ziel von Lee Mingwei dabei war Geschichten aus dem Leben der ausgewählten Personen zu erfahren, am besten bis Morgen um acht Uhr, wenn der Museumsbetrieb wieder aufgenommen wird. Wer also eine ruhige Nacht verschlafen wollte, war hier sicher fehl an Platz.

Foto: Laura Fiorio

Nochmal, ich kann euch die Ausstellung mit ruhigem Gewissen ans Herz legen. Sie läuft noch bis zum 12. Juli, also sputet euch, aber nehmt euch Zeit zum Betrachten.

Jazz, weiblicher und wieder schwärzer

10.02.2020

Nerija sind sieben auf einen Streich aus GB. Sechs Frauen, ein Mann - fünf Schwarze und zwei Weiße.
Sie sind Teil der gehipten Jungen Jazzszene aus Großbritannien.
Mit den vier Blechbläserinnen entstand ein sehr präsenter Sound.
Bei ihrem Auftritt im Maschinensaal der Kulturbrauerei stellten Sie ihr neues Album Blumen vor.

Wer fette Jazzklänge mag, dem sei dieses von mir wärmstens empfohlen. Leider ist die Europatour beendet, ihr könnt nur hoffen das die Gruppe wieder nach Berlin kommt.

"Ich kann keine Kunst mehr Sehen"

23.01.2020

Durch eine Postkarte mit dem Motiv links entdeckte ich Timm Ulrichs. Mir als Kulturnudel machte es Spaß diese an Freunde und Bekannte zu verschenken.
Den Künstler dahinter entdeckte ich erst später.
Der ist oft zu scherzen aufgelegt und seine Kunst lässt sich schlecht in eine Richtung einordnen, aber ein wenig DaDa und Fluxus steckt schon drin.
Man / frau tut ihm wohl nicht ganz unrecht, ihn als verrücktes Huhn zu bezeichnen.
Als Autodidakt konnte er der Kunstwelt lange wenig abgewinnen und diese ignorierte ihn lange. Doch er schuf sich einen solchen Namen, dass er zum Professor an einer Kunsthochschule berufen wurde.
Oft nutzte es sich selbst als Leinwand, diverse unter öffentlicher Beteiligung  gestochenen Tatoos künden davon. Er begreift sich als Gesamtkunstwerk.
Der Anlass um über ihn zu berichten ist der Käthe Kollwitz Preis 2020, der ihm von der Akademie der Künste verliehen wurde. Ganz verstehe ich jedoch nicht weshalb. Käthe Kollwitz war eine politische Künstlerin, die die sozialen Verhältnisse unbarmherzig anprangerte.
Aber die Arbeiten von Timm Ulrich sind schon spannend und das das Lebenswerk des inzwischen achtzig Jahre gewordenen Künstlers gewürdigt wird, ist außer Frage richtig.


Auf alle Fälle denkt gelingt es ihm tiefer in Dinge hinein zu sehen. Oben stellt er seine verbrauchten Farbbänder seiner Schreibmaschine aus. Als ein Datenarchiv der besonderen Art.

Er schaut besonders gut hin, das auf der von mir täglich genutzten Qwertz Tastatur das Wort WERT versteckt ist habe ich erst durch ihn realisiert.
Als er bei der Pressevorstellung auftrat, hatte der alte Herr aber etwas von einem Grantler. Besonders gerne erzählte er schmuddlige Geschichten über Joseph Beuys. Sprach dabei der Neid aus ihm? Künstler hacken wohl doch gerne Künstlern die Augen aus.

Schwindelgefühle

14.02.2020

Wenn man / frau schon mal in Stuttgart weilt, ist der Weg zum Kunstmuseum nicht weit.
Vorher, beim Bummel durchs Zentrum, stellte ich fest, dass das Provinznest tres chic ist. Die ansässigen Autokonzerne scheinen so viel Geld in die Stadt zu spülen, das Stuttgart eher reich und prüde erscheint.
Aber die Ausstellung unter dem Titel: Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520-1970 ist durchaus sehenswert.

Die Op Art lässt sich als eine Kunst definieren die Optische Effekte in dem Mittelpunkt stellte. In den Sechzigern des letzten Jahrhunderts entstanden, war sie damals neben der Pop Art die beherrschende Kunstrichtung.

In vielen Werken ist der Einfluss von östlichen Moden wie Meditation (Mandalas) und psychedelischem Erleben durch Rauschmittel (LSD) nach zu spüren.
Viele Arbeiten verwirren das Auge und können Schwindel (Vertigo) auslösen.
Doch auch in der Zeit vorher experimentierten KünstlerInnen mit optischen Effekten.
Die Ausstellung ist noch bis zum 19. April täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr anzusehen.

Roboter auf die Bühne

28.12.2019

Die freie Theatergruppe Rimini Protokoll ist für ihre innovativen Stücke bekannt. Diesmal setzte sie ein Roboter als "Ersatz" für dem Schriftsteller Thomas Melle auf die Bühne. Sein Replikant sieht ihm von vorn sehr ähnlich. Das Gesicht ist aus Silikon gegossen, er ist mit identischen Kleidern angezogen und durch geschickt programmierte Schrittschaltmotoren sind seine Bewegungen im Sitzen zwar etwas eckig, aber doch auch recht flüssig. Nur am Hinterkopf wurde die Abdeckung weg gelassen und so sieht man Mechanik und Elektronik.
ZuschauerInnen sollen nicht ganz verführt werden den Avatar als Menschen zu akzeptiert. Die Stimme von Thomas Melle ertönt natürlich aus den Lautsprechern, der Roboter bewegt dazu aber die Lippen und versucht passende Gesten. "Er oder die Beiden" reden von der bipolaren Störung des Autors und was ein humanoider Replikant so tun muss, um dem menschlichen Vorbild nah zu kommen. Denn die Beziehung zwischen Mensch und Roboter ist nicht unkompliziert. Menschen haben Angst, dass ihre Einmaligkeit flöten geht. Es gibt ein Uncanny Vallley, so heißt auch das Stück. Dieser Effekt bezeichnet eine Akzeptanz Lücke, die entsteht wenn der / die Roboter zu menschenähnlich werden.
Das "Stück" ist eine spannende philosophische Versuchsanordnung, meine Empfehlung - Ansehen.



Kritiken der Anderen: Märkische Allgemeine, Deutschland Radio, Spiegel, Wienerzeitung,

Der Mensch muss nicht singen

19.12.2019

Nicht das ihr denkt ich will jetzt jeden Tag Weihnachten feiern, aber das Nächste folgt bestimmt.

Zum zweiten Mal fand in den Sophiensaelen ein großes Weihnachtsingen statt. Unter dem Motto: "Das große Kiezchortreffen" sagen Chöre und danach gab es Gruppen Karaoke.
Also ein Event auch mit Mitmach Charakter.
Vor dem Publikum sangen-

KIEZCHOR FISCH IM WASSER

Sie kommen aus Mitte,




MGV PET SHOP BEARS

Alle anderen Chöre suchten verzweifelt männliche Stimmen, hier gab es sie im Überfluss.
Und dazu noch viele hübsche, aber schwul. Wer es noch nicht wusste, Homosexuelle können auch singen und sogar gut.










LICHTENBERGER KAMMERCHOR „
PIEKFEINE TÖNE“











NEUER JAZZCHOR BERLIN


Song











HEART CHOR

Der Chor ist besonders, viele junge SängerInnen, mit viel Spaß bei der Sache und einer frechen Performance. Bei einem Lied über Nippel packten alle ganz frech ihre Brustwarzen aus.














Das war ein Kessel Buntes an Chören.
Er folgte die Gruppen Karaoke.
Dazu stellt uns ein Moderator jeweils zwei Weihnachtslieder vor und das, bei dem am lautesten geklatscht wurde, war ausgewählt. Der Text wurde auf eine Leinwand eingeblendet und jeder/jede durfte singen. Das war spaßig und da viele tanzbare meist englisch sprachige Lieder ausgewählt wurden, begannen immer mehr ZuschauerInnen zu tanzen, bis fast alle auf der Bühne waren.
Der Abend war echt vergnüglich und so gingen wir ganz beseelt Heim.
In 2020 findet die Veranstaltung wieder staat, unbedingt Hingehen!

Neuer Ort, fremde Musik

17.12.2019


Den Kunstbunker an Hohenzollerndamm wollte ich schon immer kennen lernen. Das Artist Homes ist in einem Wehrmacht Bunker untergebracht. Gelegen ist der Veranstaltungsort in Schmargendorf, von meinem Wohnsitz aus also ein wenig am Arsch der Welt. Aber dort gibt es regelmäßig Konzerte und Ausstellungen.

Das Homes wird von einem koreanischen Paar betrieben. Passender weise konzertierten zwei Frauen aus Korea.

Sie spielten die alten Instrumente Gayageum und Geomungo.

Beide Instrumente gehören zu den weltweit verbreiteten so genannten Hackbrettern, wer jetzt an Fleischzubereitung denkt liegt komplett falsch. Im deutschsprachigem Raum heißen die Dinger manchmal Zitter. Man/frau zupft die Saiten oder schlägt sie mit Stöcken.

Trotz starker Affinität zur Weltmusik habe ich immer noch Schwierigkeit die klassische Südost asiatische und chinesische Musik zu mögen. Schon als Jung Revoluzzer besuchte ich einen Solidarität Abend unter dem Motto "Waffen für den Vietcong". Dabei wurde vietnamesische Musik gespielt. Mir kräuselten sich die Nackenhaare, ich meinte so müsste es klingen, wenn Katzen gefoltert würden.

Heute, um Jahre älter und ein wenig weiser, konnte ich die von den Beiden im ersten Set gespielten klassischen Weisen besser ertragen, richtig gut gefiel mir die Musik nach der Pause. Sie improvisierten auf ihren Instrumenten und es wurde mehr jazzig.

Der Ort ist auf alle Fälle spannend anzuschauen und da es ein vielfältiges Programm gibt, lohnt sich der Besuch, es gibt auch nicht immer koreanische Klassik.

Rythmen aus Brasilien


20.11.2019

Trotz des widerwärtigen neoliberalen Präsidenten Bosara bietet die brasilianische Botschaft in Berlin noch immer ein spannendes Kulturprogramm.
Dort verbrachte ich einen Abend im Rahmen des Festivals Brasilien trifft Berlin unter dem Motto: Ritmos de Brasil.

Geboten wurde eine Art Einführung in die vielfälltigen Musik- und Tanzstile Brasiliens.
Klingt trocken, war es aber wegen der Musik und den Tanzeinlagen nicht.


Die notwendigen inhaltlichen  Informationen wurden mit einem Handzettel gereicht.
Es wurden vorgestellt: Carimbo, Afoxe, Musica Sertaneja, Samba, Gafieira, Literatura de Cordel, Forror, Bossa Nova, Maracatu, Musica Popular Brasileira, Frevo.


Unter den KünstlerInnen waren auch Bekannte wie Abraao Dutra und Jabuti Fonteles und TänzerInnen der Schule von Carlos Frevo.



Nach der Kunst wurde dann noch Wein und Selter serviert, das nenne ich ein gelungenes Abendprogramm.

Venceremos!

07.11.2019

Berlin wurde heute vom Cumbia Orchester Chico Trujillo heimgesucht und die brachten den Festsaal Kreuzberg zum beben.
Ihr Musikstil die Cumbia ist in Südamerika verbreitet und ist stark von traditioneller indianischer Musik beeinflusst. Angereichert haben sie diese mit Elementen von Ska und Rock.
Eine sehr gut tanzbare Mischung. Die "Kleinen Gangster - Chico Trujillo" kommen aus Chile.
Vom Publikum wurden sie mit - El Pueblo Unido Jamás Será Vencido - begrüßt, dem Wahlspruch der Regierung unter Salvator Allende. Dessen gewählte Regierung wurde von den USA 1993 mit Hilfe des Chilenischen Militärs weggeputscht, "Die Demokratie in Blut gebadet", wie es der Miltärdiktator Augusto Pinochet so treffend formulierte. Eines der Ziele des Diktators war die Privatisierung der staatlichen Strukturen und auch die nachfolgende bürgerliche Demokratie hat den Neoliberalismus beibehalten.
Dieses Wirtschaftskonzept fliegt ihr gerade um die Ohren, berechtigt!
Darum ging es auch in den Liedern der Band.
Auf der Fläche vor der Bühne hüpfte und sprang die Jugend dazu, während Paare die Cumbia tanzten, auf den Balkonen ihre Schritte setzten. Es war ein Fest der Musik und der Politik.
Leider ist die Europatour von Chico Trujillo zu Ende. Wenn ihr die Band genießen wollt, schaut das Video und kauft ihre Songs. Venceremos!

Angel from Saxonia with Sax

21.10.2019

Ich las schon von der neuen Generation hervorragender Jazz MusikerInnen aus Groß Britannien. Darunter sind auch viele Schwarze.
Eine der Band aus diesen Stall konnte ich im Gretchen erleben. Nubya Garcia ist die Frontfrau und Saxofonistin.
Die anderen Musiker konnte ich nicht alle identifizieren, nur den Namen des E-Pianospieler Joe Armon Jones konnte ich finden. Er und auch der Schlagzeuger und der Bassist produzierten exzellenten Sound.
Das zeigte sich nicht nur, wenn die Saxofonistin mal pausierte.
Doch richtig guten Jazz zu erklären fällt schwer, seht und hört das Video an.


Andere Liebeserklärungen in Englisch: Guardien, Bristol in Stereo, Downbeat
Die Dame tourt gerade durch Europa, besucht ihre Konzerte.

Pianoisimo

17.10.2019

Ich erlebte einen wahren Virtuosen am Flügel. David Six stammt aus Österreich, ist um die dreißig, und international recht bekannt, ich hatte ihn jedoch bisher noch nie von ihm gehört.


Nach einer klassischen Ausbildung wurde er ein wenig ein musikalischer "Rumtreiber" und lernte Komposition, was bei seinem Auftritt gut zu erfahren war. Viele der Stücke stammten von ihm. Musikalisch finden sich in seinem neustes Album Karkosh Einflüsse von Jazz und Weltmusik.


In der Botschaft seines Landes spielte er auf. Deren wackere Direktorin vom Kulturforum, Victoria Wagner, hat mir schon so manchen außergewöhnlichen Seh- und Hörgenuss bereitet.
Als der letzte Ton verklang, klatschte das Publikum im vollem Saal enthusiastisch.
Bitte besucht Konzerte von ihm, so sich euch die Gelegenheit bietet.

Hören sie auf mich zu beleidigen!

08.10.2019

Als 1966 die "Publikumsbeschimpfung"  von Peter Handke im Frankfurt uraufgeführt wurde, löste das einen kleinen Skandal aus. Das Stück bietet dem Publikum keine übliche Handlung, es werden keine Geschichten erzählt, die Schauspieler spielen nicht im klassischen Sinn, sondern sprechen monologisch über die Beziehung zwischen Publikum und dem Theater.
Das Reden der Vier Protagonisten beginnt so:

"Sie werden kein Schauspiel sehen.
Ihre Schaulust wird nicht befriedigt werden.
Sie werden kein Spiel sehen.
Hier wird nicht gespielt werden...."


In Erwartung eines Skandals hatte der Hessische Rundfunk das Stück mitgeschnitten.
Dabei filmten sie auch das Publikum, in Hoffnung auf einen Tumult.



Ich sah das Remake von Martin Laberenz im Deutschen Theater. Die Vorstellung heute, 52 Jahre später, fand jedoch nicht vor dem bürgerlichen Frankfurter Publikum aus dem Jahr 1966 statt. Für den Theaterbesucher von Heute ist die Provokation von damals schwer nachzuvollziehen. Castorf, Schlingensief u.A. haben uns gestählt, so das ein wenig Dada gekoppelt mit Philosophie zum Thema Theater niemand mehr schockt.
Auf diese Veränderung regierte die Regie, mit einer hübsch bunten Verpackung des Stücks.
Die Schauspieler bildeten eine Band, die krautrockige psychodelische Melodien spielte. Gefiel mir gut, weil es mich an meine Jugend erinnerte. Wie die vielen Jungen Leute dies aufnahmen, kann ich nicht sagen.
Sie gutierten jedoch die Szene, als der älteste Schauspieler in Chaplin Manier versuchte, einen Joghurt Becher zu öffnen mit vielen Lachern. Eine unpassende Sequenz, denn im Stück sollte eigentlich kein Amüsement geboten werden.
Dass Wodka ans Publikum verteilt wurde fand ich jedoch sympathisch, aber auch wie anbiedern.
Erhellend fand ich, das aus einem versteckten Karton eine Hakenkreuzfahne fast herausgezogen wurde, aber dann ganz schnell wieder versteckt wurde.
Damals wie Heute werden die "dunklen Zeiten unsere Geschichte", die mittlerweile ausführlich ausgeleuchtet sind, gerne im Dunkeln belassen.
Mit Abstand betrachtet kann ich den Besuch des Remake der Publikumsbeschimpfung nicht empfehlen, trotz guter Leistungen der SchauspielerInnen. Schaut euch besser den Mitschnitt von 1966 an. Das ist nicht nur preiswerter, sondern auch erhellender.



Kritiken der Anderen: Nachtkritik

Jüdischer Staub

15.09.2019

Die Berliner Film Festival Landschaft ist vielfältig, gibt es noch ein Thema, das noch nicht zum Zuge kam? Irgendwie ist das mit den Filmen, jedoch wie mit den Büchern, jedes Jahr kommen so viele heraus, dass selbst die guten Filme zeitlich nicht in mein Programm passen.
Zum Glück habe ich Freunde, die sich gut auskennen. So geriet ich in den US Spielfilm "Dust" der im Rahmen der Jüdischen Filmtage gezeigt wurde.
Das Thema des Plots erscheint etwas abseitig, ist aber doch nicht.
Sterben müssen wir alle und da gesagt wir "Von Erde zu Erde" gehen unsere Körper, ist es ja wohl klar, das wir zu Humus werden.
Aber das wie und wann möchte der orthodoxe Jude Shumel genauer wissen, den seine Frau ist gestorben und er ist überzeugt, dass ihre Seele erst Ruhe findet, wenn ihr Körper zu Staub zerfallen ist.
Er geht in die nächste Hochschule, um von einem Biologen die Antwort zu erhalten. Er trifft Albert, einen Biologie Lehrer, der sich in diesem Thema nur marginal auskennt.
Beide suchen sie dann gemeinsam die Antworten.
Da die Beiden sehr verschieden sind und das Thema eher ernst, ergibt sich ein guter Stoff für eine gelungene Komödie.
Mehr verrate ich nicht



Der Regiseur Shawn Snyder ist wohl ein Wiedergänger von Ernst Lubitsch.
Auch bei der anschließenden Diskussion konnte er mit Witz und Ernsthaftigkeit überzeugen.